VonPatrick Hauserschließen
Sonja Plagmannschließen
Aldi führt den deutschen Discounter-Markt an. Die Erfolgsgeschichte der Supermarkt-Dynastie begann vor über 100 Jahren mit einem kleinen Backwarenhandel.
München – Günstige Eigenmarken, wechselnde Aktionsangebote und ein überschaubares Sortiment, welches kaum Lagerraum beansprucht - das Aldi-Konzept kennt wohl jeder Deutsche. Inzwischen ist der Supermarkt-Riese Aldi, bestehend aus den Discount-Einzelhandelsketten Aldi Nord und Aldi Süd, nicht nur in Deutschland, sondern auch in 15 anderen europäischen Ländern und auf drei weiteren Kontinenten vertreten.
| Gründung | 1913 (unter dem Namen Aldi seit 1962) |
|---|---|
| Branche | Lebensmitteleinzelhandel |
| Sitz | Essen (Aldi Nord), Mülheim an der Ruhr (Aldi Süd) |
| Anzahl der Länder mit Filialen | 9 (Aldi Nord), 11 (Aldi Süd) |
Aldi gibt es inzwischen seit über 100 Jahren - allerdings hatte das kleine Geschäft von damals mit dem heutigen Discounter-Imperium nur gemein, dass man dort Lebensmittel kaufen konnte. Lesen Sie hier, wie aus einem kleinen Backwarenhandel die Weltmarke Aldi wurde.
Die Entstehung von Aldi: Eine Erfolgsgeschichte
Alles begann 1913, als der gelernte Bäcker Karl Albrecht sen. im Alter von 27 Jahren in Essen-Schonnebeck den Handel mit Backwaren aufnahm. Seine Frau eröffnete ein Jahr später den ersten Lebensmittelladen in dem Essener Stadtteil - so legten die Eltern von Karl und Theo Albrecht den Grundstein für das Aldi-Imperium. Im Jahr 1945 übernahmen die Brüder schließlich den Betrieb. Zehn Jahre später gab es bereits 100 Filialen in Nordrhein-Westfalen.
1961 wurden die beiden Unternehmensgruppen Aldi Nord und Aldi Süd gegründet. Kurz darauf war das Discounter-Prinzip geboren: Alle Supermarkt-Filialen wurden rationell eingerichtet, eine geringe Anzahl an Lebensmitteln wurde direkt aus Kartons auf Paletten zur Selbstbedienung angeboten. 1968 wurde Aldi dann international: Die Unternehmensgruppe kaufte die österreichische Kette Hofer mit ca. 30 Filialen. Da die Bezeichnung Aldi in Österreich der Firma „Adel Lebensmittel Diskont“ gehört, fungiert die Supermarkt-Kette dort noch heute unter dem Namen Hofer. Das Logo gleicht abgesehen vom Schriftzug Hofer dem von Aldi Süd.
Aldi ist der größte Lebensmittelanbieter Deutschlands
Im Laufe der Jahre vergrößerte der Supermarkt Aldi seine Produktpalette immens, 2007/08 kamen Online-Services wie ein Blumen- und Fotoservice sowie Aldi Reisen und der Telefon-Service Aldi Talk hinzu. Seit 2021 führen Aldi Süd und Aldi Nord einen gemeinsamen Online-Lieferservice mit einheitlichem Sortiment. Wöchentlich bringt Aldi einen Prospekt mit den aktuellen Angeboten heraus. Seit 2023 gibt es die Angebote auch digital per WhatsApp.
Im Jahr 2022 erwirtschafteten Aldi Nord und Aldi Süd zusammen mehr Bruttoumsatz als jede andere deutsche Einzelhandelsgruppe. Somit zählt Aldi zu den größten Einzelhandelsgruppen der Welt und ist in Deutschland die Nummer eins im Discount. Der stationäre Nettoumsatz von Aldi Süd übersteigt dabei laut EHI Retail Institute regelmäßig den der Schwesterfirma Aldi Nord und betrug 2022 18,3 Milliarden Euro (Aldi Nord: 13,5 Mrd. Euro). Die größten Konkurrenten von Aldi sind die Lebensmittel-Riesen Edeka und Lidl.
Im September 2019 wurde bekannt: Die älteste Aldi-Filale der Welt an der Huestraße 87 im Essener Stadtteil Schonnebeck wird geschlossen. Nach genau 100 Jahren ist das Aldi-Stammhaus in Essen für das wachsende Sortiment des Lebensmittelhändlers zu klein geworden. 1919 hatte die Familie Albrecht das Haus gekauft, um den Lebensmittelladen zu vergrößern.
Das Leben der Aldi-Gründer Karl Albrecht und Theo Albrecht
Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen zählten Karl (geboren 1920) und Theo Albrecht (geboren 1922) später zu den reichsten Menschen der Welt. Die Forbes-Liste der reichsten Deutschen führte Karl Albrecht jahrelang vor seinem Bruder Theo an.
Im Jahr 2014, dem Jahr seines Todes, verfügte Karl Albrecht laut Manager Magazin im Forbes-Ranking über ein geschätztes Vermögen von 25 Milliarden US-Dollar. Sein Bruder Theo besaß kurz vor seinem Tod im Jahr 2010 ein geschätztes Vermögen von 16,7 Milliarden US-Dollar.
So veränderte die Entführung von Theo Albrecht das Verhalten der Aldi-Brüder
Das Leben der Albrecht-Brüder wirkt wie ein wahr gewordenes Märchen. Doch die Familie musste auch einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Im November 1971 wurde Theo das Opfer einer Entführung und durchlebte ein zweieinhalb Wochen langes Martyrium.
Ein Rechtsanwalt mit hohen Spielschulden und ein vorbestrafter Tresorknacker verschleppten den damals 49-jährigen Theo Albrecht und hielten ihn in einem Schrank gefangen. Nach einer damals enorm hohen Lösegeldzahlung von sieben Millionen Mark kam Theo Albrecht frei. Die beiden Kidnapper wurden wenig später gefasst, doch das traumatische Erlebnis veränderte das Verhalten der Familie Albrecht extrem: Theo sprach nach der Entführung nie wieder mit Reportern und ließ sich nicht mehr fotografieren, um seine Privatsphäre zu schützen. Auch der Rest der Familie mied die Öffentlichkeit ab diesem Zeitpunkt weitgehend.
Aldi-Standorte: So entwickelten sich die Discounter-Filialen in Deutschland
Aldi Süd hat nach Angaben des Unternehmens mittlerweile in Süd- und Westdeutschland rund 1.980 Filialen und über 49.600 Mitarbeiter (Stand: November 2023). Rund 1750 Basisartikel hat Aldi Süd im Sortiment - 90 Prozent davon sind Eigenmarken.
Aldi Nord beschäftigt in Deutschland im November 2023 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat mehr als 2.200 Filialen. Aber wie findet man eine naheliegende Aldi-Filiale? Dafür hat der Discounter einen Filial-Finder auf seiner Webseite, der Ihnen alle Aldi-Standorte in Deutschland anzeigt.
Diese Länder hat Aldi bereits erobert
Inzwischen gibt es laut Angaben des Unternehmens Aldi Süd-Filialen in 11 Ländern und Aldi-Nord Filialen in 9: Neben Deutschland gibt es Aldi somit in Österreich, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Ungarn, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Dänemark, Polen, Portugal, Slowenien, Spanien und der Schweiz. Auch außerhalb Europas können Kunden bei Aldi einkaufen: in Australien, den USA und seit 2017 auch in China.
Anfang des Jahres 2023 beendete Aldi sein seit 1977 bestehendes Engagement in Dänemark und verkaufte einen Großteil seiner 188 Filialen an das Unternehmen Rema 1000. Der Konzern begründete die Maßnahme mit einer neuen Strategie hin zu mehr Investitionen in Wachstumsmärkten - Aldi hatte zuvor über viele Jahre Verluste in Dänemark geschrieben.
Weltweit beschäftigt Aldi Süd laut eigenen Angaben inzwischen rund 155.000 Mitarbeiter und betreibt 6.520 Filialen. Bei der Schwesterfirma Aldi Nord, die im Gegensatz zu Aldi Süd nur in Europa vertreten ist, arbeiten insgesamt 91.000 Mitarbeiter in über 5.400 Filialen (Stand: 2024).
Aldi Süd und Aldi Nord: Was ist der Unterschied?
Der Markenname Aldi (Eigenschreibweise ALDI) setzt sich übrigens zusammen aus jeweils den ersten beiden Buchstaben von „Albrecht Diskont“. Nach der Aufteilung des „Albrecht Diskont“ im Jahr 1961 übernahm der ältere Bruder Karl Albrecht Aldi Süd und Theo Albrecht übernahm Aldi Nord. Noch heute wird über die Gründe für die Aufteilung spekuliert.
Lidl, Aldi, Edeka und Co. – das steckt hinter den Abkürzungen der Namen




Aldi Nord hat Filialen in Norddeutschland und seit dem Mauerfall in Ostdeutschland. Aldi Süd hat Filialen in Süd- und Westdeutschland. Der „Aldi-Äquator“, der die beiden eigenständigen Unternehmen trennt, die seit jeher eng zusammenarbeiten, verläuft vom Niederrhein durch Hessen an der bayerisch-thüringischen Grenze entlang bis zum südlichen Rand Sachsens.
Umfrage: Gehen Sie lieber zu Aldi Süd oder zu Aldi Nord?
Doch welches Schwesterunternehmen ist nun besser? In einem Artikel der Wirtschaftswoche wird Aldi Süd deutlich besser bewertet als Aldi Nord. Können Sie das bestätigen? Machen Sie mit bei unserer Umfrage!
Wie viel verdient man bei Aldi?
Die Verdienstmöglichkeiten bei Aldi unterscheiden sich je nach eingesetzter Position und der Berufserfahrung. Ein Regionalverkaufsleiter bei Aldi Süd erhält laut dem Unternehmen ein Einstiegsgehalt von 67.000 Euro pro Jahr. Bei Aldi Nord gibt Kununu einen durchschnittlichen Bruttoverdienst von 53.000 Euro pro Jahr als Filialleiter an. Eine Verkäuferin oder ein Verkäufer an der Kasse darf mit einem Jahresgehalt von etwa 33.000 Euro rechnen.
Aldi Süd zahlt einen Mindestlohn von 14 Euro pro Stunde, das Gehalt für Auszubildende beträgt zwischen 1.150 Euro (im ersten Lehrjahr) und 1.400 Euro (im dritten Lehrjahr). Außerdem verweist der Supermarkt-Riese auf Boni wie einen unbefristeten Vertrag sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld (Stand: Januar 2024).
Aldi will Fleischverkauf revolutionieren
Im Jahr 2023 kündigte Aldi an, dass das Unternehmen nur noch gekühlte Fleisch- und Wurstwaren der beiden höchsten Haltungsformen 3 (Außenklima) und 4 (Premium) verkaufen will, um für mehr Tierwohl zu sorgen. Dieser Prozess soll 2030 abgeschlossen sein.
Frischfleisch aus den beiden niedrigeren Haltungsformen 1 und 2 soll dann komplett aus den Regalen verschwinden. Laut Informationen des Unternehmens werden aktuell 90 Prozent der Fleisch- und Wurstwaren im Sortiment der Haltungsform 2 zugeordnet.
Rubriklistenbild: © Steinberg/Z1019 Förster/picture alliance/dpa




