Verband fühlt sich vom Gesundheitsminister und der Ampel-Regierung vernachlässigt.
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat den Forderungen der Apothekerverbände wenige Tage vor deren bundesweitem Protesttag am 14. Juni energisch widersprochen. „Die Klagen der Apothekerinnen und Apotheker widersprechen den Fakten“, sagt ein Ministeriumssprecher dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Die Einkommen der Berufsgruppe der Apothekerinnen und Apotheker seien in den vergangenen Jahren „überdurchschnittlich gestiegen“. Zwar sei das Grundgehalt bereits seit längerer Zeit nicht mehr erhöht worden, es habe aber eine Reihe an zusätzlichen Maßnahmen gegeben, die das Apothekerhonorar insgesamt angehoben haben.
Dazu zählen laut Ministerium zum Beispiel die Einführung der Nacht- und Notdienstpauschale und die Erhöhung der Vergütung bei der Abgabe von Betäubungsmitteln. Hinzu komme, dass der Absatz von Arzneimittelpackungen im vergangenen Jahr um circa neun Prozent gestiegen sei. „An jeder Packung verdienen Apotheker“, betont der Ministeriumssprecher. Außerdem hätten Apotheken im Jahr 2021 wegen Pandemie-Leistungen einen Mehrumsatz von circa 2,5 Milliarden Euro erwirtschaftet.
Darüber hinaus verweist das Gesundheitsministerium auf den Wirtschaftsbericht der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Darin werde eine positive Einnahmeentwicklung bei Apotheken zwischen 2020 und 2022 deutlich, hieß es. Für das Gesundheitsministerium ist das ein Widerspruch.
Die Apothekerverbände rufen am 14. Juni zu einem bundesweiten Protesttag auf. Sie werfen der Ampel-Koalition vor, die Bundesregierung übergehe öffentliche Apotheken in ihren Gesetzesvorhaben. Eine erste Amtshandlung der Ampel-Regierung sei zum Beispiel gewesen, ein Spargesetz zu verabschieden, durch das Apothekerhonorare de facto gesenkt worden seien.
Von der Politik erhalte man bereits seit Jahren keine Wertschätzung mehr, sagen Vertreterinnen und Vertreter der Apotheken. Nach der Corona-Pandemie sei es zu einer Verschärfung bei Lieferengpässen und Personalmangel gekommen. „Umfragen zufolge ist inzwischen jedes zweite Rezept nicht mehr ohne weitere Bemühungen durch die Apotheken lieferbar. Tag für Tag suchen die Apotheken teils stundenlang nach Möglichkeiten, alternative Präparate für nicht-verfügbare Arzneimittel zu finden“, sagt Benjamin Rohrer, Sprecher der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) dem RND.
Kommende Woche soll nun ein neues Lieferengpass-Gesetz im Bundestag besprochen werden. „Deswegen auch der Protesttag am kommenden Mittwoch. Das Gesetz wird weder die Lage bei den Lieferengpässen noch die wirtschaftliche Situation der Apotheken verbessern“, sagt der Apothekensprecher.
Die Bundesregierung kritisiert die Aussagen der Apothekerverbände hingegen scharf. Die „flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln“ sei derzeit gewährleistet, sagt der Ministeriumssprecher. Ein vom Gesundheitsministerium in Auftrag gegebenes ökonomische Gutachten zum Apothekenmarkt aus dem Jahr 2020 sei zu dem Schluss gekommen, dass die Erreichbarkeit von Apotheken in Deutschland „grundsätzlich gut“ sei.