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Wird der Winter 2025/26 eisig und weiß oder nur ein lauwarmer Frühling im Dezember? Laut Modellen ist alles möglich. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
München – Die Karten für den kommenden Winter sind längst gemischt, und das schon Monate vor dem ersten Frost. Laut dem CFS-Modell aus den USA, das regelmäßig Berechnungen für die nächsten Jahreszeiten liefert, könnte der Winter 2025/26 ein eher milder Vertreter werden – mit Abweichungen von ein bis zwei Grad über dem Schnitt der Jahre 1991 bis 2020. Klingt nach einem lauen Lüftchen statt Eiseskälte, nach grauem Regen statt knirschendem Schnee.
Doch die Erfahrung zeigt: Modelle in dieser Distanz sind wie Glaskugeln im Sturm – faszinierend, aber unsicher. Denn so sicher sie ihre farbenfrohen Karten auch zeichnen, die Atmosphäre kennt ihre eigenen Pläne. Ein schwankendes Hoch hier, ein polnaher Kaltluftschwall dort, und schon wird aus einem vermeintlich milden Dezember eine frostige Überraschung.
Wetter-Modelle zwischen Wärme und Winterzauber: Der Polarwirbel und seine Launen
Besonders viel Spannung bringt auch in diesem Jahr wieder der Blick auf den Polarwirbel. Dieses mächtige Kältekarussell über der Arktis entscheidet oft, ob kalte Luftmassen in Nordamerika und Europa ausbrechen dürfen oder artig im Norden bleiben. Wenn der Wirbel stark und geschlossen ist, strömt die Wärme weiter nach Mitteleuropa. Doch sobald er ins Taumeln gerät, bricht die Kälte manchmal mit voller Wucht herein.
Das Spiel gleicht einem kosmischen Roulette, bei dem schon eine kleine Störung gewaltige Auswirkungen haben kann. Ein Winter mit sibirischen Wetter-Momenten, mit Schneestürmen und zugefrorenen Seen ist also keineswegs ausgeschlossen. Genauso gut kann es aber bei Dauerregen im Flachland und tristen Nebeltagen bleiben.
Zwischen Traumwinter und Frühlingslüften
Was also bleibt? Eine Mischung aus Faszination und Ungewissheit. Frühzeitige Wintergrüße, vielleicht schon im November mit ersten Schneefällen in tieferen Lagen, sind keineswegs abwegig. Genauso möglich ist ein Dezember voller Schmuddelwetter, bevor vielleicht doch noch im Januar oder Februar ein eisiger Blockbuster auf die Bühne tritt.
Der Winter 2025/26 könnte damit in die Annalen eingehen – als einer der wärmsten seit Jahrzehnten oder als frostiger Überraschungsgast, der erst spät sein wahres Gesicht zeigt. Alles hängt am Zusammenspiel aus Meeresströmungen, Polarwirbel und atmosphärischem Chaos. Sicher ist nur: Spekulationen sind erlaubt, die Fantasie kennt keine Grenzen, und am Ende entscheidet der Himmel selbst, ob wir im Wintermantel bibbern oder im T-Shirt die Sonne suchen.
Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Lehtikuva | Markku Ulander
