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Der erste große Waldbrand in Spanien ist in diesem Jahr schon im März ausgebrochen. Das Land muss sich nun überlegen, was es gegen die immer häufiger werdenden Brände unternimmt.
Madrid – Obwohl der Frühling gerade erst begonnen hat, ist in Spanien bereits der erste große Waldbrand am Donnerstag (23. März) ausgebrochen. Das Feuer ist nahe dem Dorf Villanueva de Viver in Castellón ausgebrochen und hatte nach nur zwei Tagen bereits mehr als 4000 Hektar niedergebrannt. Hunderte Einsatzkräfte, sowie mehr als 20 Hubschrauber und Löschflugzeuge bekämpften pausenlos die Flammen im Osten des Landes. Erschwert wurde der Einsatz durch kräftige Winde und hohe Temperaturen.
Großbrand in Spanien noch nicht gestoppt - Starker Wind begünstigt weitere Ausbreitung
Am Samstag (25. März) wurde die Ausbreitung der Flammen an der Grenze der Regionen Valencia und Aragonien zunächst verhindert. Doch ein starker Wind mit Böen von bis zu 70 Kilometern pro Stunde sorgte am Montagabend laut den spanischen Behörden dafür, dass die Brände weiter angefacht wurden. „Wir müssen vorsichtig sein, denn das Feuer ist nach wie vor sehr aktiv“, sagte Gabriela Bravo von der Innenbehörde der Region Valencia. „Unser größter Feind ist das Wetter. Es hat in keiner Weise geholfen, der Wind hat das verstärkt.“
Ein Großbrand wie der nahe Villanueva de Viver sei laut Experten eigentlich eher im Sommer zu erwarten. Dann seien die Wälder typischerweise durch lange Hitzephasen sehr trocken und anfälliger für Brände. Dass der Brand bereits im März ausgebrochen ist, mag für die kommenden Monate nichts Gutes verheißen.
Waldbrand in Spanien - „Klimanotstand“ als neue Realität
Die Ursache des Feuers blieb vorerst unbekannt. Möglich sei „eine falsch durchgeführte landwirtschaftliche Verbrennung“, wie die Behörden vermuten. Doch auch der von Menschen verursachte Klimawandel könnte bei dem Ausbruch des Feuers nicht ganz unschuldig sein. „Wir erleben auf der iberischen Halbinsel das fünfte Dürre-Jahr in Folge“, wurde die spanische Ministerin für Ökologischen Wandel, Teresa Ribera vom staatlichen Fernsehsender RTVE zitiert. Leider müsse man deshalb auch außerhalb der Brandsaison immer häufiger mit größeren Feuern rechnen.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sagte bei einem Besuch in der betroffenen Region, das Feuer zeige, dass „der Klimanotstand“ schon Realität sei. „Wir kommen aus dem Winter und haben schon jetzt Waldbrände, die typisch für die Sommermonate sind“, merkte er an.
Waldexperte fürchtet: Spanien erlebt bald „Zeitalter von Mega-Waldbränden“
Auch der Waldexperte Pablo Martín Pinto fürchtet, dass Waldbrände im März künftig nichts ungewöhnliches mehr sein könnten. „Wir bewegen uns in Spanien von einem Zeitalter großer Waldbrände in ein Zeitalter von Mega-Waldbränden“, sagt er. Das Land müsse nun „so viel wie möglich daraus lernen, was geschehen ist“. Wenn Spanien 2023 noch einen Sommer erlebe, „in dem die Temperaturen 20 Tage lang nicht unter 35 Grad fallen und es vier Monate lang nicht regnet, wird die Vegetation beim ersten Blitzeinschlag in Flammen aufgehen“, so Pinto.
Spanien von Waldbränden stark betroffen - Experten sehen Handlungsbedarf
Für Spanien war das vergangene Jahr das verheerendste Waldbrand-Jahr seit Beginn der Erfassungen des Europäischen Waldbrandinformationssystem EFFIS. Nach Messungen des europäischen Erdbeobachtungssystems Copernicus wurde im vorigen Jahr bei 493 größeren Bränden eine Fläche von gut 306.000 Hektar, also über 3000 Quadratkilometer, zerstört.
Infolgedessen fordern Fachleute einen besseren Schutz der spanischen Wälder. Das Unterholz müsse regelmäßig kontrolliert werden, da in diesem besonders leicht Brände ausbrechen können, so der Forstbeauftragte von Kastilien und León, José Angel Arranz Sanz. Waldexperte Pablo Martín Pinto spricht sich für eine vielseitiger gestaltete Landschaft aus. So könne die Widerstandskraft der Wälder erhöht werden.
Nach Brand in Spanien: Waldschutz als oberste Priorität
Der Förster und Gewerkschafter Jorge de Dios wünscht sich außerdem mehr Geld für den Waldschutz. „Wir werden immer mehr Feuer erleben und auch immer stärkere“, sagt de Dios. Die meisten Feuerwehrleute seien aber „keine professionellen Einsatzkräfte und nicht ausreichend ausgebildet“.
Auch Monica Parrilla von der Umweltschutzorganisation Greenpeace sieht dringenden Handlungsbedarf: „Waldbrände müssen ganz oben auf der politischen Agenda stehen“. Es reiche nicht, sich nur mit dem Problem zu beschäftigen, wenn gerade Hitze und Feuer herrschten. Nötig seien „frühe Präventionsmaßnahmen mit einem angemessenen Umwelt-Management, das auf diese neue Realität zugeschnitten ist“. (dpa/afp/rrm)
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