„Neuer Rekord plausibel“

„Super El Niño“: Wetter-Phänomen hat begonnen – Hitzige Prognose für heißestes Jahr der Weltgeschichte?

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Forscher sehen die Bedingungen für 2023 als „El Niño“-Jahr gegeben. Sie befürchten sogar, dass 2024 zu einem Rekordjahr der Wetteraufzeichnung werden könnte.

Waashington D.C. – Im Pazifischen Ozean hat nach Aussagen von US-Forschenden das natürliche Wetterereignis El Niño begonnen. Damit würde die Erde, die zunehmend mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen hat, noch wärmer werden. Nach Ansicht des Forschungsteams könnte sich sogar ein „Super El Niño“ einstellen, sodass 2024 das heißeste Jahr der Weltgeschichte bevorstehen könnte.

2023 ist ein „El Niño“-Jahr: Wetterphänomen könnte verheerende Auswirkungen auf den Planeten haben

„Es nimmt jetzt zu, es gibt schon seit mehreren Monaten Anzeichen in unseren Vorhersagen, aber es sieht wirklich so aus, als würde es Ende dieses Jahres seinen Höhepunkt erreichen, was seine Intensität angeht“, sagte Adam Scaife, Leiter der langfristigen Vorhersagen des UK Met Office zur BBC. Das Wetter-Ereignis wird voraussichtlich bis zum nächsten Frühjahr andauern, danach werden Auswirkungen des El Niño wohl nachlassen.

El Niño Pazifik

Darüber hinaus befürchten die Forscher, dass das Wetterphänomen seinen Teil dazu beitragen könnte, dass die Welt den zweifelhaften Meilenstein der Erderwärmung von über 1,5 °C überspringen könnte. Die Auswirkungen auf das Weltwetter könnten zudem drastisch sein und möglicherweise zu Dürren in Afrika und Australien, mehr Regen und Niederschlag im Süden der USA sowie einer Abschwächung des Monsuns in Indien führen.

Wetter-Phänomen El Niño: „Neuer Rekord für die globale Temperatur im nächsten Jahr plausibel“

„Ein neuer Rekord für die globale Temperatur im nächsten Jahr ist auf jeden Fall plausibel“, erklärte Scaife weiter. „Es hängt davon ab, wie groß der El Niño ausfällt – ein großer El Niño am Ende dieses Jahres bietet eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir einen neuen Rekord für die globale Temperatur im Jahr 2024 messen werden.“

Die El Niño Southern Oscillation, oder ENSO, wie sie richtig genannt wird, hat drei verschiedene Phasen: heiß, kalt oder neutral und ist die stärkste Schwankung des Klimasystems auf Erden. Die heiße Phase, El Niño genannt, tritt alle zwei bis sieben Jahre auf und führt dazu, dass warmes Wasser vor der Küste Südamerikas an die Oberfläche gelangt, sich über den Ozean ausbreitet und erhebliche Wärmemengen in die Atmosphäre drückt.

Heiße Phase des Wetter-Ereignisses steht bevor: „El-Niño-Bedingungen herrschen“

Rekordwarme Jahre, darunter 2016, das weltweit heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen, finden normalerweise im Jahr nach einem starken El-Niño-Ereignis statt. Wetterbehörden auf der ganzen Welt entscheiden anhand unterschiedlicher Kriterien, wann diese heiße Phase bevorsteht.

Was passiert bei einem El Niño?

Als El Niño wird ein Klimaphänomen bezeichnet, das alle zwei bis sieben Jahre im Pazifik auftritt. Eine Änderung der Luft- und Meeresströmungen wirbelt das Wetter durcheinander. Begleiterscheinungen des Wetter-Ereignisses sind häufig Dürren und Waldbrände, starker Niederschlag und Überschwemmungen.

Für Wissenschaftler in den USA bedeutet ihre Definition, dass der Ozean einen Monat lang 0,5 °C heißer als normal sein muss, dass die Atmosphäre auf diese Hitze reagiert und dass es Beweise dafür geben muss, dass das Ereignis anhält. Diese Bedingungen wurden im Monat Mai erfüllt. In einer Erklärung erklärte die US-amerikanische National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), dass „El-Niño-Bedingungen herrschen“.

„Das ist ein sehr schwaches Signal. Aber wir glauben, dass wir diese Zustände jetzt sehen und dass sie sich weiter verschärfen werden“, sagte Michelle L‘Heureux, Wissenschaftlerin bei der NOAA, der BBC. „Unser wöchentlicher Wert liegt in der vergangenen Woche tatsächlich bei 0,8 °C, was sogar noch stärker ist.“

Möglicher „Super-El Niño“ 2023: Wahrscheinlichkeit für das Wetterphänomen liegt bei 25 Prozent

Die Forscher gehen davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Wetter-Ereignisses bis Ende 2023 die mittlere Stärke überschreitet, bei 84 % liegt. Zudem geht das Team davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Ereignis auf seinem Höhepunkt 2 °C übersteigt, bei eins zu vier liegt, was in den Bereich eines „Super-El Niño“ gerät. Die Auswirkungen des Ausbruchs von El Niño, das in La Niña das Gegenstück hat, werden wahrscheinlich einige Monate später auftreten, werden aber auf der ganzen Welt spürbar sein.

Den Erfahrungen zufolge wird dieses bevorstehende Wetter-Ereignis hohe menschliche und wirtschaftliche Kosten verursachen. Der starke El Niño in den Jahren 1997–98 kostete beispielsweise über 5 Billionen US-Dollar und forderte rund 23.000 Todesopfer durch Stürme und Überschwemmungen. Auch 2020 drohten dramatische Folgen beim El Niño.

Rubriklistenbild: © Science Photo Library/Imago

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