Hybridsysteme aus Wärmepumpe und Gasheizung möglich

Vaillant-Chef: 70 Prozent der Häuser ohne Renovierung Wärmepumpen-geeignet

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Der Chef des Heizungsherstellers Vaillant, Norbert Schiedeck, hält 70 Prozent der Häuser für Wärmepumpen-geeignet (Symbolbild).
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Die Renovierung älterer Häuser ist nicht unbedingt eine Voraussetzung für den Einsatz einer Wärmepumpe. Vaillant-Chef Schiedeck hält 70 Prozent der Gebäude bereits für geeignet.

Remscheid – Das Eigenheim muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit der Einsatz einer Wärmepumpe dem Klima und Konto einen Vorteil bringt. Aus Sicht des Chefs des Heizungsherstellers Vaillant, Norbert Schiedeck, sind 70 Prozent der Häuser in Deutschland bereits ohne Renovierungen Wärmepumpen-geeignet. Doch der 57-Jährige hat im Gespräch mit der Welt auch schlechte Nachrichten im Gepäck: Die Preise der Vaillant-Pumpen werden sich in absehbarer Zeit offenbar nicht ändern.

Vaillant-Chef hält 70 Prozent der Häuser ohne Renovierung für Wärmepumpen geeignet

Wer sein Haus für den Einsatz einer Wärmepumpe renovieren muss, kann laut Eigentümerverband Haus und Grund mit Sanierungskosten von 75.000 Euro rechnen, um die Fenster auszutauschen, die Dämmung zu verbessern oder neue Heizkörper einzubauen. Das Öko-Zentrum NRW kam in verschiedenen Beispielrechnungen auf rund 58.000 Euro. Bei zwei von drei Häusern sind aus Sicht von Vaillant-Chef Schiedeck aber keine Renovierungsarbeiten nötig, um eine Wärmepumpe erfolgreich einzusetzen.

„Wir gehen davon aus, dass bis zu 70 Prozent des Gebäudebestandes ohne aufwendige Sanierung mit Wärmepumpen beheizt werden können“, sagte der 57-Jährige in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der Welt. Eine unabhängige Studie des Freiburger Fraunhofer Institut ISE zur Effizienz von Wärmepumpen in Bestandsbauten war im Jahr 2020 ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass Wärmepumpen auch in alten, nicht sanierten Häusern effizient zum Einsatz kommen können.

Unter den verbleibenden 30 Prozent der Häuser, die einer Sanierung bedürften, seien viele Mehrfamilienhäuser, so Schiedeck. „Verfügen diese über eine Zentralheizung, die sämtliche Wohnungen mit Wärme und Warmwasser versorgt, ist der Austausch der Gas- oder Ölheizung durch eine oder mehrere zentral aufgestellte Wärmepumpen eine technische Option.“ Für Mehrfamilienhäuser mit individuell beheizten Wohneinheiten werde die Industrie in den nächsten Jahren wärmepumpenbasierte Lösungen entwickeln. Ein Teil der Gebäude müsste aber tatsächlich entweder saniert werden oder es könnten Hybridsysteme aus Wärmepumpe und Gasheizung zum Einsatz kommen, so Schiedeck.

Vaillant-Chef wehrt sich gegen Kritik zu hohen Kosten von Wärmepumpen

Wärmepumpen sind bis zu fünfmal so teuer als Gasheizungen. Gegen den Vorwurf, dass ohne die staatlichen Förderungen von bis zu 40 Prozent niemand seine Produkte kaufen würde, wehrt sich der Vaillant-Chef im Interview mit der Welt. Die Anschaffungskosten einer Wärmepumpe seien in der Tat höher als die einer Gasheizung, räumte Schiedeck ein und ergänzte: „Das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht nennenswert ändern.“ Hinzu kämen die Installation einer Außen- und einer Inneneinheit mit Wanddurchbrüchen, das Setzen eines Fundaments und die Verrohrung der hydraulischen Komponenten. „Das ist alles aufwendiger als der einfache Tausch eines alten Gasheizgerätes gegen ein neues.“

Umso wichtiger sei es, dass die Rahmenbedingungen so gesetzt würden, dass der Kauf einer Wärmepumpe für den Endkunden durch niedrigere Betriebskosten, insbesondere Stromkosten, wirtschaftlicher ist als bei einer Gas- oder Ölheizung, sagte der 57-Jährige. Das neue Heizungsgesetz hatte innerhalb der Ampel-Koalition für viele Debatten und bei den Verbrauchern für Verunsicherung gesorgt, am Freitag soll das GEG im Bundestag verabschiedet werden.

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