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In den Alpen jagt derzeit eine Lawine die andere. Dramatisch ist der Fall zweier Skitourengeher, die in Südtirol von einer Lawine erfasst wurden.
Bozen/Trient – Die Brüder Alberto und Marco L. (34, 36) aus Vigo bei Trient in Italien waren am Samstag zu einer Skitour zur Schafkammspitze (3010 Meter) in den Stubaier Alpen an der Grenze zwischen Tirol und Südtirol aufgebrochen. Bei der Abfahrt Richtung Süden löste sich eine Lawine, die die beiden Brüder erfasste.
Alberto L. wurde laut ltquotidiano.it etwa zwanzig Meter mitgerissen, aber genug, um unter einem Meter Schnee begraben zu werden. Marco blieb an der Oberfläche, er wurde etwa 150 Meter mitgerissen, blieb aber unverletzt. Er kämpfte sich hoch zu seinem Bruder, den er dank eines Lawinenpiepsers lokalisieren konnte.
Lawine löst Familien-Drama in den Tiroler Alpen aus: „Ich sah, wie eine Hand aus dem Schnee ragte“
„Ich ortete das Signal, und als ich näher kam, bemerkte ich auch, wie eine Hand aus dem Schnee ragte“, berichtete der 36-Jährige später den Rettern erschöpft. Marco L. grub mit aller Kraft und befreite den 34-jährigen Bruder. Sofort begann er eine Herz-Druckmassage. Er alarmierte auch die Bergretter, die per Helikopter eintrafen. Ein Team, zu dem auch ein Arzt gehörte, ließ sich vom Hubschrauber Aiut Alpin mit der Winde zur Lawinenstelle unweit der Magdeburger Hütte ab. Dorthin flog auch der Notarzthubschrauber Pelikan 1.
Der Versuch, Alberto L. wiederzubeleben, dauerte vor Ort eine Stunde. Anschließend wurde er intubiert, in das Flugzeug verladen und ins Krankenhaus in Bozen gebracht. Doch die Ärzte konnten nicht viel für ihn tun: Am frühen Nachmittag erklärten sie ihn für tot. „Der Bruder hat alles getan, was er konnte, er hätte wirklich nicht mehr tun können“, so die Männer der Bergrettung Gossensaß. Alberto L., Vater von zwei Kindern (drei und ein Jahr alt) war etwa zwanzig Minuten vom Schnee begraben gewesen. Laut Bergrettung Gossensass dürfte eine Schneeverwehung sich gelöst haben.
Lawinen sind nicht immer Todesurteil: Deutscher überlebt Lawine in Tirol
Auch in Tirol gingen viele Lawinen ab: Am Weißseejoch im Kaunertal (Tirol) wurden zwei Skifahrer bei einer Variantenabfahrt von einer Lawine mitgerissen. Bei beiden lösten die Lawinenairbags aus und sie blieben an der Oberfläche liegen. Einer der beiden, ein 37-jähriger Deutscher, wurde am Knie verletzt.
In Sölden überlebte ein deutscher Variantenfahrer (27) einen Lawinenabgang unverletzt. Er fuhr am Samstagvormittag mit seinem Vater am Gaislachkogel über das Wasserkar talwärts und löste dabei eine Lawine aus. Er wurde etwa 300 Meter mitgerissen. Schließlich blieb er unverschüttet an der Oberfläche der Schneemassen liegen.
Lawinen in Tirol: Studenlanger Sucheinsatz am Kitzsteinhorn
Am Kitzsteinhorn bei Kaprun kam es am Samstag ebenfalls zu einem stundenlangen Großeinsatz von Bergrettung, Alpinpolizei und Flugpolizei, nachdem sich ein großes Schneebrett gelöst hatte. Es wurde niemand verschüttet. In Bischofsofen hat eine Mini-Lawine die Skischanze unbrauchbar gemacht. Der Nassschnee rutschte einfach ab.
Am Watzmann musste die Bergwacht einen Chinesen(22) per Hubschrauber retten, der zur Eiskapelle an der Watzmann-Ostwand aufsteigen wollte und orientierungslos im knietiefen Schnee stecken geblieben war. Der Student aus Finnland hatte einen Schuh verloren, war völlig durchgefroren, bereits unterkühlt und konnte sich nicht mehr bewegen.
Ein Snowboarder aus Baden-Württemberg kam bei Zürs (Arlberg) von der Piste ab, übersah trotz Warnschildern eine acht Meter hohe Felswand, stürzte in die Tiefe und blieb schwer verletzt liegen; er wurde mit dem Helikopter nach Feldkirch geflogen. Am Giggijoch in Sölden verlor ein 16-jähriger Skifahrer aus Waidhaus (Oberpfalz) die Kontrolle und kollidierte mit einer Frau (41) aus Bayern, die verletzt wurde.
Besonders im Februar kommt es häufig zu Lawinen, deshalb galt das erste Wochenende des Februars inzwischen zweimal als das tödlichste im Zusammenhang mit Lawinenabgängen. Man sprach sogar vom „Schwarzen Wochenende in Österreich“.
Rubriklistenbild: © Facebook/privat, Bergrettung Kaprun

