Washington, D.C. wurde Ende des 18. Jahrhunderts als Planhauptstadt konzipiert. Die ursprüngliche Bezeichnung District of Columbia hat sich als Kürzel „D.C.“ im Stadtnamen erhalten. Darin unterscheidet sich die Hauptstadt auch vom gleichnamigen Bundesstaat Washington.
- Washington, D.C. ist seit 1801 die Hauptstadt der Vereinigten Staaten.
- In der Stadt steht unter anderem das Weiße Haus.
- Trotz ihres Wohlstandes gilt die Stadt als sozialer Brennpunkt in den USA.
Washington, D.C. – Noch heute zeugt das Stadtbild mit seinen schachbrettartigen Straßen und geometrisch streng ausgerichteten Denkmälern davon, dass Washington, D.C. als repräsentative Planstadt konzipiert war. Die Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. So kämpfen die Einwohner des District of Columbia immer noch für eine Vertretung im Repräsentantenhaus. Aber auch in sozialer Hinsicht gibt es Nachholbedarf in der Landeshauptstadt.
Washington, D.C.: Die Planhauptstadt der Vereinigten Staaten
Das Gebiet des heutigen District of Columbia war ursprünglich vom Indianerstamm der Nacotchtank besiedelt. Bereits im 17. Jahrhundert tauchten hier die ersten Europäer auf. 1749 wurde am Fluss Potomac die Stadt Alexandria in der Kolonie Virginia gegründet. Drei Jahre später folgte etwas nördlich davon Georgetown als Teil der Kolonie Province of Maryland. In der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika wurde schließlich ein „District“ über eine Größe von 10x10 Meilen als Regierungssitz festgelegt. Washington war demnach als Planhauptstadt konzipiert.
1791 wurde hierfür der District of Columbia aus den beiden Kolonien Virginia und Maryland herausgeschnitten. Am 13. Oktober 1792 wurde schließlich mit dem Bau des Weißen Hauses und somit auch dem Bau der neuen Hauptstadt begonnen. Am 11. Juni 1800 wurde Washington schließlich die offizielle Hauptstadt der Vereinigten Staaten. In ihr wurden die Städte Alexandria und Georgetown integriert.
Washington, D.C.: Turbulenzen im 19. Jahrhundert
1814 wurde Washington im Britisch-Amerikanischen Krieg von einer 4.500 Mann starken Streitmacht erobert und besetzt. Dabei wurde das Weiße Haus beschädigt und das Kapitol zerstört. Präsident James Madison floh mitsamt der Regierung nach Virginia. Da die Wahlen nur von den Bundesstaaten organisiert wurden, besaß der District of Columbia kein Wahlrecht. Aus diesem Grund gab es ab 1830 Bestrebungen, das Gebiet um Alexandria County, wieder an Virginia anzuschließen. Außerdem hatte man Angst, dass die wirtschaftlich bedeutende Sklaverei im District of Columbia verboten werden könnte. Allerdings wurde die Rückgabe an Virginia nach langen Debatten erst im März 1847 amtlich.
Später wurde als Kompromiss dafür zwar der Sklavenhandel im District of Columbia verboten, allerdings nicht die Haltung. Im Sezessionskrieg (1861-1865) stieg die Einwohnerzahl von Washington stark an. Grund waren der große Bedarf an Bundesbeamten sowie der Anstieg geflohener Sklaven. 1862 wurde die Sklaverei schließlich endgültig verboten. Die Städte Washington und Georgetown sowie der Washington County wurden 1871 aufgehoben. Der District of Columbia wurde einer einheitlichen Verwaltung unterstellt.
Washington, D.C.: Entwicklung im 20. und 21. Jahrhundert
Während Washington, D.C. im Jahr 1800 noch gut 8.000 Einwohner zählte, waren es hundert Jahre später bereits knapp 279.000 Menschen. Entsprechend wurde ab dem 20. Jahrhundert auch das Stadtbild sukzessive verändert. Viktorianische Parkanlagen wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch öffentliche Gebäude ersetzt. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatte Washington die 800.000er-Marke geknackt. Danach waren die Einwohnerzahlen laut Volkszählungen jedoch wieder rückläufig. Im Jahr 2020 waren es etwa 689.545 Einwohner.
Als administratives und politisches Zentrum der Vereinigten Staaten hat Washington, D.C. auch einen hohen Wohlstand zu verzeichnen und besitzt sogar das höchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf aller US-Bundesstaaten. Die treibenden Wirtschaftsfaktoren sind vor allem der Tourismus, der Finanzsektor, Bildung, Gesundheit und Forschung. Allerdings ist die Stadt auch als sozialer Brennpunkt bekannt. Knapp ein Fünftel der Bevölkerung lebt in Armut. Zudem besitzt die Hauptstadt eine hohe Kriminalitätsrate und gilt als eine der gefährlichsten Großstädte der USA.
Washington, D.C.: Besondere Stellung in der Politik
Erst seit 1961 dürfen die Bürger des District of Columbia den Präsidenten mitwählen. Allerdings ist der Distrikt im Repräsentantenhaus nur mit einem nicht stimmberechtigten Beobachter vertreten. Daraus ergibt sich die Besonderheit, dass die Bewohner der Hauptstadt eines demokratischen Staates ihr Parlament nicht mitwählen dürfen. Erst im Januar 2021 wurde erneut eine Gesetzesinitiative eingebracht, aus Washington, D.C. einen eigenen regulären Bundesstaat mit eigenen Abgeordneten zu machen.
Washington, D.C. verfügt seit 1974 über einen Stadtrat, der einen Bürgermeister wählt. Allerdings hat diese Volksvertretung eingeschränkte Kompetenzen, da die Stadt direkt dem Kongress der Vereinigten Staaten untersteht. Dieser hat die Befugnis, auf Beschlüsse zur Hauptstadt einzuwirken und auch den Stadtrat aufzulösen. Washington gilt zudem als Hochburg der demokratischen Partei. Allein im Jahr 2020 waren elf Stadträte Demokraten, die restlichen zwei waren parteilos. Von den Republikanern wird seit 2009 kein Stadtrat mehr gestellt.
Washington, D.C. befindet sich in der Nähe der Ostküste, wo der Anacostia River in den Potomac River mündet. Die Stadt liegt zwischen den Bundesstaaten Maryland im Nordosten sowie Virginia im Südwesten. Sie ist geografisch in vier Quadrate unterteilt, deren Grenzmittelpunkt das Kapitol bildet. Die politische Unterteilung erfolgt wiederum in acht Bezirke.
Dass Washington eine Planstadt ist, macht sich auch am schachbrettartigen Stadtbild bemerkbar. Die Straßen sind weitgehend gerade angelegt. Die von Ost nach West verlaufenden Straßen sind alphabetisch geordnet, die vom Norden nach Süden verlaufenden Straßen sind durchnummeriert. Daneben existieren noch diagonal verlaufende Straßen, die als Avenues bezeichnet werden. Da kein Gebäude um 6,1 Meter höher sein darf als die Breite der angrenzenden Straßen, gibt es in Washington keine Wolkenkratzer.
Die Stadt ist mitsamt einiger Vororte von einem Autobahnring umschlossen. Hinzu kommt die Washington Metro, die als das zweitgrößte U-Bahn-System in den Vereinigten Staaten gilt. Seit 2016 wurde ein neues Straßenbahnsystem in Betrieb genommen, nachdem das ursprüngliche Straßenbahnnetz bereits 1962 stillgelegt worden war. Der nationale Flugverkehr läuft über den Ronald Reagan Washington National Airport in Virginia. Über den etwa 45 Kilometer entfernten Washington Dulles International Airport sowie den 65 Kilometer entfernten Baltimore-Washington International Airport in Maryland wird der internationale Flugverkehr abgewickelt.
Washington, D.C.: Kultur und Sehenswürdigkeiten
Das Weiße Haus, das Kapitol und das Gebäude des Supreme Court gelten als die Sehenswürdigkeiten und Aushängeschilder der Stadt schlechthin. Das Pentagon, in welchem das US-Verteidigungsministerium sitzt, wird zwar gerne in Washington D.C. lokalisiert. Allerdings befindet sich der Gebäudekomplex in Arlington (im Bundesstaat Virginia) direkt an der Grenze zur Landeshauptstadt. Zum Stadtbild gehören zahlreiche monumentale Denkmäler und Gedenkstätten.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Bauwerke im Überblick:
- Washington Monument
- Jefferson Memorial
- Lincoln Memorial
- Franklin Delano Roosevelt Memorial
- United States Holocaust Memorial Museum
- Second World War Memorial
- Korean War Veterans Memorial
- Vietnam Veterans Memorial
- Denkmal für die Opfer des Kommunismus
- Washington National Cathedral
- Basilica of the National Shrine of the Immaculate Conecption
- Cathedral of St. Matthew the Apostle
- Holy Trinity Catholic Curch
- National Gallery of Art
Durch die großzügig angelegte Architektur wird Washington, D.C. immer wieder zum Schauplatz von Protesten und Großveranstaltungen. So finden auf der National Mall zwischen dem Kapitol und dem Lincoln Memorial immer wieder Aufmärsche und Massenkundgebungen statt.
Washington, D.C.: Wissenswertes zur Stadt
Der offizielle Name der US-Hauptstadt lautet eigentlich District of Columbia – benannt nach dem Seefahrer Kolumbus. Die Bezeichnung Washington geht auf den Präsidenten George Washington zurück – dem ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten. Allerdings wurde der Teil des Distrikts, in welchem sich bis 1871 die Stadt Washington befand, auch weiterhin als Washington bezeichnet. Im Laufe der Zeit setzte sich somit immer mehr Washington, D.C. als einheitliche Bezeichnung für den gesamten Distrikt durch.