VonAndreas Knoblochschließen
Die Vogelgrippe könnte einzigartige Tierarten bedrohen, die ihre Heimat auf den Galapagos Inseln haben. Auch das Wetter-Phänomen El Nino ist ein Grund.
Galapagos-Inseln - Die Galapagos-Inseln sind abgelegen im Pazifik. Bekannterweise nutzte Charles Darwin das Archipel für seine Studien. Einzigartige Tiere leben dort und genau jene sind jetzt in Gefahr, obwohl Tausend Kilometer Wasser zwischen der Insel und dem Festland sind. Doch auch diese Entfernung schützt vor dem Virus H5N1 - auch bekannt als Vogelrippe - nicht.
Einzigartige Tierart durch Vogelgrippe und wegen El Nino vom Aussterben bedroht?
Zuletzt berichtete tz.de noch über die Blaufußtölpel, die durch die besondere Farbe der Füße sogar Weibchen anlocken. Doch genau die Tölpel sind jetzt von dem Virus betroffen, bei drei Vögeln konnte es nachgewiesen werden. Bislang scheinen die Tiere mit den blauen Füßen glimpflich davongekommen zu sein, die Geschwistertiere mit den roten - Rotfußtölpel - dahingegen nicht. Sie ernähren sich nur von wenigen Fischarten, die es aufgrund der hohen Wassertemperaturen wegen des El-Niño-Phänomens derzeit nur in weit abgelegenen Gebieten gibt. „Wir gehen davon aus, dass sich die Tiere auf der Suche nach Nahrung weit von den Galápagos-Inseln entfernt und sich dort bei Zugvögeln angesteckt haben“, sagte der Direktor des Nationalparks Galápagos, Danny Rueda, in einem Radiointerview, laut der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist eine sehr gefährliche Situation, nicht nur für die Meeresvögel, sondern auf für die Seelöwen“, fügt Rueda an.
El Niño kurz erklärt
Temperaturschwankungen im zentralen und östlichen Pazifik am Äquator, die mit Schwankungen und Veränderungen in der Atmosphäre einhergehen. El Niño beschreibt die Erwärmung des Oberflächenwassers vor der Küste Südamerikas.
Wegen El Nino regnet es in Ostaustralien, Indonesien, auf den Philippinen, in Indien, Südafrika, aber auch im Norden Brasiliens weniger als üblich. Im Westen Südamerikas, in Teilen Afrikas und in Teilen der USA regnet es hingegen weitaus mehr als normalerweise. In Europa hat El Niño hingegen meist eisige Temperaturen zur Folge.
Die Galápagos-Inseln gehören zu Ecuador und liegen rund 1000 Kilometer westlich der südamerikanischen Küste im Pazifik. Sie sind wegen ihrer besonderen Flora und Fauna seit 1978 Unesco-Weltnaturerbe. Zu den endemischen Arten, die es nur dort gibt, zählen Meerechsen, Landleguane und Darwin-Finken. 1835 besuchte Charles Darwin die Inseln und interessierte sich für ihre Vögel.
Derzeit grassiert die größte je dokumentierte Vogelgrippewelle, die sich über mehrere Erdteile erstreckt. Der Erreger befällt vor allem Vögel, wurde zuletzt vereinzelt aber auch bei mehreren Säugetieren wie Waschbären, Füchsen und Mardern gefunden. In Südamerika sind bereits Tausende Robben und Seelöwen dem Virus zum Opfer gefallen.
Experte besorgt: „Größte Gefahr für Populationen, die es nur dort gibt und die nicht sehr groß sind“
Der Leiter des Instituts für Virusdiagnostik des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Martin Beer, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Die größte Gefahr besteht wahrscheinlich für Populationen, die es nur dort gibt und die nicht sehr groß sind“, Nach bisherigen Erfahrungen bestehe vor allem für Wasservögel und Arten, die zu diesen Kontakt haben, Gefahr. Singvögel seien hingegen weniger betroffen. Darwinfinken schließt Beer aus: „Die, würde ich zumindest sagen, gehören jetzt nicht in die Gruppe, die an vorderster Front gefährdet ist“, sagte Beer.
Die Fachzeitschrift „Science“ zitiert den Virologen Thijs Kuike von der Erasmus-Universität Rotterdam, dass Krankheiten keine häufigen Ursachen für das Aussterben von Arten seien, aber kleine Populationen durch Krankheitserrger an den Rand des Aussterbens bringen können. Vor allem für Tiere wie die Galapagos-Lavamöve, die nur an einem Ort vorkommt. Sie gilt aufgrund von nur 300 Brutpaaren zur seltensten Möwe der Welt. Ein schlimmes Schicksal erlitt auch der Humboldt-Pinguin in Südamerika. Viele seiner Art starben durch die Vogelgrippe - verwandt ist er mit dem Galapagos-Pinguin, der eben nur auf den Inseln vorkommt.
Vogelgrippe auf den Galapagos-Inseln auch Auswirkungen für Touristen - bangen um Antartkis
Um eine weitere Ausbreitung der Vogelgrippe im Galápagos-Archipel zu verhindern, haben die örtlichen Behörden sechs Besucherstellen für Touristen geschlossen. Zudem wurden die Reiseanbieter dazu aufgerufen, die Schuhe und Kleidung ihrer Gäste regelmäßig zu desinfizieren. „Mehr als generelle Biosicherheitsmaßnahmen und regionale Zugangskontrollen kann man eigentlich nicht machen, weil das Virus durch Wildvögel übertragen wird“, sagte der Greifswalder Experten Beer. „Die kann man nicht in ihrer Wanderungsbewegung und den Kontakten einschränken.“
Besondere Sorge bereitet ihm derzeit ein mögliches Überspringen des Virus‘ auf die Antarktis. „Dort gibt es bis zu 100 Millionen Seevögel, die da ihre Brutgebiete haben“, sagte er. Eine Verbreitung des hochpathogenen H5N1-Virus könne dort einen noch größeren Effekt auf die Vogelwelt haben als beispielsweise auf den Galápagos-Inseln. „Und deswegen schauen alle im Moment auch auf die Antarktis.“ (ank mit viel DPA-Material)
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