Gipfel ohne Ukraine

Alaska-Treffen von Putin und Trump – Moskaus Börse hegt neue Hoffnung

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Die USA und Russland haben ein Gipfeltreffen vereinbart. Schauplatz wird der US-Bundesstaat Alaska sein. Der russische Aktienmarkt steigt deutlich an.

Moskau – Für Russlands Wirtschaft ging es zuletzt turbulent zu. Die wichtigen Ölverkäufe warfen weniger Gewinn ab als eigentlich gewollt, was zur Streichung einiger wichtiger Investitionen führte. Gleichzeitig berichten mehrere Branchen von massivem Stellenabbau und Verlusten. Hinter alledem steht der Ukraine-Krieg – bei dem es womöglich zu einem Waffenstillstand kommen könnte. Die USA und Russland haben sich für Mitte August zu einem Gipfel verabredet. Am russischen Aktienmarkt kommt das gut an.

Neue Gewinne für Russlands Aktienmarkt – wegen Hoffnung auf Alaska-Gipfel

Dieser befindet sich im stärksten Aufschwung seit Februar. Auslöser dafür ist eine Ankündigung, dass sich US-Präsident Donald Trump und sein russisches Pendant Wladimir Putin im US-Bundesstaat Alaska treffen wollen. Der Moscow Exchange Index, der etwa 40 der größten russischen Unternehmen abbildet, konnte seit Donnerstag, 7. August, um 8,3 Prozent zulegen, was einer zusätzlichen Marktkapitalisierung von 465 Milliarden Rubel entspricht (5,01 Milliarden Euro).

Putin in Alaska – Moskaus Börse feiert möglichen Waffenstillstand

„Der Optimismus bei den Tradern rührt hauptsächlich von dem Treffen des US-Präsidenten und des russischen Präsidenten her“, zitierte die Moscow Times Wladimir Tschernow, einen Analysten bei Freedom Finance Global. Investoren hegen nun die Hoffnung, dass es zu einer Deeskalation im Ukraine-Krieg kommt – und zu möglichen Erleichterungen bei Russland-Sanktionen.

Unter anderem profitierten die Unternehmen Gazprom (plus 16 Prozent), Novatek (plus 18 Prozent) und Sovcomflot (plus neun Prozent) von diesen Nachrichten.

Waffenstillstand in der Ukraine – das erhoffen sich die Länder vom Trump-Putin-Gipfel

Was steckt hinter dem Treffen? Für Trump ist der Alaska-Gipfel wohl ein Versuch, einem Ende der Kämpfe in der Ukraine näherzukommen. Er hatte bereits einen möglichen Gebietstausch zwischen der Ukraine und Russland in Betracht gezogen, ohne aber dabei ins Detail zu gehen. Im Vorfeld hatte Trump zwischen den Extremen geschwankt. Das ging bei einem eher pro-russischen Kurs los, während dem er teils einfach Kreml-Propaganda übernahm und der Ukraine wichtige Hilfeleistungen versagte. Dann aber zog Trump neue Sanktionen gegen Russland in Betracht und versorgte die Ukraine weiter mit Waffen und Geheimdienstinformationen.

Moskau wiederum besteht seit Kriegsbeginn auf seinen Maximalforderungen, sobald es um Verhandlungen geht. Die Ukraine soll auf den Nato-Beitritt verzichten, die von Russland annektierten Gebiete müssten abgetreten werden. Wie das Wall Street Journal und die New York Times berichteten, soll Putin einen Waffenstillstand in der Ukraine in Aussicht gestellt haben. Die Bedingung: Russland soll die Kontrolle über die gesamte Donbass-Region erhalten, die eigentlich zur Ukraine gehört. Weitere Zugeständnisse des Kremls sind bislang nicht bekannt.

Wie zuletzt die Tagesschau berichtete, lehnt die Ukraine eine solche Abtretung kategorisch ab. Angesichts dessen, dass auch die Abgabe der ukrainischen Atomwaffen (1994) oder der Halbinsel Krim (2014) nicht zum langfristigen Ende russischer Aggression führte, verwundert das kaum. Die Ukraine wird bei dem Gipfel voraussichtlich nicht vertreten sein.

Kurzfristige Gewinne voraus? – Ergebnis des Alaska-Gipfels entscheidend

Allerdings gilt: Der Boom am russischen Aktienmarkt hängt von der Hoffnung bezüglich des Alaska-Gipfels ab. Sollte es dort zu keinen nennenswerten Einigungen kommen – oder sollte Trump gar doch wieder in Richtung Sanktionen denken – können sich die jetzigen Gewinne ebenso schnell wieder auflösen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ABACAPRESS

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