Ende April ist Schluss

Deutscher Weltmarktführer schließt Tochterunternehmen wegen „drastischen Absatzrückgängen“

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Beim Textilmaschinenzulieferer SMC Heiningen mussten bereits Stellen abgebaut werden, Ende April gehen die Lichter aber ganz aus. Mutterkonzern Groz-Beckert zieht die Reißleine.

Albstadt/Heiningen - Die aktuelle Wirtschaftskrise geht auch an der Textilindustrie nicht vorbei. Der Metzinger Modekonzern Hugo Boss reagierte im vergangenen Jahr mit Sparmaßnahmen auf einen Gewinneinbruch und bei Groz-Beckert in Albstadt (Baden-Württemberg) waren tausende Mitarbeiter ab Anfang 2024 in Kurzarbeit. Wie der internationale Marktführer für die Herstellung von textilen Präzisionswerkzeugen in einer Pressemitteilung erklärt, muss das Tochterunternehmen SMC GmbH in Heiningen (Baden-Württemberg) Ende April 2025 die Türen sogar komplett schließen.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Das Traditionsunternehmen Groz-Beckert ist mit rund 2.200 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im baden-württembergischen Zollernalbkreis und betreibt bereits seit rund 20 Jahren den Betrieb der SMC GmbH in Heiningen im Landkreis Göppingen. Der Zulieferer für Textilmaschinen, der nicht mit der SMC Deutschland GmbH mit Hauptsitz in Egelsbach (Hessen) zu verwechseln ist, kämpft bereits seit langem mit sinkenden Absatzzahlen und hohen Kosten und soll deshalb zum 30. April stillgelegt werden.

Groz-Beckert schließt Tochterunternehmen – Mitarbeiter können in Transfergesellschaft wechseln

In der Pressemitteilung erklärt der Mutterkonzern Groz-Beckert, dass „drastische Absatzrückgänge“ und „stark gestiegene Kosten“ in Verbindung den sich veränderten Rahmenbedingungen die Gründe für die Entscheidung seien. In den vergangenen Jahren habe man mithilfe zahlreicher Maßnahmen – darunter einem Stellenabbau im Jahr 2023 sowie der Einführung von Kurzarbeit – versucht, das Unternehmen wieder profitabel aufzustellen. „Da die Absätze jedoch weiterhin rückläufig sind und positive Perspektiven fehlen, sind weitere Restrukturierungen nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll möglich“, heißt es aus Albstadt. „Daher wird die SMC GmbH zum 30. April 2025 ihren Betrieb einstellen.“

Name Groz-Beckert KG
Gründung 1852
Sitz Albstadt, Baden-Württemberg
Branche Textilindustrie, Werkzeugbau
Mitarbeiter 9.595 weltweit
Umsatz 880 Millionen Euro (2023)

Die noch 37 Mitarbeiter der SMC GmbH in Heiningen wurden der Mitteilung zufolge bereits am 7. Januar über die geplante Stilllegung des Betriebs informiert. Um die Schließung möglichst sozialverträglich zu gestalten, sollen die Mitarbeiter die Möglichkeit erhalten, zum 1. Mai 2025 in eine Transfergesellschaft zu wechseln, die ihnen für bis zu zwölf Monaten eine Weiterbeschäftigung ermöglicht. „In dieser Zeit werden die betroffenen Mitarbeiter durch gezielte Qualifizierungs- und Vermittlungsmaßnahmen dabei unterstützt, sich auf dem externen Arbeitsmarkt erfolgreich zu positionieren.“

Die SMC GmbH in Heiningen, ein Hersteller von Zylindern für Strickmaschinen, stellt den Betrieb Ende April ein. (Symbolfoto)

SMC GmbH in Heiningen: Maschinen, Werkzeuge und Bestände wurden bereits verkauft

Die SMC GmbH, die im Jahr 2006 von der Groz-Beckert KG übernommen wurde, produziert Zylinder für Rundstrickmaschinen. Die Produktionsmaschinen, Werkzeuge und Materialbestände des Unternehmens wurden laut der Mitteilung bereits im Rahmen eines Asset Deals an den chinesischen Strickmaschinen-Konzern Santoni (Shanghai) verkauft. Für den Albstädter Mutterkonzern läuft es derzeit aber ebenfalls nicht rund. Groz-Beckert hatte im Oktober 2024 einen Stellenabbau angekündigt und erklärt, 50 Millionen Euro an Kosten einsparen zu wollen. Auch im neuen Jahr kämpfen die Maschinenbauer darum, einen Stellenabbau zu verhindern.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Funke Foto Services

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