„Größte Gefahr“

„Völlig überfordert“: Kleine Kitas in Deutschland kämpfen ums Überleben

  • schließen

Deutsche Kindertagesstätten sind „stark belastet“. Besonders gefährdet sind kleine Kita-Träger. In NRW sorgt man schon mal vor.

Neben dem Fachkräftemangel ist in deutschen Kitas auch die Bürokratie ein Problem. Darauf weist im Oktober 2024 Waltraud Weegmann hin. Sie ist Bundesvorsitzende des Deutschen Kitaverbands. „Die Kitas in Deutschland sind durch eine überbordende Bürokratie stark belastet“, heißt es von ihr im jährlichen Schwarzbuch des Bunds der Steuerzahler Deutschland (BdSt).

„Kitas sind extrem aufwendig, weil es so viele Vorschriften und unterschiedliche Fördermöglichkeiten gibt. Eine kleine Gemeinde überfordert das völlig“, sagt Frank Hüppelshäuser BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Er ist Amtsleiter des Erzbischöflichen Generalvikariats im Erzbistum Köln, zu dem 180 Pfarrgemeinden mit 525 Kitas gehören.

Für sie hat man nun vorgesorgt, geht einen drastischen Schritt und lässt die Kitas in Zukunft von einer neu gegründeten Servicegesellschaft zentral verwalten. Im März startet die erste Testphase.

Bürokratie-Wahnsinn in deutschen Kitas: Überleben kleiner Kitas gefährdet

Aktuelle stecke man „Millionenbeträge“ in die Kitas, „um sie am Laufen zu halten“, sagt Hüppelshäuser BuzzFeed News Deutschland. Durch den Zusammenschluss mit dem gemeinnützigen Kita-Träger Fröbel („der erste in dieser Art übrigens“) werde man in Nordrhein-Westfalen (NRW) nicht nur verhandlungsstark und zu einem „attraktiven Arbeitgeber“, sondern könne auch „effizienter arbeiten und besser mit der Bürokratie umgehen“.

So schaffe man „Sicherheit und Perspektive“ für die rund 8.300 Mitarbeitenden und rund 30.000 Kinder. Die Pfarreien könnten sich „wieder auf das konzentrieren, was wirklich zählt – die pädagogische Betreuung und Förderung der Kinder“. Barbara Grimm, die Leitung für Administration und Finanzen beim Kita-Träger Dibbr kann diesen Zusammenschluss „gut verstehen“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland. „Der bürokratische Aufwand für Kitas ist enorm und kostet eine Menge.“ Sie selbst fülle teilweise „meterlange Exceltabellen“ aus, um Gelder und Zuschüsse zu beantragen.

„Die größte Gefahr sehe ich für die kleinen Kita-Träger, die nur ein oder zwei Kitas haben. Die werden vom Bürokratie-Wahnsinn erdrückt, haben nicht die Möglichkeit oder finanzielle Mittel, um jemanden wie mich einzustellen, der sich um diesen ganzen Papierkram kümmert“, sagt Grimm.

Kitas leiden unter der Bürokratie. In Nordrhein-Westfalen (NRW) geht ein Träger deswegen einen drastischen Schritt.

„Muss für jede Kleinigkeit und jede Förderung einzeln Anträge stellen“

Grimm verwaltet bei Dibbr 31 Kitas in verschiedenen Bundesländern. Da es dort unterschiedliche Förderungsrichtlinien gebe, müsse sie „für jede Kleinigkeit und jede Förderung einzeln Anträge stellen“, sagt die Verwaltungsfachfrau. In Hessen beispielsweise sei es einfacher einen Förderantrag zu stellen als in anderen Bundesländern. Dafür sei das Verfahren zur Anerkennung einer Zusatzkraft wesentlich komplizierter als zum Beispiel in Baden-Württemberg.

„Ich hätte gerne eine Vereinheitlichung. Damit wir weniger Bürokratie-Wahnsinn haben, bräuchte es einen Pauschalbetrag pro Kind und feste Vorgaben, welchen Personalschlüssel und welche anderen Dinge wir mit diesem Geld erfüllen müssen“, sagt Grimm. So müsse jeder Kita-Träger selbst schauen, wie er wirtschafte. „Das würde uns viele Nerven ersparen.“

 

Rubriklistenbild: © IMAGO/Rupert Oberhäuser

Kommentare