VonRichard Stroblschließen
Die Preise steigen überall. In der bislang sehr beliebten Urlaubsregion Apulien in Italien haben sie aber offenbar eine kritische Marke erreicht. Die Touristen bleiben weg.
Lecce – Viele Familien warten monatelang auf diesen Moment. Der letzte Schultag ist vorbei, Badehosen, Schwimmflügel und Sonnenbrillen werden im Gepäck verstaut – und dann kann er endlich losgehen: Der Sommerurlaub. Doch in einigen der beliebtesten Reiseziele der Deutschen droht in diesem Sommer eine böse Überraschung, denn die Kosten für einen Familienurlaub gehen vielerorts durch die Decke.
Für besonders viel Aufsehen hatten zuletzt Berichte über Preisschocks in Kroatien gesorgt. Doch auch in Italien müssen Urlauber im Jahr 2023 offenbar sehr viel tiefer in die Tasche greifen, als gewohnt. Vor Preisanstiegen von bis zu 42 Prozent in Italien hatten Verbraucherschützer schon vor der Saison gewarnt. Die tatsächlichen Preisanstiege bei Flügen riefen dann sogar ein italienisches Ministerium auf den Plan. Die Angst vor dem Ausbleiben der Urlauber ging um.
Italien besorgt: Teuer-Preise sorgen in erster Urlaubsregion für Probleme
Dass diese offenbar nicht unbegründet war, zeigen Erhebungen des Verbrauchervereins Adoc Puglia. Dieser schlägt jetzt für die eigentlich bei Touristen beliebte Region im Süden Italiens Alarm. „Die Preise für einen Urlaub in Apulien sind sehr hoch und viel höher als in anderen Ländern, wie Griechenland, Albanien und anderen“, sagt Adoc-Vertreterin Giulia Procino gegenüber dem Corriere del Mezzogiorno.
Ihren Berechnungen nach zahlt eine vierköpfige Familie in Apulien im Jahr 2023 mindestens 160 Euro. Bis zu 500 Euro kostet ein Strandbesuch – wohlgemerkt pro Tag. Basis der Nachforschungen war, dass Adoc herausfinden wollte, warum in diesem Jahr so wenige Urlauber aus der Region selbst und aus italienischen Nachbarregionen anreisen. „Verliert Apulien seinen touristischen Reiz?“, fragt der Corriere. Denn in den vergangenen Jahren hatte es einen regelrechten Tourismus-Boom in der Region gegeben.
Dem Bericht nach betrifft der Besucherrückgang alle Bereiche: Von Badeorten über Gastgewerbe, von Gastronomen über Händler. Die Strandbäder besuchten demnach 20 Prozent weniger Besucher. Dieser Rückgang spiegelt sich demnach auch in den anderen Bereichen wider.
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Italiens Tourismus-Perle Apulien teuer wie selten: Familie zahlt 500 Euro für Tag am Strand
Grund sollen die horrenden Preise sein. Laut Verbraucherverbänden kann sich eine durchschnittliche italienische Familie den Urlaub in Apulien schlicht nicht mehr leisten. Besonders teuer ist es demnach in Gallipoli und generell im Salent. Hier kostet ein Strandtag für eine vierköpfige Familie bis zu 500 Euro. Dabei miteinberechnet ist der Strandaufenthalt an sich, ein Restaurantbesuch und eine Nacht in einem Bed & Breakfast. Die Summe in Gallipoli ergibt sich wie folgt:
- Sonnenschirm und zwei Strandliegen: 35 bis 50 Euro
- Doppelzimmer in Bed & Breakfast: 106 bis 265 Euro
- Restaurantbesuch: 35 bis 150 Euro
In anderen Teilen Apuliens sind die Preise zwar niedriger. Dennoch schrecken sie offenbar viele Urlauber ab. Die Verbraucherschützer von Adoc sind zumindest davon überzeugt, dass der Rückgang von Urlaubern in Apulien mit den Preisanstiegen zusammenhängt, „begleitet von wirtschaftlichen Schwierigkeiten“, da die allgemein hohen Preise die Konten der Menschen ohnehin schon geleert haben, so Adoc. Als Hintergrund werden die Corona-Krise, die Energiekrise und der Preisanstieg bei Grundbedürfnissen, wie Lebensmitteln, genannt.
Ob die Betreiber in Süd-Italien jetzt Konsequenzen ziehen? In Kroatien zumindest hatte man die Preise deutlich reduziert, nachdem viele Urlauber storniert hatten.
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