Durch Regen und Schneeschmelze

Ein Jahr nach Rekord-Ebbe: Wasser ist zurück – jetzt läuft der Gardasee über

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Vor einem Jahr hatte der Gardasee extrem niedrigen Wasserstand. Urlauber konnten zur Kanincheninsel spazieren. Jetzt zeigt sich der See völlig anders.

Riva/Desenzano – Viele Italien-Fans erinnern sich noch: Vor einem Jahr herrschte am Gardasee ein extrem niedriger Wasserstand. Riesige Kiesbänke sorgten für ein gespenstisches Bild. Felsen, die sonst unter der Wasseroberfläche schlummern, ragten staubig in die Luft. Die Bauern der Umgebung zitterten, ob sie im Sommer genügend Wasser zur Bewässerung haben werden. Wer jetzt an die liebste Badewanne der Deutschen und Österreicher fährt, sieht ein völlig anderes Bild: Das Wasser reicht fast an die Oberkante der Piers, am Abfluss in den Mincio südlich von Peschiera sprudelt es in den Fluss, der wiederum im Po mündet.

Ebbe vor einem Jahr – jetzt sprudelt das Wasser am Gardasee

Am Sonntag (25. Februar) lag der Pegel des Sees 135 Zentimeter über dem hydrometrischen Nullpunkt von Peschiera, berichtet das Portal larena.it. Ende des vorigen Jahres waren es sogar 140 Zentimeter. Dank der Regenfälle des Sommers und des Winterhalbjahrs, der Schneeschmelze und der sorgfältigen Bewirtschaftung der Wassermengen durch den Salionze-Staudamm sind das 90 Zentimeter mehr als am selben Tag vor einem Jahr. Damals hatte der Gardasee-Pegel bei nur noch 45 Zentimeter gelegen.

Der Mincio, der aus dem Gardasee fließt, ist prall gefüllt.

Voriges Jahr bestanden große Sorgen, ob das Wasser für Bewässerung der Felder südlich des Sees reichen wird. Auch die Touristengemeinden hatten Angst, dass sich Menschen beim Sprung ins Wasser schwer verletzen können, da es viel zu seicht war. Jetzt muss sogar Wasser abgelassen werden. Die Ableitung in das Bewässerungssystem des Mincio im Süden wurde vorioge Woche von 50 auf 100 Kubikmeter pro Sekunde verdoppelt. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Zufluss über die Sarca bei Torbole im Norden und kleinere Bäche beträgt etwa 60 Kubikmeter pro Sekunde.

„Die Messungen der aktuellen Pegel sind in der Tat das Ergebnis eines von Vernunft geleiteten Managements der Wasserressourcen des Sees in den vergangenen Monaten“, analysiert der Vizepräsident der Gardasee-Gemeinschaft Filippo Gavazzoni. „All dies ist auf die hervorragende Arbeit der Interregionalen Agentur des Flusses Po in Zusammenarbeit mit den Bewässerungskonsortien Mincio-Mantua und der Garda-Gemeinschaft zurückzuführen.“

Die Wasserkrise sorgte dafür, dass die Interessengruppen jetzt zusammenarbeiten

Gavazzoni: „Jetzt ist der Stand der Technik am Gardasee im Hinblick auf die nächste Bewässerungssaison in der Gegend von Mantua mehr als gut“, versichert der Vizepräsident der Garda-Gemeinschaft. „Wir haben alle im selben Boot gearbeitet und uns auf die Ableitungen geeinigt“, so Gavazzoni weiter zum Portal. In der Vergangenheit habe es oft Streit gegeben, auch weil die Wasserabflüsse teilweise verschiedene Gebiete und ökologische Zonen betrafen, die zum Teil empfindlich waren und erhalten werden mussten.

Das Jahr 2023 sei aufgrund der sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels ein „extremes“ Jahr gewesen, das durch Wasserknappheit in den ersten Wintermonaten gekennzeichnet gewesen sei. Im Jahr zuvor war es demnach noch extremer: Am 20. Oktober 2022 lag der Pegel sogar nur bei 22 Zentimetern über dem hydrometrischem Nullpunkt.

Regen und Schmelzwasser haben den Pegel des Gardasees um über einen Meter ansteigen lassen.

Ein Meter Pegelanstieg in einem Jahr – das gab es am Gardasee noch nie

Ein Jahr später, am 5. November 2023, lag er bei schon bei 135 Zentimetern. „Es ist noch nie vorgekommen, dass der Gardasee in etwas mehr als einem Jahr einen Pegelanstieg von mehr als einem Meter verzeichnete“, so der Generalsekretär der Garda-Gemeinschaft, Pierlucio Ceresa gegenüber larena.it.

„Wenn wir bedenken, dass ein Zentimeter des Gardasee-Spiegels etwa 3,7 Millionen Kubikmeter Wasser entspricht, können wir errechnen, dass in nur 12 Monaten beeindruckende 418 Millionen Kubikmeter Wasser in sein Becken geflossen sind.“ Dann könnte auch der Urlaub an diesen fünf Geheimtipp-Orten am Gardasee traumhaft werden.

Rubriklistenbild: © Fotolicht/Imago

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