Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Explosive Wetterlage mit Orkan-Alarm für Deutschland: Sturmflut möglich

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Ein Orkantief über der Nordsee bringt gefährlich hohe Wasserstände. Die aktuellen Modellprognosen warnen vor einer möglichen Sturmflut – Hamburg steht vor einem brenzlingen Freitag. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Hamm – Ein mächtiges Orkantief über der Nordsee sorgt ab Donnerstagabend (23. Oktober) für eine explosive Wetterlage im Norden Deutschlands. Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 km/h drücken gewaltige Wassermassen in die Deutsche Bucht. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), die oberste deutsche Behörde für Meer, Schifffahrt und Küste, berechnet dabei präzise die Wasserstände und gibt - wenn notwenidig- entsprechende Sturmflutwarnungen heraus.

Der Fischmarkt in Hamburg könnte in der Nacht auf Freitag (24. Oktober) mal wieder nasse Füße bekommen.

Seine Modelle berücksichtigen Windrichtung, Luftdruck und Gezeiten. Wenn diese Wetter-Faktoren ungünstig zusammentreffen, wie jetzt, können Wasserstände schnell um mehr als zwei Meter über den normalen Tidenhub steigen – eine klassische Sturmflut.

Wetter-Warnung in Norddeutschland: Wie entsteht eine Sturmflut – und warum trifft sie Hamburg?

Eine Sturmflut entsteht, wenn starker, anhaltender Wind über der Nordsee das Wasser in die deutsche Küste drückt. Der Wind schiebt die Wasseroberfläche regelrecht auf – gleichzeitig verhindern niedriger Luftdruck und auflaufende Flut den Abfluss. Besonders kritisch ist eine Kombination aus Orkan aus Nordwest, Ebbe-Flut-Timing und langanhaltender Windstauung.

Doch warum ist Hamburg betroffen, obwohl die Stadt rund 100 Kilometer von der Nordseeküste entfernt liegt? Ganz einfach: Die Elbe ist eine trichterförmige Mündung, die bei Sturmfluten wie ein Kanal wirkt. Das Wasser, das aus der Nordsee hereingedrückt wird, läuft den Fluss hinauf – bis nach St. Pauli, wo der Pegelstand gemessen wird. Je enger der Elbtrichter wird, desto höher schwappt das Wasser. Deshalb kann es selbst mitten in Hamburg zu Überschwemmungen kommen.

Sturmflut kommt auf Deutschland zu: Fischmarkt wohl erneut unter Wasser – Schutzmaßnahmen und Ausblick

Am Freitag (24. Oktober) dürfte der Fischmarkt erneut unter Wasser stehen – ein bekanntes, aber stets eindrucksvolles Schauspiel. Die Deiche rund um die Hansestadt sind zwar modern und hoch, doch extreme Wetterlagen können sie zunehmend an ihre Grenzen bringen. Langfristig warnen Experten, dass Klimawandel und steigende Meeresspiegel Sturmfluten häufiger und intensiver machen könnten. Für die Menschen in Hamburg bleibt deshalb nur eines: Ruhe bewahren, die Warnungen ernst nehmen – und den Respekt vor der Kraft des Wassers nicht verlieren.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Rabea Gruber

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