Supermarkt-Dynastie Albrecht

Supermarkt Aldi: Geschichte und Entwicklung des Discounter-Imperiums

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Aldi führt den deutschen Discounter-Markt an. Die Erfolgsgeschichte der Supermarkt-Dynastie begann vor über 100 Jahren mit einem kleinen Backwarenhandel.

München – Günstige Eigenmarken, wechselnde Aktionsangebote und ein überschaubares Sortiment, welches kaum Lagerraum beansprucht - das Aldi-Konzept kennt wohl jeder Deutsche. Inzwischen ist der Supermarkt-Riese Aldi, bestehend aus den Discount-Einzelhandelsketten Aldi Nord und Aldi Süd, nicht nur in Deutschland, sondern auch in 15 anderen europäischen Ländern und auf drei weiteren Kontinenten vertreten.

Gründung1913 (unter dem Namen Aldi seit 1962)
BrancheLebensmitteleinzelhandel
SitzEssen (Aldi Nord), Mülheim an der Ruhr (Aldi Süd)
Anzahl der Länder mit Filialen9 (Aldi Nord), 11 (Aldi Süd)

Aldi gibt es inzwischen seit über 100 Jahren - allerdings hatte das kleine Geschäft von damals mit dem heutigen Discounter-Imperium nur gemein, dass man dort Lebensmittel kaufen konnte. Lesen Sie hier, wie aus einem kleinen Backwarenhandel die Weltmarke Aldi wurde.

Die Entstehung von Aldi: Eine Erfolgsgeschichte

Alles begann 1913, als der gelernte Bäcker Karl Albrecht sen. im Alter von 27 Jahren in Essen-Schonnebeck den Handel mit Backwaren aufnahm. Seine Frau eröffnete ein Jahr später den ersten Lebensmittelladen in dem Essener Stadtteil - so legten die Eltern von Karl und Theo Albrecht den Grundstein für das Aldi-Imperium. Im Jahr 1945 übernahmen die Brüder schließlich den Betrieb. Zehn Jahre später gab es bereits 100 Filialen in Nordrhein-Westfalen. 

1961 wurden die beiden Unternehmensgruppen Aldi Nord und Aldi Süd gegründet. Kurz darauf war das Discounter-Prinzip geboren: Alle Supermarkt-Filialen wurden rationell eingerichtet, eine geringe Anzahl an Lebensmitteln wurde direkt aus Kartons auf Paletten zur Selbstbedienung angeboten. 1968 wurde Aldi dann international: Die Unternehmensgruppe kaufte die österreichische Kette Hofer mit ca. 30 Filialen. Da die Bezeichnung Aldi in Österreich der FirmaAdel Lebensmittel Diskont“ gehört, fungiert die Supermarkt-Kette dort noch heute unter dem Namen Hofer. Das Logo gleicht abgesehen vom Schriftzug Hofer dem von Aldi Süd.

Aldi ist der größte Lebensmittelanbieter Deutschlands

Im Laufe der Jahre vergrößerte der Supermarkt Aldi seine Produktpalette immens, 2007/08 kamen Online-Services wie ein Blumen- und Fotoservice sowie Aldi Reisen und der Telefon-Service Aldi Talk hinzu. Seit 2021 führen Aldi Süd und Aldi Nord einen gemeinsamen Online-Lieferservice mit einheitlichem Sortiment. Wöchentlich bringt Aldi einen Prospekt mit den aktuellen Angeboten heraus. Seit 2023 gibt es die Angebote auch digital per WhatsApp.

Aldi Süd und Aldi Nord sind Unternehmen der Familie Albrecht.

Im Jahr 2022 erwirtschafteten Aldi Nord und Aldi Süd zusammen mehr Bruttoumsatz als jede andere deutsche Einzelhandelsgruppe. Somit zählt Aldi zu den größten Einzelhandelsgruppen der Welt und ist in Deutschland die Nummer eins im Discount. Der stationäre Nettoumsatz von Aldi Süd übersteigt dabei laut EHI Retail Institute regelmäßig den der Schwesterfirma Aldi Nord und betrug 2022 18,3 Milliarden Euro (Aldi Nord: 13,5 Mrd. Euro). Die größten Konkurrenten von Aldi sind die Lebensmittel-Riesen Edeka und Lidl.

Im September 2019 wurde bekannt: Die älteste Aldi-Filale der Welt an der Huestraße 87 im Essener Stadtteil Schonnebeck wird geschlossen. Nach genau 100 Jahren ist das Aldi-Stammhaus in Essen für das wachsende Sortiment des Lebensmittelhändlers zu klein geworden. 1919 hatte die Familie Albrecht das Haus gekauft, um den Lebensmittelladen zu vergrößern.

Das Leben der Aldi-Gründer Karl Albrecht und Theo Albrecht

Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen zählten Karl (geboren 1920) und Theo Albrecht (geboren 1922) später zu den reichsten Menschen der Welt. Die Forbes-Liste der reichsten Deutschen führte Karl Albrecht jahrelang vor seinem Bruder Theo an.

Im Jahr 2014, dem Jahr seines Todes, verfügte Karl Albrecht laut Manager Magazin im Forbes-Ranking über ein geschätztes Vermögen von 25 Milliarden US-Dollar. Sein Bruder Theo besaß kurz vor seinem Tod im Jahr 2010 ein geschätztes Vermögen von 16,7 Milliarden US-Dollar.

So veränderte die Entführung von Theo Albrecht das Verhalten der Aldi-Brüder

Das Leben der Albrecht-Brüder wirkt wie ein wahr gewordenes Märchen. Doch die Familie musste auch einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Im November 1971 wurde Theo das Opfer einer Entführung und durchlebte ein zweieinhalb Wochen langes Martyrium. 

Das Archivbild vom 17. Dezember 1971 zeigt Aldi-Mitbegründer Theo Albrecht, der nach seiner Entführung die Öffentlichkeit mied.

Ein Rechtsanwalt mit hohen Spielschulden und ein vorbestrafter Tresorknacker verschleppten den damals 49-jährigen Theo Albrecht und hielten ihn in einem Schrank gefangen. Nach einer damals enorm hohen Lösegeldzahlung von sieben Millionen Mark kam Theo Albrecht frei. Die beiden Kidnapper wurden wenig später gefasst, doch das traumatische Erlebnis veränderte das Verhalten der Familie Albrecht extrem: Theo sprach nach der Entführung nie wieder mit Reportern und ließ sich nicht mehr fotografieren, um seine Privatsphäre zu schützen. Auch der Rest der Familie mied die Öffentlichkeit ab diesem Zeitpunkt weitgehend.

Aldi-Standorte: So entwickelten sich die Discounter-Filialen in Deutschland

Aldi Süd hat nach Angaben des Unternehmens mittlerweile in Süd- und Westdeutschland rund 1.980 Filialen und über 49.600 Mitarbeiter (Stand: November 2023). Rund 1750 Basisartikel hat Aldi Süd im Sortiment - 90 Prozent davon sind Eigenmarken.

Aldi Nord beschäftigt in Deutschland im November 2023 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat mehr als 2.200 Filialen. Aber wie findet man eine naheliegende Aldi-Filiale? Dafür hat der Discounter einen Filial-Finder auf seiner Webseite, der Ihnen alle Aldi-Standorte in Deutschland anzeigt.

Diese Länder hat Aldi bereits erobert

Inzwischen gibt es laut Angaben des Unternehmens Aldi Süd-Filialen in 11 Ländern und Aldi-Nord Filialen in 9: Neben Deutschland gibt es Aldi somit in Österreich, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Ungarn, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Dänemark, Polen, Portugal, Slowenien, Spanien und der Schweiz. Auch außerhalb Europas können Kunden bei Aldi einkaufen: in Australien, den USA und seit 2017 auch in China.

Anfang des Jahres 2023 beendete Aldi sein seit 1977 bestehendes Engagement in Dänemark und verkaufte einen Großteil seiner 188 Filialen an das Unternehmen Rema 1000. Der Konzern begründete die Maßnahme mit einer neuen Strategie hin zu mehr Investitionen in Wachstumsmärkten - Aldi hatte zuvor über viele Jahre Verluste in Dänemark geschrieben.

Filialen von Aldi Nord gibt es im Gegensatz zu Aldi Süd nur in Europa.

Weltweit beschäftigt Aldi Süd laut eigenen Angaben inzwischen rund 155.000 Mitarbeiter und betreibt 6.520 Filialen. Bei der Schwesterfirma Aldi Nord, die im Gegensatz zu Aldi Süd nur in Europa vertreten ist, arbeiten insgesamt 91.000 Mitarbeiter in über 5.400 Filialen (Stand: 2024).

Aldi Süd und Aldi Nord: Was ist der Unterschied? 

Der Markenname Aldi (Eigenschreibweise ALDI) setzt sich übrigens zusammen aus jeweils den ersten beiden Buchstaben von „Albrecht Diskont“. Nach der Aufteilung des „Albrecht Diskont“ im Jahr 1961 übernahm der ältere Bruder Karl Albrecht Aldi Süd und Theo Albrecht übernahm Aldi Nord. Noch heute wird über die Gründe für die Aufteilung spekuliert.

Lidl, Aldi, Edeka und Co. – das steckt hinter den Abkürzungen der Namen

Eine Filiale von Aldi Süd
Der Supermarkt Aldi wurde von den Albrecht Brüdern gegründet– „Aldi“ steht als Abkürzung für „Albrecht Discount“.  © Christoph Hardt/Future Image/Imago
Rewe Logo
Auch der Supermarkt REWE hat eine lange, oft ungeahnte Bedeutung und ist eine Abkürzung. Die lange Version lautet: „Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften“. Ein Verband, zu dem sich 1927 insgesamt 17 Einkaufsgenossenschaften zusammenschlossen.  © Political-Moments/Imago
Das Logo vom Einzelhändler Edeka
Im Jahr 1898 wurde die sogenannte „Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler“ gegründet. Den meisten Menschen ist Edeka jedoch eher ein Begriff, dessen Name letztendlich 1911 richtig entstand und ebenfalls eine Abkürzung ist. © Jens Kalaene/dpa
Das Lidl-Logo
In Neckarsulm wird die Lidl & Schwarz KG als Lebensmittel-Sortimentsgroßhandlung im Jahr 1930 gegründet. 1973 gibt es die erste „Lidl“-Filiale in Ludwigshafen-Mundenheim. Der Name des Lebensmittelriesen Lidl auf den Nachnamen Ludwig zurückzuführen, einem Verwandten des Gründers. Dieter Schwarz kaufte die Namensrechte vom pensionierten Berufsschullehrer und Kunstmaler Ludwig Lidl. © Imago
Norma-Markt
Norma ist die Abkürzung von Noricum-Markt . „Noricum“ ist der lateinische Name für Nürnberg. 1964. Dort wurde die erste Filiale eröffnet. © Schörner
Eine Netto-Filiale
1929 wurde das Unternehmen als Lebensmittel-Großhandel in Regensburg gegründet. 1990 wurde die erste Filiale eröffnet, damals noch unter dem Namen „SuDi“ der für „SuperDiscount“ steht. Später wurden die Filialen in „Netto Marken-Discount“ umbenannt. Eine Erklärung, wofür „Netto“ konkret steht, ist nicht zu finden.  © marina13/Imago
Penny Discounter
1973 öffnete der erste Penny-Markt in Limburg an der Lahn. Penny entwickelte schnell zu einer wachsenden Discount-Kette. Die Herkunft und Bedeutung des Namens sind nicht festgehalten, könnte aber mit Geld zu tun haben – zu einem Cent wird auch häufig „Penny“ gesagt, womit Kunden assoziieren, dass es im Penny-Markt wohl „billig“ sein muss. © APress/Imago
Alnatura
Das Unternehmen Alnatura wurde 1984 gegründet und gehört der Bio-Lebensmittel-Branche an. Hier werden vor allem ökologisch produzierte Lebensmittel verkauft. „Natura“ bedeutet „Natur“.  © Daniel Reinhardt/dpa

Aldi Nord hat Filialen in Norddeutschland und seit dem Mauerfall in Ostdeutschland. Aldi Süd hat Filialen in Süd- und Westdeutschland. Der „Aldi-Äquator“, der die beiden eigenständigen Unternehmen trennt, die seit jeher eng zusammenarbeiten, verläuft vom Niederrhein durch Hessen an der bayerisch-thüringischen Grenze entlang bis zum südlichen Rand Sachsens. 

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Doch welches Schwesterunternehmen ist nun besser? In einem Artikel der Wirtschaftswoche wird Aldi Süd deutlich besser bewertet als Aldi Nord. Können Sie das bestätigen? Machen Sie mit bei unserer Umfrage!

Wie viel verdient man bei Aldi?

Die Verdienstmöglichkeiten bei Aldi unterscheiden sich je nach eingesetzter Position und der Berufserfahrung. Ein Regionalverkaufsleiter bei Aldi Süd erhält laut dem Unternehmen ein Einstiegsgehalt von 67.000 Euro pro Jahr. Bei Aldi Nord gibt Kununu einen durchschnittlichen Bruttoverdienst von 53.000 Euro pro Jahr als Filialleiter an. Eine Verkäuferin oder ein Verkäufer an der Kasse darf mit einem Jahresgehalt von etwa 33.000 Euro rechnen.

Aldi Süd zahlt einen Mindestlohn von 14 Euro pro Stunde, das Gehalt für Auszubildende beträgt zwischen 1.150 Euro (im ersten Lehrjahr) und 1.400 Euro (im dritten Lehrjahr). Außerdem verweist der Supermarkt-Riese auf Boni wie einen unbefristeten Vertrag sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld (Stand: Januar 2024).

Aldi will Fleischverkauf revolutionieren

Im Jahr 2023 kündigte Aldi an, dass das Unternehmen nur noch gekühlte Fleisch- und Wurstwaren der beiden höchsten Haltungsformen 3 (Außenklima) und 4 (Premium) verkaufen will, um für mehr Tierwohl zu sorgen. Dieser Prozess soll 2030 abgeschlossen sein.

Frischfleisch aus den beiden niedrigeren Haltungsformen 1 und 2 soll dann komplett aus den Regalen verschwinden. Laut Informationen des Unternehmens werden aktuell 90 Prozent der Fleisch- und Wurstwaren im Sortiment der Haltungsform 2 zugeordnet.

Rubriklistenbild: © Steinberg/Z1019 Förster/picture alliance/dpa

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