Sorgen um „Weltuntergangs-Gletscher“ Thwaites: Eisberg verabschiedet sich
VonTanja Banner
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Der „Weltuntergangs-Gletscher“ Thwaites macht der Forschung schon lange Sorgen. Nun kommt ein neuer Grund hinzu – ein Dominoeffekt wird befürchtet.
Antarktis – Der Thwaites-Gletscher in der Antarktis ist als „Weltuntergangs-Gletscher“ bekannt. Schmilzt er, sollen die Pegel der Meere um etwa 65 Zentimeter ansteigen, schätzt die Forschung. Das ist dramatisch, doch noch nicht das „Weltuntergangs-Szenario“. Der Gletscher Thwaites hindert außerdem gemeinsam mit dem Pine-Island-Gletscher den Westantarktischen Eisschild daran, ins Meer zu fließen.
Doch der „Weltuntergangs-Gletscher“ beunruhigt Forscher schon lange: Studien zeigen, dass der Gletscher schneller schmilzt als erwartet und dass dieser Prozess bereits für vier Prozent des globalen Meeresspiegelanstiegs verantwortlich ist. Erst kürzlich zeigte eine Studie, dass der „Weltuntergangs-Gletscher“ entlang seiner Unterwasserkante schmilzt.
„Weltuntergangs-Gletscher“ verliert Eisberg B-22A
Der Forscher Robert Larter formulierte es bei der Vorstellung der Studie drastisch: „Der Thwaites-Gletscher hält sich wirklich mit den Fingernägeln fest“. Man solle damit rechnen, „dass wir in Zukunft große Veränderungen in kleinen Zeiträumen – sogar von einem Jahr zum nächsten – sehen werden“, so Larter weiter. Nun ist einem französischen Forscher eine solche Veränderung aufgefallen und er hat sie über Twitter öffentlich gemacht: Der Eisberg B-22A hat sich vom Thwaites-Gletscher entfernt.
#B22A is the largest iceberg in the Amundsen Sea, Antarctica (50 times Manhattan land area). It broke off from @ThwaitesGlacier's tongue and remained grounded for 20 years.. But now it's on the go (1/4). pic.twitter.com/plxY6L8z0p
B-22A ist ein riesiger Eisberg, der im März 2002 vom Thwaites-Gletscher abbrach und 20 Jahre lang als riesiger Eisblock diente. Im Jahr 2002 hatte der Riese eine Länge von 85 Kilometern und eine Breite von 64 Kilometern und verfing sich etwa 100 Kilometer vor dem Thwaites-Gletscher im Gestein. Dies sorgte für zusätzliche Stabilisierung, da sich immer wieder Eis zwischen dem Eisberg und dem Gletscher bilden konnte.
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde
Gascoin und andere Wissenschaftler sind deshalb in Sorge. Bereits 2020 sagten Forschende in einer Studie im Journal of Glaciology voraus, dass mit dem Abschied des Eisbergs „ein Wechsel zu ungünstigeren Festland-Meereisbedingungen“ wahrscheinlich wird. „Jede Abnahme der Beständigkeit oder Ausdehnung des Festlandmeereises würde letztlich die Aussicht auf einen weiteren Rückzug oder ein Auseinanderbrechen der Thwaites-Eiszunge erhöhen“, heißt es in der Studie weiter.
Eisberg B-22A: Sein Verschwinden könnte zu einem Dominoeffekt führen
Eine Studie von 2022 befürchtet, „ein offenes Wasserregime könnte auch den saisonalen Zufluss von durch Sonneneinstrahlung erwärmtem Oberflächenwasser ermöglichen, das die Basalschmelze verstärkt“. Kurz: Der Abschied des Eisbergs B-22A könnte zu einem Dominoeffekt führen: Das Meereis wäre dem Meer und Stürmen stärker ausgesetzt und würde dadurch brüchiger, wodurch Meerwasser unter den Thwaites-Gletscher eindringen und das Abschmelzen beschleunigen könnte. Das könnte sich letztlich auch auf den Westantarktischen Eisschild auswirken.
Forschungen legen nahe, dass ein vollständiger Verlust des „Weltuntergangsgletschers“ und der umliegenden Eisbecken den Meeresspiegel um drei bis zehn Meter ansteigen lassen könnte. Wenn man bedenkt, dass nach UN-Angaben etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung derzeit nur etwa 97 Kilometer von einer Küste entfernt leben, ist das ein beängstigendes Szenario. (tab)