- VonBettina Menzelschließen
Clowns, Wohnmobile, Alkohol: Das und noch viel mehr ist in Palma de Mallorca künftig verboten. Der Bürgermeister will den Folgen des Partytourismus endlich Einhalt gebieten.
Palma de Mallorca – Die beliebteste Urlaubsinsel der Deutschen lebt vom Tourismus: Etwa 14 Millionen Urlauber pro Jahr besuchen Mallorca – viele kommen zum Feiern. Für die Baleareninsel ist das ein zweischneidiges Schwert: Einerseits bringen die Reisenden Geld, andererseits sorgen die „Partytouristen“ für jede Menge Ärger bei den Anwohnern. Der Bürgermeister von Palma de Mallorca greift nun durch und stellt neue Regeln auf. Wer sich nicht daran hält, ist bis zu 3000 Euro los.
Clowns nicht willkommen: Das ist in Palma de Mallorca bald verboten
Pünktlich zum Beginn der Partysaison auf Mallorca hat der Bürgermeister von Palma, Jaime Martínez Llabrés, sein neues Projekt mit dem Namen „zivile Ordnung“ vorgestellt. Die Regeln sind wohl aus der Not geboren: Das Thema „Overtourism“ ist ein Problem auf der beliebten Urlaubsinsel und steht auch in den lokalen Medien fast täglich in der Diskussion. In der vergangenen Saison meldete die Polizei beinahe wöchentlich Sachbeschädigungen, Schlägereien, Vergewaltigungen oder sogar Tötungsdelikte – beteiligt waren nicht selten auch deutsche Touristen.
Schon 2022 hatte die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol betont: „Wir wollen beim Tourismus nicht weiter wachsen“. Der Bürgermeister von Palma will mit seinem Projekt nun Regeln schaffen, um „Verhaltensweisen zu korrigieren, die das Zusammenleben stören.“ Außerdem sollen die Vorschriften auch das kulturelle Erbe von Palma de Mallorca schützen. Llabrés will damit Ruhe in „das tägliche Leben von Tausenden von Bürgern Palmas“ bringen, „die sich an die Vorschriften halten“, heißt es in einer Mitteilung des Rathauses vergangene Woche. Ein Blick auf die neuen Regeln gibt einen Eindruck von dem, womit sich die Anwohner herumschlagen müssen.
Verboten ist:
- Angriffe auf die Menschenwürde
- Graffitis oder das Anbringen von Plakaten
- Spiele und Wetten
- Verwendung von Rollschuhen, Rollern oder Fortbewegungsmitteln mit mehr als zwei Rädern, etwa Skateboards, außerhalb der dafür gekennzeichneten Bereiche
- Das Anbieten von sexuellen Dienstleistungen im öffentlichen Raum
- Aufführungen auf öffentlichen Straßen, beispielsweise von Clowns, Pantomimen, Jongleuren etc.
- Urinieren und Verrichtung anderer „körperlicher Bedürfnisse“ im öffentlichen Raum
- Konsum von Alkohol und Drogen
- Das Herumklettern auf Balkonen
- Große Gruppen, die „das Zusammenleben stören“
- Unerlaubter Straßenhandel mit Lebensmitteln und anderen Produkten
- Wohnwagen, Wohnmobile und Ähnliches
- Vandalismus sowie das Vermüllen von öffentlichen Plätzen, Grünflächen oder Stränden
- Nackt oder halbnackt durch die Stadt zu laufen
- Lautsprecher, Soundanlagen oder Ähnliches
- Die Verwendung von Laserpointern
- Die Verwendung von Kopfhörern auf Fortbewegungsmitteln aller Art oder das Fahren ohne reflektierende Schutzweste
Tourismus als zweischneidiges Schwert: Zwischen wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlichen Problemen
Die neuen Vorschriften gelten für ganz Palma – und damit auch für den Ballermann. Für einfache Vergehen schlagen 750 Euro zu Buche, schwere Regelverstöße kosten bis zu 3000 Euro. Als schwerwiegendes Vergehen wertet die Regierung von Palma de Mallorca beispielsweise Stuhlgang, Urinieren oder Spucken in öffentlichen Räumen oder das Anbringen von Plakaten auf denkmalgeschützten Gebäuden. Schon im vergangenen Jahr hatte Mallorca die Regeln verschärft. Pedro Marín, der Präsident des Hotelierverbands an der Playa de Palma, zeigt sich nun optimistisch: „Die Regierung arbeitet an neuen Benimmregeln, die auf unseren Forderungen basieren. Ich glaube, diesen Einsatz werden wir schon in dieser Saison spüren.“
Die vergangene Saison sei aus wirtschaftlicher Sicht fantastisch gewesen, aber angesichts der zahlreichen Alkohol- und Drogenexzesse auch ein Desaster, so Marín. Doch er sei „felsenfest davon überzeugt, dass es dieses Jahr besser wird“, so der Verbandspräsident zur dpa. Der Tourismussektor gilt in Spanien mit einem Anteil von knapp 13 Prozent am Bruttoinlandsprodukt als wichtigster Wirtschaftsfaktor in der viertgrößten EU-Volkswirtschaft. 2022 waren insgesamt mehr als 2,5 Millionen Beschäftigte in der Tourismuswirtschaft tätig. Im Jahr 2023 gab es einen Rekord an Hotelübernachtungen: Die Zahl stieg um 8,4 Prozent auf 347,1 Millionen. Mit insgesamt 45,9 Millionen Übernachtungen war die Mittelmeerinsel Mallorca das beliebteste Ziel.
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