VonFabian Hartmannschließen
Die Insolvenzwelle in Deutschland nimmt kein Ende. Nun trifft es die Töpfer GmbH, ein Traditionsunternehmen aus dem Allgäu.
Kempten – Die deutsche Wirtschaft kämpft seit einiger Zeit mit erheblichen Schwierigkeiten, wie die jüngsten vorläufigen Zahlen zu Regelinsolvenzen vom März dieses Jahres, die das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung (12.04.2024) veröffentlichte, deutlich machen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Anzahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland im März 2024 um 12,3 Prozent. Das Bundesamt betonte in seiner Pressemitteilung: „Seit Juni 2023 sind damit durchgängig zweistellige Zuwachsraten im Vorjahresvergleich zu beobachten“.
Insolvenzen steigen in Deutschland weiter an
Im vergangenen Jahr verzeichnete das Statistische Bundesamt 17.814 Unternehmensinsolvenzen. Allein im Januar 2024 gab es 27,6 Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen als im Januar des Vorjahres. Experten prognostizieren bis zum Jahresende einen weiteren deutlichen Anstieg – etwa 20.000 Unternehmen könnten bis dahin Insolvenz angemeldet haben, wie der Bericht der Allianz Trade Insolvenzstudie nahelegt.
Die sogenannte „Pleitewelle“ deutscher Unternehmen scheint nicht abzuebben. Im Gegenteil, sie wird durch die Insolvenz eines weiteren Traditionsunternehmens verstärkt, was erneut zeigt, dass kaum eine Branche von der anhaltenden Insolvenzwelle verschont bleibt.
Töpfer GmbH ist insolvent: 170 Mitarbeiter erhalten Insolvenzgeld
Ende April (25.04.2024) berichtete der auf Wirtschaftsrecht spezialisierte RWS-Verlag, dass die Töpfer GmbH aus Dietmannsried bei Kempten im Allgäu Insolvenz anmelden musste. Das Unternehmen, das rund 170 Mitarbeiter beschäftigt, hat einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Das Amtsgericht Kempten leitete daraufhin das vorläufige Insolvenzverfahren ein.
Die Töpfer GmbH, die einen Großteil ihres Umsatzes im Ausland erzielt, nannte neben erheblichen Kostensteigerungen auch Umsatzrückgänge als Grund für den Insolvenzantrag. Externe Faktoren wie die Nachwirkungen der Corona-Pandemie und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine beeinträchtigten das Geschäft. Darüber hinaus ist der Markt in China infolge der Corona-Pandemie eingebrochen und hat sich seitdem kaum erholt. Hinzu kommen gestiegene Energie- und Personalkosten, die das Unternehmen zusätzlich belasten. Daher müssen die Kostenstrukturen künftig an das Umsatzniveau angepasst werden.
Unternehmen plant Insolvenzverfahren in Eigenregie
Im laufenden Verfahren wird der traditionsreiche Hersteller von Bio-Babynahrung von einem Sanierungsteam der PLUTA Rechtsanwalts GmbH unterstützt. Dieses Team, bestehend aus Dr. Maximilian Pluta, Ludwig Stern und Florian Zistler, wird gemeinsam mit den beiden Geschäftsführern Susanna Gabler und Ulf Silbernagel die Töpfer GmbH in den kommenden Monaten durch das Verfahren führen und den Restrukturierungsprozess des Unternehmens umsetzen. Das Gericht bestellte Rechtsanwalt Prof. Dr. Martin Hörmann von der Anwaltskanzlei und Unternehmensberatung Anchor, der das Verfahren im Interesse der Gläubiger begleitet.
Geschäftsführerin Susanna Gabler erklärte dem RWS-Verlag: „Unser Geschäftsbetrieb läuft fort. Wir haben bereits erste Gespräche mit unseren Kunden und Geschäftspartnern geführt, die die Betriebsfortführung unterstützen. Wir werden in den kommenden Monaten ein Sanierungskonzept erarbeiten, um unser Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen“. Die rund 170 Mitarbeiter wurden bereits über die aktuelle Situation informiert. Ihre Gehälter sind durch das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert.
Die Eigenverwaltung ist ein gerichtliches Instrument, das dazu beitragen soll, Unternehmen in Insolvenzfällen weiter zu erhalten. Unter der Aufsicht eines Sachwalters ist ein Unternehmen auch während eines laufenden Insolvenzverfahrens berechtigt, seine Geschäfte weiterzuführen und die Gesellschaft mit Unterstützung erfahrener Sanierungsexperten selbst durch das Verfahren zu führen. Dies soll insolvenzgefährdeten Unternehmen die Möglichkeit eines Neuanfangs bieten.
Traditionsunternehmen ist pleite: Seit 1911 Hersteller von Babynahrung
Ludwig Stern, der als Generalhandlungsbevollmächtigter am Sanierungsverfahren beteiligt ist, erklärte dem RWS-Verlag: „Der Betrieb verfügt über großes Know-how und eine moderne Produktion. Gemeinsam werden wir in den kommenden Monaten das Unternehmen sanieren, um dem Betrieb eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen“. Töpfer plant eine Neuausrichtung im Rahmen einer Investorenlösung und wird daher bald die Suche nach einem finanzstarken Partner beginnen.
Die Töpfer GmbH hat eine lange Tradition. Seit ihrer Gründung im Jahr 1911 hat sich Töpfer als erster Hersteller für Säuglingsheilnahrung in Deutschland auf gesunde Kost für Babys spezialisiert. Seit Ende der 1980er Jahre produziert das Unternehmen Bio-Säuglingsnahrung. Darüber hinaus gehört Naturkosmetik aus pflanzlichen Inhaltsstoffen und Heilkräutern zum Sortiment der Töpfer GmbH. Die „Töpfer Babywelt“ ist heute einer der führenden Hersteller für Bio-Säuglingsnahrung und Naturkosmetik für Babys und Mütter. (fh)
Rubriklistenbild: © Imago

