- VonCarmen Mörwaldschließen
Drei Viertel der Deutschen sind für die Abschaffung der Zeitumstellung. Ein europäisches Land hat bereits reagiert und setzt auf dauerhafte Winterzeit.
München – In wenigen Wochen ist es wieder so weit: Die Uhren werden eine Stunde vorgestellt – zum Ärger vieler Deutscher. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit halten drei von vier (75 Prozent) Menschen hierzulande die Zeitumstellung für überflüssig. Dabei gaben 25 Prozent an, dass sie danach mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hätten. Das nahm sich ein Land in Europa zum Anlass, die Zeitumstellung endgültig abzuschaffen.
Europäisches Land verzichtet auf Zeitumstellung – auch aus gesundheitlichen Gründen
Die Ukraine hat als europäisches Land, das bislang nicht zur Europäischen Union (EU) gehört, im Oktober 2024 ein allerletztes Mal an den Zeigern gedreht. Seitdem gilt eine dauerhafte Winterzeit, auch als Normalzeit oder Mitteleuropäische Zeit bekannt. „Nach der Umstellung der Stundenzeiger fühlen sich die Bürger schlechter, ihre Arbeitsfähigkeit sinkt, es wird eine deutliche Verschlechterung bei chronischen Krankheiten beobachtet“, lautet die Begründung zum Gesetz.
Darüber hinaus wurde die Abgrenzung zum russischen Kriegsgegner betont. „Daher wird die Einführung und Festsetzung einer ausnahmslos einheitlichen Kiewer Zeit in der gesamten Ukraine wiederum die Sicherheitsposition der Ukraine stärken und zur Räumung und Wiedereingliederung der vorübergehend besetzten Gebiete beitragen“, hieß es. Bislang fiel die ukrainische Sommerzeit von Ende März bis Ende Oktober mit der ganzjährigen Moskauer Zeit zusammen.
Debatte um Zeitumstellung geht weiter – Deutsche wünschen sich dauerhafte Sommerzeit
Während die Ukraine die Zeitumstellung also bereits abgeschafft hat, würden viele Deutsche diesem Beispiel nur allzu gern folgen. Auch eine YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2023 zeigt, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung das Ende des halbjährlichen Uhrendrehens wünscht. Anders als in der Ukraine bevorzugen jedoch 48 Prozent eine dauerhafte Sommerzeit, während rund 37 Prozent lieber bei der Winterzeit bleiben würden – beides hätte seine Vor- und Nachteile.
Warum wurde die Zeitumstellung eingeführt?
Deutschland führte die Zeitumstellung ein, um Energie zu sparen und das Tageslicht effizienter zu nutzen. Schon während des Ersten und Zweiten Weltkriegs sollte sie helfen, Kohle und Strom zu sparen. Doch erst die Ölkrise führte 1980 zur dauerhaften Wiedereinführung in beiden deutschen Staaten. Der tatsächliche Nutzen bleibt umstritten, da Einsparungen am Abend oft durch den höheren Verbrauch am Morgen ausgeglichen werden.
Diskussionen über den Sinn und die Auswirkungen der Zeitumstellung gibt es schon lange. Bereits 2018 votierten 84 Prozent bei einer Abstimmung der Europäischen Kommission für eine Abschaffung. Daraufhin schlug die Kommission vor, die saisonale Zeitumstellung zu beenden. Dabei sollten die EU-Mitgliedstaaten selbst entscheiden, ob sie die Sommer- oder Winterzeit dauerhaft beibehalten wollen. Im März 2019 unterstützte das Europäische Parlament diesen Vorschlag.
Zeitumstellung im März – einfache Eselsbrücke hilft
Solange in Deutschland noch keine Entscheidung zur Abschaffung der Zeitumstellung gefallen ist, müssen sich die Bürgerinnen und Bürger eine einfache Eselsbrücke merken: Im Sommer kommen die Gartenmöbel nach draußen – also wird die Uhr vorgestellt. Im Winter wandern die Möbel wieder ins Haus, und genauso wird auch die Uhr eine Stunde zurückgestellt. Wer sich den nächsten Wechsel vormerken will: Die Umstellung auf die Sommerzeit fällt 2025 auf den 30. März.
Nicht nur in der Ukraine bleibt die Uhr das ganze Jahr über gleich – auch in anderen Teilen der Welt wurde die halbjährliche Zeitumstellung längst abgeschafft. Island und Grönland verzichten bereits darauf, ebenso wie Brasilien, die Türkei, Ägypten und Namibia, die sich schon vor Jahren davon verabschiedet haben. Einige Staaten wie Afghanistan, Indonesien, Thailand, Kolumbien und Südafrika haben den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit nie eingeführt. (cln)
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