Rückzieher auf Twitter

Wegen Silvester: Lauterbach will Böller-Chaoten Wohnung kündigen – und rudert zurück

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Auf Twitter fordert Karl Lauterbach (SPD), dass Böller-Chaoten die Wohnung gekündigt werden soll. Doch kurz darauf löscht der Gesundheitsminister seinen Tweet wieder.

Berlin – In der Silvesternacht wurden in Deutschland zahlreiche Einsatzkräfte verletzt, darunter auch Rettungskräfte. Sie wurden zuvor mit Böllern beworfen. Ein Zustand, der Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zur Weißglut treibt. Auf Twitter meldet sich der Sozialdemokrat am Neujahrsmorgen zu Wort und spricht von einer Schande, dass „eine kleine Gruppe von Chaoten gerade die Rettungskräfte angreift“. Geht es nach Lauterbach, muss das die Kündigung der Wohnung zur Folge haben.

Karl Lauterbach (SPD) wegen Böller-Chaoten in Rage: Gesundheitsminister will Kündigung von deren Wohnung

Bei all denen, die in der Nacht von 31. Dezember 2022 auf den 1. Januar 2023 Verletzte und Kranken geholfen hätten, wusste Karl Lauterbach sich zu bedanken. Gemeint waren damit die Menschen, die durch Feuerwerkskörper oder Böller Verletzungen erlitten hatten. Aber auch das Personal in Klinken und Krankenhäusern, die eh schon am Limit arbeiten und sich mit der Kombination aus Corona, Influenza und RSV (RS-Virus) konfrontiert sehen.

In der Silvesternacht kam es vor allem in Berlin zu reichlich Randale und Böller-Eskalation. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) forder harte Konsequenzen.

Weitaus weniger Worte findet Lauterbach verständlicherweise für die Böller-Chaoten in ganz Deutschland, die Rettungskräfte rücksichtslos gefährdeten. Das „sollte ein Grund zur Kündigung der Wohnung sein“, so der Gesundheitsminister via Twitter. Worte, die Lauterbach allem Anschein nach schnell bereute. Schließlich löschte er seinen ersten Tweet des Jahres zeitnah nach dessen Veröffentlichung.

Silvesternacht in Berlin endet mit 33 verletzte Einsatzkräften – „Verhalten ist durch nichts zu rechtfertigen“

Doch nicht nur Lauterbach beschäftigt die Frage, welche Konsequenzen aus dem vielerorts eskalierten Böllern zu ziehen sind. Längst ist eine große Diskussion entfacht. In Berlin musste die Polizei in der Neujahrsnacht besonders viele massive Angriffe auf Einsatz- und Rettungskräfte vermelden. Insgesamt 33 verletzte Einsatzkräfte wurden in der Hauptstadt gezählt. „Von der Masse und der Intensität der Angriffe auf unsere Einsatzkräfte“ überrascht zeigte sich die Berliner Feuerwehr.

Es seien unter anderem Bierkisten und Feuerlöscher auf Fahrzeuge geworfen worden, Retter seien beim Löschen mit Pyrotechnik beschossen und Einsatzfahrzeuge geplündert worden. „Dieses Verhalten ist durch nichts zu rechtfertigen, und ich kann es nur auf das Schärfste verurteilen“, hieß es dann auch von Landesbranddirektor Karsten Homrighausen.

Gewerkschaft fordert weitgehendes Böllerverbot – weil „Pyrotechnik ganz gezielt als Waffe gegen Menschen eingesetzt wird“

Die Gewerkschaft der Polizei Berlin (GdP) will hart durchgreifen und fordert ein weitgehendes Böllerverbot. „Wir haben deutschlandweit gesehen, dass Pyrotechnik ganz gezielt als Waffe gegen Menschen eingesetzt wird“, kritisierte GdP-Landeschef Stephan Weh. Und das müsse schleunigst ein Ende haben.

Doch sei ein Böllerverbot nur realistisch, wenn nicht erst im Dezember wieder darüber diskutiert werden. Vielmehr brauche es ein striktes Verkaufsverbot für alle, die nicht beruflich mit Pyrotechnik arbeiten. Da hätte wohl auch Karl Lauterbach nichts dagegen.

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen/dpa/Jürgen Held/imago/Montage

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