Matthias Maurer: Wird der Astronaut erster Deutscher auf dem Mond?

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ESA-Astronaut Matthias Maurer flog zur ISS und war dem Mond ganz nahe.
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Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer war bereits auf der Internationalen Raumstation ISS. Doch er könnte auch der erste Deutsche sein, der zum Mond fliegt. Warum der Mond für die Raumfahrt so wichtig ist? Und ob Maurer auch zum Mond fliegen will, verrät der Materialforscher im Interview mit der kreiszeitung.de. 

Köln – Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA fliegt mit seinen Artemis-Missionen zum Mond und will dauerhaft Astronauten und Astronautinnen zum Trabanten schicken und einige von ihnen auf ihm landen lassen. Die europäische Raumfahrtbehörde ESA hat sich bereits drei Plätze an Bord des Orion-Raumschiffes gesichert. Ob Europas Raumfahrende eine Rundreise um den Mond machen werden oder auf ihm landen werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. 

Zwei deutsche Astronauten gehören zu den heißen Kandidaten der ESA: Alexander Gerst und Matthias Maurer. Mit der Crew-3-Mission von SpaceX ist Maurer erst am 6. Mai 2022 zurück zur Erde gekehrt. Vorher hat er seinen ersten Weltraumaufenthalt auf der Internationalen Raumstation ISS gehabt. Ein halbes Jahr war er dort oben. 

Auf dem Mond forschen könnte bald machbar sein

Wenn Ende der 2020-Jahre eine Bodenstation auf der Mondoberfläche entsteht, könnten Maurer und Gerst sogar auf dem Erdtrabanten forschen. Die kreiszeitung.de hat den Materialforscher Maurer gefragt, was er sagen würde, wenn er zum Mond fliegen könnte, aber mindestens ein Jahr dortbleiben müsste. „Ich würd’ sagen: Ich bin dabei!“, war seine Antwort. 

Doch warum soll jemand für so lange ins All verschwinden wollen? „Wir alle träumen davon, einmal das Erlebnis zu genießen, vielleicht über den Mond zu laufen“, sagt der 52-jährige Saarländer. Bisher waren zwölf Männer während den Apollo-Missionen auf der Mondoberfläche. Die letzte Mission, Apollo 17, ist in diesem Dezember 50 Jahre her. 

Artemis geht über Apollo hinaus

Mit den Artemis-Missionen soll alles anders werden: „In wenigen Jahren werden wir wieder zum Mond zurückfliegen, aber nicht das Gleiche machen. Sondern wir bauen auf den Apollo-Arbeiten auf und wir wissen jetzt, dass auf dem Mond viel mehr zu gewinnen und zu holen ist, als es damals bekannt war.“ 

Der Astronaut meint damit vor allem die Wasserressourcen, die es auf dem Mond gibt. Einige dieser Ressourcen befinden sich in Form von Eiswasser in den im ewigen Schatten liegenden Mondkratern. Ein Teil des Wassers befindet sich zudem im Mondsand, dem Regolith. Dies konnten die Chinesen mit ihren Chang’e-Missionen nachweisen. 

„Wasser können wir aufspalten in Wasserstoff und Sauerstoff, und das ist ja auch Raketentreibstoff. Das heißt, der Mond könnte zur Tankstelle werden für zukünftige Raumflüge zum Beispiel zum Mars.“ Und genau dahin will die NASA in Zukunft aufbrechen. Der Mond wird nämlich nur das Testobjekt für neue Technologien und dem erprobten Leben auf einem fremden Himmelskörper sein. Das große Ziel ist die Besiedlung des Mars und später von dort aus in weitere fremde Welten aufzubrechen.

Der Mond als Geschichtsbuch der Erde

Darüber hinaus können Forschungsteams durch den Mond mehr über das Entstehen von Leben auf der Erde herausfinden, erörtert Maurer und führt fort: „Auf der Erde verändert sich die Oberfläche ja ständig. Wir haben Vulkanismus, wir haben Klima, wir haben Wetter, wir haben Plattentektonik und ja, der Einfluss des Menschen natürlich auch auf die Erde. Und deswegen können wir auf der Erde nicht mehr so in die Vergangenheit schauen, wie das auf dem Mond der Fall ist.“

Erst eine Raumstation, dann eine Bodenstation

Bis die erste Bodenstation auf dem Mond entsteht, ist es ein weiter Weg. „Zuerst einmal werden wir eine kleine Raumstation bauen, die um den Mond fliegen wird. Und dann werden wir von dieser Station aus auf dem Mond landen. Und das Ganze passiert in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre.“ 

Diese Raumstation wird das Lunar Gateway werden, das den Mond in einem Abstand von 1.500 Kilometer bis 70.000 Kilometern umrunden soll. Von dieser Station aus sollen die nächsten Menschen auf der Mondoberfläche landen. 

Eine künstlerische Darstellung der Mondraumstation Lunar Gateway vor dem Mond.

In den Jahren darauf soll dann eine Bodenstation entstehen und dafür muss man wissen, wie man die Ressourcen vor Ort nutzen kann, so Maurer. „Wir können jetzt nicht Beton von der Erde aus einfliegen, das wäre unbezahlbar. Das heißt, wir müssen lernen, wie wir aus dem Mondsand Mondsteine bauen.“ Ein solches Vorgehen wird In-Situ-Verfahren genannt. Und Matthias Maurer könnte der erste Europäer, der erste Deutsche werden, der auf dieser Bodenstation forschen darf.

„Mit ein bisschen Glück – ich bin da sehr, sehr optimistisch – werde ich die Gelegenheit haben, Ende dieser 20er-Jahre von dieser Raumstation aus auf dem Mond zu landen.“ Und falls er es nicht wird, können es die Astronautinnen und Astronauten der nächsten Ausbildungstruppe der ESA-Raumfahrer werden – denn diese befindet sich gerade im Auswahlverfahren der begehrten Ausbildungsplätze für Missionen im Weltraum und auf dem Mond.

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