- VonTheresa Breitschingschließen
In den ostdeutschen Bundesländern nimmt die Anzahl der deutschen Arbeitnehmer ab. Die lokale Wirtschaft wird zunehmend von ausländischen Arbeitskräften getragen. So viele sind im Osten ohne deutschen Pass tätig.
Köln – Ostdeutsche Bundesländer sind auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen, da diese entscheidend zur wirtschaftlichen Stabilität beitragen. Eine aktuelle IW-Studie zeigt, dass im letzten Jahr rund 403.000 Menschen ohne deutschen Pass in den fünf ostdeutschen Bundesländern beschäftigt waren. Das bedeutet einen Anstieg von 173.000 ausländischen Beschäftigten innerhalb der letzten fünf Jahre. Diese Beschäftigungsgruppe erwirtschaftete 24,6 Milliarden Euro, also 5,8 Prozent der ostdeutschen Bruttowertschöpfung – und sie sind damit unverzichtbar für den Osten.
Beschäftigte ohne deutschen Pass erwirtschaften 24,6 Mrd. Euro: „Region muss weltoffen bleiben“
Die Zahl der deutschen Beschäftigten in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ging zwischen 2018 und 2023 um 116.000 zurück. Damit ist der demografische Wandel am Arbeitsmarkt in diesen Regionen bereits sehr viel stärker spürbar als im Rest der Republik. Dies hätte sich ohne die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte spürbar auf die ostdeutsche Wirtschaft ausgewirkt – statt eines Rückgangs ist sie sogar gewachsen. Davon profitiert vor allem ein Bundesland: In Sachsen erwirtschafteten Ausländer rund 7,9 Milliarden Euro, gefolgt von Brandenburg (6,8 Milliarden Euro) und Thüringen (3,9 Milliarden Euro).
Ausländische Arbeitskräfte kommen vorwiegend aus Polen – vor allem aus den grenznahen Bereichen –, Tschechien, Rumänien und der Ukraine. Besonders das Baugewerbe profitiert von der Zuwanderung, gefolgt vom Verkehrssektor. Viele Arbeitskräfte kommen auch bei Zeitarbeitsfirmen in Deutschland unter. Indien spielt beim Zuzug höher qualifizierter Fachkräfte eine zunehmend wachsende Rolle am Arbeitsmarkt. „Ausländische Beschäftigte stützen die ostdeutsche Wirtschaft“, meint Studienautor Wido Geis-Thöne dazu. „Umso wichtiger ist es, dass die Region weltoffen bleibt – denn nur so bleibt der Osten wirtschaftlich erfolgreich.“ Die Studie geht davon aus, dass perspektivisch verstärkt Fachkräfte aus demografisch starken Drittstaaten gewonnen werden müssen, um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken.
Wieso fehlen deutsche Arbeitskräfte im Osten?
Der Mangel an deutschen Arbeitskräften im Osten lässt sich auf zwei Hauptgründe zurückführen: Zum einen sind laut IW-Studie seit der Wiedervereinigung viele junge Menschen aus diesen Regionen weggezogen, da die wirtschaftlichen Veränderungen dort große Probleme auf den Arbeitsmärkten verursacht haben. Zweitens gab es in den 1990er-Jahren einen starken Rückgang der Geburtenrate, was dazu geführt hat, dass heute weniger junge Leute neu in den Arbeitsmarkt einsteigen. Berlin wurde als Sonderfall in der Ursachenforschung nicht miteinbezogen.
Der Osten Deutschlands hat sich auf dem Arbeitsmarkt zwar in den letzten Jahren deutlich verbessert, trotzdem bleibt der Westen bei Löhnen und Produktivität weiterhin im Vorteil. Während der durchschnittliche Lohn im Osten 3.157 Euro beträgt, liegt er im Westen bei 3.752 Euro – und das, obwohl sich die Lohnlücke in den letzten Jahrzehnten deutlich verringert hat. Nach der Wiedervereinigung in den 1990er-Jahren lag der Unterschied bei 26 Prozent, heute verdienen Menschen in den Ost-Bundesländern noch 15,9 Prozent weniger als im Westen.
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