Angst vor Abschiebung hält Einwanderer zu Hause. Unternehmen beklagen fehlende Arbeitskräfte. Die wirtschaftlichen Folgen von Trumps Vorgehen werden immer deutlicher.
Washington D.C. – In den Vereinigten Staaten bereiten sich zahlreiche Unternehmen auf unerwartete Durchsuchungen durch Einwanderungsbehörden vor. Nachdem Beamte der ICE begonnen haben, illegale Einwanderer direkt von ihren Arbeitsplätzen abzuholen, sind viele Firmen in Alarmbereitschaft. Auch Tagelöhner, die vor Geschäften wie Home Depot oder 7-Eleven auf Arbeit warten, sind betroffen. Laut einem Bericht der New York Times haben Unternehmen nun Strategien entwickelt, um auf solche Situationen vorbereitet zu sein.
US-Wirtschaft auf Migranten angewiesen: Unternehmen in Sorge um ihre Mitarbeiter
Einwanderer spielen eine entscheidende Rolle in der US-Wirtschaft. „Die Leute gehen nicht aus dem Haus. Sie gehen nicht zur Arbeit, weil es immer noch ein angespanntes Gebiet ist“, berichtete ein Mann aus Los Angeles der Deutschen Presseagentur. Besonders stark betroffen sind die Bauwirtschaft, die Landwirtschaft, das Gesundheitswesen sowie die Gastronomie- und Hotelbranche. Diese Sektoren sind stark auf Einwanderer angewiesen, und ihr Fehlen könnte die Wirtschaft destabilisieren. Ein Sprecher der Gewerkschaft für die Baubranche, die Associated General Contractors of America, informierte die NYT darüber, dass sie ihre Mitglieder vor möglichen Razzien auf Baustellen warnen.
Unternehmen wird geraten, sich einen Überblick über die Anzahl der Mitarbeiter ohne Papiere zu verschaffen. Anwälte empfehlen, Listen aller Angestellten zu führen und im Falle von Razzien zu dokumentieren, was die Beamten mitnehmen.
Migranten stellen in den USA 28 Prozent der Arbeitskräfte im Gesundheitswesen, 44 Prozent im verarbeitenden Gewerbe und 40 Prozent in der Bauwirtschaft. Nicht alle sind ohne Papiere, aber es gibt etwa elf Millionen Einwanderer ohne gültigen Aufenthaltsstatus. Die Mehrheit von ihnen arbeitet und zahlt Steuern.
Einwanderer gehen in den USA nicht mehr aus dem Haus: Firmen berichten von Umsatzeinbußen
Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind jedoch nicht nur auf den Arbeitskräftemangel beschränkt. „Aus Angst vor Deportation, Repressalien und steigenden Preisen beschränken diese Bevölkerungsgruppen ihre Ausgaben“, erklärt Handelsexperte Jörg Funder gegenüber NTV. Einige Unternehmen berichten bereits von Umsatzeinbrüchen von bis zu 50 Prozent. „Auch Großkonzerne, die Produkte herstellen, die sich bei Hispanics und Latinos großer Beliebtheit erfreuen, haben ihre Absatzprognosen deutlich nach unten korrigiert.“
Brennende Autos, Tränengas, Nationalgarde: Proteste in L.A. gegen Trump eskalieren
Donald Trump scheint inzwischen erkannt zu haben, dass seine Migrationspolitik der US-Wirtschaft erheblich schaden könnte. Laut der New York Times hat die Regierung ihren Fokus von Massenabschiebungen abgewendet. Beamte der ICE wurden angewiesen, Razzien und Festnahmen in landwirtschaftlichen Betrieben, Hotels und Restaurants weitgehend einzustellen. Das Heimatschutzministerium bestätigte diese neue Anweisung.
„Unsere großartigen Landwirte und Menschen im Hotel- und Freizeitsektor haben erklärt, dass unsere sehr aggressive Einwanderungspolitik ihnen sehr gute, langjährige Arbeitskräfte wegnimmt“, schrieb er auf Truth Social. Diese Arbeitskräfte seien zwar keine Bürger, hätten sich aber als „großartig“ erwiesen. Man könne den Landwirten nicht ihre Arbeitskräfte entziehen und sie zurückschicken, nur weil ihnen Papiere fehlen.
Politik von Populisten schadet der Wirtschaft: „Trumpcession“ in den USA erwartet
Ökonomen sind von den negativen Auswirkungen der Politik Trumps nicht überrascht. Eine umfassende Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft zeigt, dass Populisten fast immer wirtschaftlichen Schaden anrichten. „Schon wenige Jahre nachdem sie in die Regierung eingetreten sind, sind die negativen Folgen messbar. Nach 15 Jahren liegt das reale Bruttoinlandsprodukt eines Landes sogar ganze 10 Prozent niedriger. Diese starken Auswirkungen sind ähnlich, ob nun Rechts- oder Linkspopulisten an der Macht sind“, so das IfW.
Das Versprechen der Populisten, den Bürgern ein besseres Leben zu bieten („Make America Great Again“), wird nie erfüllt. „Im Gegenteil, die Daten zeigen, dass nicht nur Wachstum und Konsum sinken, sondern auch, dass die Ungleichheit eher ansteigt. Besonders bei rechtspopulistischen Regierungen geht die Schere zwischen Arm und Reich auseinander, da untere und mittlere Einkommensschichten besonders stark verlieren.“