Deutsche Autobauer in der Krise? Zahlen belegen anderes - doch Experte prophezeit Schmerzen
VonPatrick Freiwah
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Im zweiten Quartal 2023 verdienten deutsche Autobauer kräftig. Zwei Konzerne gehören zu den profitabelsten der Welt. Doch tun sich am Horizont Wolken auf.
München - Handelt es sich um den letzten Höhenflug vor dem Absturz? Deutsche Autobauer rüsten sich vor dem harten Wettbewerb um E-Autos, moderne Technologien und der gewachsenen Konkurrenz aus Fernost. Doch die Geschäftszahlen des vergangenen Quartals zeigen, dass hiesige Premiumhersteller finanziell nach wie vor gut gebettet sind. Zwei der drei profitabelsten Konzerne im Sektor Autoindustrie kommen aus der Bundesrepublik. Experten warnen jedoch vor dem Einsetzen des Abschwungs.
Rendite-Ranking: Deutsche Autobauer an der Spitze
Denn obwohl sich Europa in einer wirtschaftlich enorm angespannten Lage befindet, verzeichnen die größten Autobauer der Welt für den Zeitraum April bis Juli Zuwächse in Sachen Absatz und Umsatz. Das geht aus einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor, welche die veröffentlichten Zwischenergebnisse der Hersteller verglichen hat. Zusammen genommen sei der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um prächtige 31,3 Prozent gewachsen.
Konkret wurde auch die Profitabilität der Marken unter die Lupe genommen - hierbei zeigt sich, dass der rentabelste Autokonzern in Deutschland beheimatet ist. Mercedes-Benz erwirtschaftete nach eigenen Angaben im zweiten Quartal 2023 eine Rendite von 13,5 Prozent, die Luxusstrategie von CEO Ola Källenius scheint also ungeachtet der Kritik aus dem eigenen Lager bis dato aufzugehen.
Mercedes und BMW am lukrativsten - dazwischen eine koreanische Marke
Mit BMW befindet sich der heimische Premiumrivale im Ranking auf Platz drei. Die Münchner verzeichnen weltweit weiterhin volle Auftragsbücher und konnten ihre Profitabilität gegenüber dem Vorjahreszeitraum offenbar um satte 27 Prozent steigern. Der Gewinn betrage 4,3 Milliarden Euro, die Umsatzrendite stieg von 9,9 auf 11,7 Prozent.
Zwischen den deutschen Autoriesen befindet sich eine koreanische Marke auf Rang zwei: Kia hat im Vergleich zu Mercedes und BMW zwar nur knapp die Hälfte an Umsatz (18,3 Mrd. Euro) hingelegt, in Sachen Marge ist der Hersteller jedoch vorne dabei: Der operative Gewinn beträgt laut Handelsblatt fünf Mrd. Euro, die Rendite beträgt im zweiten Quartal demnach 13,0 Prozent.
Zu den Verlierern im Ranking gehören ausgerechnet zwei US-Konzerne: Sowohl Tesla als auch Ford verzeichneten für das zweite Quartal des Jahres einen Gewinnrückgang. Ford ist in den Top 10 demzufolge gar nicht vorhanden, bei Tesla mache sich dem Bericht zufolge der Preiskampf der vergangenen Monate bemerkbar, wodurch die Marge bei den Elektroauto-Modellen gesunken ist. Jedoch gilt CEO Elon Musk als jemand, der finanzielle Einbußen zugunsten des Wachstums in Kauf nimmt. Nach 14,6 Prozent im Vorjahres-Zeitraum beträgt der aktuelle Wert den Angaben zufolge 9,6 Prozent.
VW und Co. mit Mega-Umsatz - Experte prophezeit jedoch Schmerzen
Und Deutschlands Vorzeige-Autobauer? Volkswagen war der Auswertung zufolge im zweiten Quartal der umsatzstärkste Autobauer der Welt und konnte weltweit über 80 Mrd. Euro einnehmen. Während die Kernmarke strategisch zugunsten einer größeren Effizienz umgebaut wird, steigerten die Niedersachsen die Rendite offenbar von 6,5 auf 7,0 Prozent. Im Bereich Marge landet VW damit jedoch gerade so auf Platz zehn im Ranking.
Constantin Gall, Leiter der Mobilitätssparte Westeuropa bei EY, rechnet jedoch mit einem Wandel und härteren Zeiten für die Riege der Autobauer: „Viele Konzerne wirtschaften aktuell sehr profitabel und werden auch zukünftig keine Abstriche bei der Marge zulassen wollen.“ Sie müssten ihm zufolge nun verstärkt auf sämtliche Kostenarten achten, wie die Personalausgaben. „Gerade am Standort Deutschland mit sehr hohen Energie- und Arbeitskosten und der hohen Steuerbelastung wird der Druck deutlich steigen“, ist sich der Experte sicher. Bei der Prognose spiele auch die Abschwächung der Dynamik bei Elektroautos eine Rolle, die seiner Meinung nach vielen Unternehmen „richtig weh“ tun wird.
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Auch Deutschlands „Autopapst“ Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer prognostiziert düstere Zeiten für die Branche. Eine große Rolle spiele hierbei auch Elektroauto-Pionier Tesla. (PF)