Meterhohe Schuttberge

Bröckel-Berg bricht ab: Millionen Tonnen Schutt verfehlen Dorf haarscharf – Familien um Mitternacht evakuiert

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Die Umgebung der Gemeinde Brienz im Graubünden ist nicht mehr wiederzuerkennen. In der Nacht zerbrach der Bröckel-Berg. Felsmassen rauschen in die Tiefe.

Update vom 16. Juni, 15.25 Uhr: Die Pressekonferenz zum Felssturz in Brienz ist beendet, unter anderem Blick berichtete. Von der restlichen Insel gehe jetzt keine große Gefahr mehr aus, teilten die Behörden mit. Phase Blau ist aufgehoben. Das bedeutet, dass am Samstag die öffentlichen Verkehrsmittel wieder normal fahren.

Die zwei westlichsten Häuser wurden um Mitternacht evakuiert, drei Familien mussten weg von zu Hause. Das berichtete der Gemeindepräsident Daniel Albertini, der mit einem Schmunzeln anfügte: „Eigentlich wollte ich um 22 Uhr ins Bett gehen.“ Er habe sich aber bis Mitternacht mit Geologen ausgetauscht und anschließend Phase Blau ausgerufen.

„Es war eine gute Nacht. Brienz hat Glück gehabt“, sagt Kommunikationsleiter Christian Gartmann. Zwar türmen sich teils Schutthaufen im Ort, aber es sind keine Schäden entstanden. Und, noch wichtiger: Niemand wurde verletzt. Wann das Gestein abtransportiert werde, können die Behörden aber noch nicht prognostizieren.

Erstmeldung vom 16. Juni, 10.35 Uhr: Brienz (Schweiz) – In der Nacht von Donnerstag auf Freitag (16. Juni) ist es passiert: Die Steininsel am Bröckel-Berg ist abgerutscht. Millionen Tonnen Gestein donnerten auf das Dorf Brienz in der Schweiz zu. Bilder zeigen, wie knapp die Felsmassen an den Häusern vorbeigerauscht sind. Nur wenige Meter vom Dorf entfernt, häufen sich die Schuttberge.

Meterhohe Schuttberge hinter der Schule: Felsmassen rauschen knapp am Dorf Brienz vorbei

Bereits Mitte Mai wurde das Bergdorf evakuiert, zu groß war die Gefahr für die Bevölkerung. Jetzt zeigt sich, wie richtig die Behörden lagen. Das Dorf wurde zwar verschont, aber es war haarscharf. „Auf der Kantonstraße hinter dem Schulhaus hinterließen die Felsmassen meterhohe Ablagerungen“, twitterte die Gemeinde am frühen Morgen.

Mit lautem Krachen schossen die Steine ins Tal. Dort türmt sich der Schutt jetzt teils zwölf Meter hoch, berichtet die Nachrichtenagentur SDA. Noch am Morgen konnte man den Berg immer wieder rumpeln hören. „Höchstwahrscheinlich ist ein großer Teil der Insel zwischen elf und zwölf Uhr abgerutscht, und zwar sehr schnell. Es ist also kein Bergsturz, sondern ein sehr schneller Schuttstrom gewesen“, erklärte Christian Gartmann, Kommunikationsbeauftragter des Gemeindeführungsstabs, im Interview mit „20 Minuten“.

Bröckel-Berg immer noch gefährlich: Es gilt Phase Blau rund um das Dorf Brienz

Gegen 19.30 Uhr hatten die Behörden Phase Blau ausgerufen. Das bedeutet ein totales Betretungsverbot für das evakuierte Gebiet, außerdem sind anliegende Straßen und Wanderwege gesperrt. „Egal welche Straße man nimmt, alles ist gesperrt“, sagt eine Reporterin der Zeitung Blick. Wie lang Phase Blau gelte, sei nicht abzusehen.

„Das ist natürlich lästig für die Leute. Sie konnten sich überhaupt nicht darauf vorbereiten“, sagt Christian Gartmann dem Blatt. Der Felssturz drohte allerdings seit Jahren. Die Behörde hätten jetzt keine andere Wahl gehabt, als Phase Blau zu verhängen, die Geschwindigkeiten am Berg seien „förmlich explodiert“. Gegen 14.30 Uhr will die Gemeinde in einer Pressekonferenz über die aktuelle Situation informieren. (moe)

Rubriklistenbild: © Michael Buholzer/picture alliance/dpa

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