Deutscher Weltmarktführer meldet Kurzarbeit an – mehr als 400 Mitarbeiter betroffen
VonJulian Baumann
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Der Maschinenbauer Wafios kämpft mit sinkenden Auftragszahlen und hat deshalb für rund 60 Prozent der Belegschaft am Stammsitz Kurzarbeit angemeldet.
Reutlingen – Kaum ein Industrieunternehmen kann sich derzeit den sinkenden Auftragszahlen bei zugleich immer weiter steigenden Kosten entziehen. Während Unternehmen wie der Elektronikspezialist Elobau mit einem Stellenabbau auf die Marktlage reagieren, greifen andere Firmen nach Möglichkeit zu sanfteren Maßnahmen. Der traditionsreiche Maschinenbauer Wafios mit Sitz in Reutlingen (Baden-Württemberg), der im Bereich der Draht- und Rohrbiegemaschinen als Weltmarktführer gilt, hat Kurzarbeit angemeldet.
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Die 1893 gegründete Wafios AG ist auf technisch hochkomplexe Maschinen spezialisiert, die unter anderem auch in der Automobilindustrie zum Einsatz kommen. Wie die Südwestpresse (SWP) berichtet, hatte das Unternehmen vor rund einem Jahr noch einen massiven Aufschwung durch den Hochlauf der Elektromobilität, der inzwischen aber deutlich abgeschwächt ist. Im Bereich der E-Mobilität schlagen sich die Reutlinger zwar noch immer gut, dafür schwächeln aber die anderen Geschäftsbereiche.
Maschinenbauer Wafios schickt rund 450 Mitarbeiter ab Juli in Kurzarbeit
Wie Wafios-Chef Uwe-Peter Weigmann im Gespräch mit der SWP erklärte, wurde die Belegschaft am Stammsitz in Reutlingen am Mittwoch (4. Juni) im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung über die Maßnahme informiert. Konkret betrifft die Kurzarbeit rund 60 Prozent der Angestellten, was bei 750 Menschen also rund 450 Mitarbeiter bedeutet. Vorstandssprecher Weigmann zufolge soll die Maßnahme die Marke von 20 Prozent nicht übersteigen; er selbst rechnet für die meisten Angestellten mit einer verkürzten Arbeitszeit von zehn bis 15 Prozent. Die Kurzarbeit startet am 1. Juli und wurde für ein halbes Jahr angemeldet.
Name
Wafios AG
Gründung
1893
Sitz
Reutlingen, Baden-Württemberg
Branche
Maschinenbau
Mitarbeiter
750 (2025)
Umsatz
189,3 Millionen Euro (2023)
Welche Bereiche genau von der Maßnahme betroffen sind, wollte Uwe-Peter Weigmann im Gespräch mit der SWP aufgrund von Wettbewerbsgründen nicht sagen. „Es gibt Bereiche, wie die E-Mobilität, da sind wir sogar in Überzeit. Auch der Federnbereich läuft sehr gut“, erklärte er aber. „Wir haben also starke Bereiche und weniger starke Bereiche – und in Letzteren fahren wir die Produktion eben etwas zurück.“ Dass Wafios auf diese Maßnahme setze, sei aber kein Grund zur Sorge; die Kurzarbeit sei als Instrument gedacht, „um Phasen mit weniger Aufträgen zu überbrücken.“
Wafios hält an Standort Reutlingen fest und plant aktuell keinen Stellenabbau
Die Maßnahme der Kurzarbeit wird eingesetzt, um schnell auf eine niedrige Auslastung reagieren zu können, ohne zu drastischeren Schritten wie einem Stellenabbau greifen zu müssen. Der Vorteil für die Mitarbeiter ist, dass sie ihren Arbeitsplatz behalten und weiterhin bezahlt werden, und das Unternehmen muss bei einer Verbesserung der Auftragslage nicht erst neues Personal einstellen. Wafios hatte bei der Mitarbeiterversammlung am Mittwoch der Belegschaft zum einen versichert, keine Pläne zu haben, den Standort Reutlingen zu verlassen, und zum anderen aktuell auch keinen Stellenabbau zu planen.
Im vergangenen Jahr hatte auch der Reutlinger Maschinenbauer Manz Kurzarbeit an zwei Standorten eingeführt, ehe das Unternehmen im Dezember Insolvenz anmelden musste und an eine Tesla-Tochter verkauft wurde.