Durch Mückenstiche übertragener Tropen-Parasit sorgt für zahlreiche Hautinfektionen in den USA
VonUlrike Hagen
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Ein Parasit verursacht in den USA schwere Hautinfektionen, die bleibende Spuren hinterlassen können. Er wird durch den Stich der Sandmücke übertragen.
Atlanta – Wie andere Insektenarten, die im Zuge der Klimaerwärmung neue Lebensräume finden, haben auch die Sandmücken in den letzten Jahren ihr Verbreitungsgebiet erweitert. Einige Arten dieser Stechfliegen sind jetzt bis in den Norden von Delaware, New Jersey, Ohio und Maryland zu finden. In einigen Staaten verursachen Bisse der winzigen Sandmücken fiese Hautinfektionen, sogenannte Leishmaniosen, ergaben jetzt Untersuchungen von Wissenschaftlern.
Durch Mückenstich übertragbar: Infektion mit Leishmanien-Parasiten kann sogar tödlich enden
Ein tropischer Parasit, der durch den Stich einer Sandmücke, häufig auch Sandfliege genannt, übertragen wird, verursacht in den USA zahlreiche Hautinfektionen, wie CNN meldet. Wie viele andere Mücken könnte die Sandmücke auch diverse Krankheiten verbreiten, darunter auch Parasiten – sogenannte Leishmanien. Bekannt sind Leishmaniose-Fälle, die unbehandelt sogar tödlich enden können, jedoch bisher fast ausschließlich in den Tropen und im Mittelmeerraum.
Untersuchungen eines Teams um Dr. Mary Kamb, medizinische Epidemiologin am US-Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention in Atlanta, ergaben, dass Leishmaniose in einer Reihe von Gewebeproben von Patienten nachgewiesen wurde, die nach eigenen Angaben nicht aus den Vereinigten Staaten verreist sind.
Sandmücken auch in Deutschland auf dem Vormarsch
Die kleinen Sandfliegen oder Sandmücken (Phlebotominae) sehen zwar unscheinbar aus, können aber gefährliche Krankheiten übertragen. Man bezeichnet sie als „Pool“-Sauger, weil sie mit breiten Mundwerkzeugen die Haut aufritzen und aus dem entstandenen „Pool“ Blut und Lymphe aufsaugen. Aufgrund des Klimawandels breiten sich Sandmücken immer weiter in Deutschland aus, was wiederum die Gefahr der Übertragung von Viren oder Parasiten erhöht. Sie sind Hauptüberträger für Leishmanien, Oroya-Fieber oder Peru-Warzen, das Pappatacifieber oder Sandmückenfieber und die Hautkrankheit Harara.
Eine Übertragung von Leishmaniose durch Sandmücken in Deutschland wurde bisher nicht nachgewiesen und gilt als unwahrscheinlich. „Die Fälle sind praktisch immer eingeschleppt“, so das RKI. Die geänderten klimatischen Bedingungen erlauben allerdings eine Ausbreitung in Deutschland bei weiterer Erwärmung in naher Zukunft.
Kamb und ihre Kollegen führten eine genetische Analyse dieser Proben durch und sammelten die Ergebnisse in einer Studie, die auf der Jahrestagung der American Society of Tropical Medicine and Hygiene in diesen Tagen vorgestellt wird. Alle Patienten hatten eine Leishmaniose-Hautinfektion, die mit einer kleinen Beule beginnt, die sich Tage bis Wochen nach einem Sandmückenstich zu geschwürigen Wunden entwickelt.
Geschwüre und entstellende Narben: Von Sandmücke übertragene Infektion kann Spuren hinterlassen
„Die Menschen können asymptomatisch sein und nichts entwickeln, aber wenn sie Symptome haben, entwickeln sie Geschwüre auf ihrer Haut und manchmal beginnt es wie ein kleiner Vulkan mit einem Krater darin“, berichtet die Epidemiologin Kamb. Die Geschwüre brechen oft in der Nähe einer Bissstelle aus. Der Parasit setzt die Nerven in der Haut außer Gefecht, sodass die Wunden im Allgemeinen nicht schmerzhaft sind, aber zu Narbenbildung neigen und entstellend sein können, vor allem, wenn sie im Gesicht einer Person auftreten.
Dr. Luiz Oliveira, ein Wissenschaftler am National Institut of Health, der die Übertragung der Leishmaniose durch Sandmücken untersucht hat, aber nicht an der Untersuchung beteiligt war, erklärte: „Es handelt sich nicht mehr nur um eine Reisekrankheit“.
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Leishmanien können auch innere Organe wie Leber, Milz und Knochenmark befallen. Man ging bisher davon aus, dass diese schwere Form der Leishmaniose, die sogenannte viszerale Leishmaniose, nur bei Reisen in tropische Länder verbreitet wird. Unbehandelt ist sie tödlich. Die Behandlung der Leishmaniose umfasst eine einmonatige Behandlung mit Medikamenten, die den Parasiten abtöten, wie beispielsweise Amphotericin B, ein Antimykotikum.
Für die aktuelle Studie analysierten die Forschenden mehr als 2.100 Hautproben. Die Proben wurden aus allen 50 Bundesstaaten, Puerto Rico und den Jungferninseln eingesandt. Etwa die Hälfte der Proben, 1.222, wurde positiv getestet. Beunruhigend: Die CDC stellte fest, dass die häufigste Parasitenart bei Menschen ohne Reiseerfahrung damit der als Leishmania mexicana bekannte Erreger ist.