VonFelicitas Breschendorfschließen
Unter den Zwei- bis Fünfjährigen hatte zuletzt jedes fünfte Kind ein eigenes Tablet. Um „Streitigkeiten“ zu verhindern, müssen Eltern einiges beachten.
Wenn das Kleinkind nörgelt, kriegt es das Tablet. Dann ist es erst einmal für eine Weile beschäftigt. Dieses Gefühl kennen viele Eltern. Immer mehr schenken ihrem Kind sogar ein Eigenes. Jedes fünfte Kleinkind hatte 2023 ein eigenes Tablet – doppelt so viele, wie noch 2020. Das zeigt die miniKIM-Studie, die den Medienumgang von Zwei- bis Fünfjährigen untersuchte.
Erziehungspädagogin erklärt die Wirkung von Spielen am Tablet
Entgegen aller Klischees macht Erziehungspädagogin Imke Hummel, den Eltern keinen Vorwurf. „Wenn ein Kind ein eigenes Gerät bekommt, kann das ein Vorteil sein, weil das Gerät gar nicht als etwas Ausgefallenes gesehen wird, sondern eines von vielen Spielzeugen ist“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. In der Regel verwenden Kinder ein Tablet, um darauf Filme zu schauen oder Videospiele zu spielen.
Spielen am Tablet auf der Couch oder mit Bausteinen im Sandkasten: Läuft das nicht am Ende auf dasselbe hinaus? Nicht ganz, erklärt Hummel. „Der Körper macht meist nicht so mit und das Gehirn reagiert intensiver: Videospiele können für eine rasche Dopaminausschüttung sorgen.“ Für die gleichen guten Gefühlen müsse ein Kind, das nicht am Bildschirm sitzt, viel aktiver sein. Das kennen auch Erwachsene: Es ist es einfacher, sich gut zu fühlen, wenn man sich abends vor den Fernseher setzt, als wenn man sich dazu überwinden muss, ein Buch zu lesen.
Wenn das Kind am Tablet hängt, „sind Streitigkeiten vorprogrammiert“
Sechs Minuten pro Tag beschäftigen sich Zwei- bis Fünfjährige laut miniKIM-Studie mit digitalen Spielen. Das ist gar nicht so lange, wenn man vergleicht, dass Jugendliche im Schnitt über vier Stunden am Tag am Handy surfen. Das zeigt eine Studie der Postbank von 2023. Bei Kindern stellt sich weniger die Frage, ob, sondern wie sie vom Tablet wegkommen. Umso jünger, umso schwerer falle es ihnen aus dem eigenen Willen heraus, mit dem Spielen aufzuhören, sagt Hummel BuzzFeed News Deutschland. Für Eltern bedeutet das viel Überzeugungsarbeit.
„Da sind Streitigkeiten häufig vorprogrammiert“, sagt Hummel. Um Konflikte zu verhindern, sei es sinnvoll, wenn Eltern Regeln für die Tablet-Nutzung aufstellen. Dabei meint die Erziehungspädagogin keine bestimmte Uhrzeit oder Dauer, in denen das Kind am Tablet sitzt. Eltern sollen nur darauf achten, dass es ein „Gleichgewicht“ zwischen Spielen am Tablet und aktiveren Spielen gibt.
„Wird das Gleichgewicht nicht ausreichend gefördert, kann sich im Gehirn etwas verändern, sodass im Grunde der innere Schweinehund immer größer wird, etwas Aktives zu tun“, sagt Hummel. Sie empfiehlt Eltern, ein Tablet für ihr Kind „eher später als früher“ anzuschaffen. Dagegen sprach sich Medienpädagogin Lisa Mutschke in einem vergangenen Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland dafür aus, dass es wichtig sei, Kindern schon früh einen Umgang mit Medien beizubringen.
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