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Der Tarifstreit zwischen Verdi und der Deutschen Post spitzt sich zu. Während alles nach neuen Streiks aussieht, denkt das Unternehmen darüber nach, Arbeitsbereiche auszulagern.
München – Die Deutsche Post überdenkt offenbar im Zuge des Tarifstreits mit der Gewerkschaft Verdi ihre Strategie. Personalvorstand Thomas Ogilvie deutete in den Zeitungen der Funke Mediengruppe an, dass künftig verstärkt auf Fremdvergaben gesetzt werden könnte. „Wir haben als Post für Deutschland über viele Jahrzehnte ein Betriebsmodell aufgebaut, das ausschließlich mit eigenen Kräften operiert“, betonte er: „Wenn Verdi das jetzt alles vor dem Hintergrund kurzfristiger maximaler Lohnsteigerungen infrage stellt, werden wir unser Betriebsmodell überdenken müssen.“
Ogilvie machte keinen Hehl daraus, dass ein solcher Schritt Auswirkungen auf die Arbeitsplätze hätte: „Wenn wir nicht mehr ausreichend in neue Betriebsstandorte investieren können, stellt sich die Frage, ob wir diese Standorte weiter selber betreiben können und wollen, oder ob wir sie fremdvergeben.“
Video: Brief nach mehr als 100 Jahren zugestellt
Post und Verdi im Tarifstreit: Bis Ende Juni ist Fremdvergabe bei Briefzustellung ausgeschlossen
Dem bis August 2025 bestellten Vorstand zufolge hat die Post im Paketbereich bei der Zustellung 98 Prozent in der eigenen Wertschöpfung. „Betriebs- und Sortierzentren sind im Eigenbetrieb. Die Briefzustellung haben wir komplett im Eigenbetrieb“, zählte Ogilvie auf. Bis Ende Juni sei die Fremdvergabe der Briefzustellung vertraglich ausgeschlossen.
Zugleich erklärte er, es würde für die Deutsche Post seiner Meinung nach kein Problem darstellen, die nötigen Fachkräfte zu finden. Denn: „Da wir mit die höchsten Löhne in der Branche zahlen, sind wir durchaus im Vorteil.“ Ogilvie erwartet in diesem Szenario auch keine qualitativen Abstriche.
Verdi droht Post mit Streiks: Beide Seiten liegen mit Vorstellungen noch auseinander
In den seit Wochen laufenden Tarifverhandlungen für rund 160.000 Beschäftigte der Deutschen Post bietet das Unternehmen einen zwei Jahre gültigen Tarifvertrag mit verschiedenen Finanzkomponenten an. So solle sich das Einstiegsgehalt eines Paketsortierers in diesem Zeitraum um 20,3 Prozent erhöhen, das einer Zustellerin um 18 Prozent. Dazu winkt eine steuerfreie Inflationsausgleichprämie über insgesamt 3000 Euro.
Verdi fordert dagegen 15 Prozent mehr Lohn sowie eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen für jedes Ausbildungsjahr um 200 Euro pro Monat bei einer Laufzeit von einem Jahr. Die Gewerkschaft lässt ab Montag darüber abstimmen, ob sie einen unbefristeten Streik bei der Post ausrufen soll.
Ogilvie erklärte in den Funke-Zeitzungen auch, es gebe keine weiteren Spielräume für ein Entgegenkommen. Beim bestehenden Angebot handele es sich um das „Maximum dessen, was wir vertreten können, wenn wir auch morgen noch die Post für Deutschland sein wollen, wie wir sie heute kennen.“ Auf Streiks sei das Unternehmen vorbereitet. (mg, dpa)

