„Allianz der Arbeit“

Arbeitspflicht beim Bürgergeld: Deutsche Großstadt verstärkt Forderungen an Merz

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Union und SPD strukturieren eine Bürgergeld-Reform. Essen treibt die Arbeitspflicht für Bezieher voran – es gibt aber auch Kritik.

Essen – Die neue schwarz-rote Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz will das bisherige Bürgergeld durch eine neue Grundsicherung ersetzen. Damit planen Union und SPD eine drastische Reform beim Bürgergeld. Diese soll unter gewissen Voraussetzungen die vollständige Leistungskürzung ermöglichen. Neben vielen kritischen Stimmen gibt es auch Zuspruch. Essens Sozialdezernent Peter Renzel unterstützt das Vorgehen – und fordert noch mehr.

„Allianz der Arbeit“: Essener Sozialdezernent fordert Arbeitspflicht

Renzel gehört zu den Kritikern des Bürgergeldes – er hofft mit der schwarz-roten Regierung auf einen härteren Kurs: „Die neue Grundsicherung muss eine Allianz für Arbeit werden“, sagte er gegenüber der WAZ. Als Sozialdezernent ist er für das städtische Jobcenter verantwortlich. Renzel versteht unter der deutlichen Verschärfung der Sozialleistung eine konsequente Vermittlung in den Arbeitsmarkt und härtere Sanktionen für wiederholte Arbeitsverweigerer. Gleichzeitig fordert er eine verpflichtende Gemeinwohlarbeit für Leistungsempfänger: „Ich gebe nicht nach. Wir werden unser Wort machen.“

Im Koalitionspapier von Union und SPD ist eine Pflicht zur Gemeinwohlarbeit nicht enthalten – Renzel will das ändern. Er wolle seine Kontakte ins Bundesarbeitsministerium nutzen. „Ein Koalitionsvertrag ist schließlich noch kein Gesetz“, sagte er. Deswegen will er seine Vorschläge einbringen.

Renzel sorgte im vergangenen Jahr mit einem Arbeitspapier bundesweit für Aufsehen, so die WAZ. Darin forderte er: Solange Bürgergeld-Empfänger und Asylbewerber eingeschränkt erwerbsfähig seien, müssten sie auch ohne realistische Jobchancen mindestens drei Stunden täglich einer gemeinnützigen Tätigkeit nachgehen.

„Allianz der Arbeit“: Bürgergeld-Kritiker hoffen auf die geplante Reform. (Symbolfoto)

„Job vor Weiterbildung“: Sozialdezernent will fordert mehr von Reform

Aktuell betreut Renzels Jobcenter etwa 43.000 Haushalte in Essen, die Bürgergeld beziehen. Im vergangenen Jahr stieg deren Zahl um knapp 500 an. Mit der neuen Arbeitsministerin Bärbel Bas gehöre nun auch eine Frau den Verantwortlichen an, die das Ruhrgebiet und seine Herausforderungen gut kenne, so Renzel.

Um die Vermittlung zu stärken, fordert Renzel weniger Bürokratie. So schlägt er bei Aufstockern pauschale Lohnzuschüsse vor, anstelle aufwendiger Einzelfallberechnungen. Das entlaste die Jobcenter und mache das System effizienter.

Viele Reformpläne der Bundesregierung entsprechen Renzels Vorstellungen, etwa der Vermittlungsvorrang: „Job vor Weiterbildung“. Auch Essens Sozialdezernent unterstützt das: „Die Priorität muss in den Jobcentern wieder bei der Vermittlung einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung liegen.“ Eine „Qualifizierung auf Vorrat“ hält Renzel dagegen für zu teuer. Weiterbildung solle vorrangig im Job erfolgen.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Kritik an Merz‘ Reformplänen: „Betroffene könnten in minder entlohnte Tätigkeiten gedrängt werden“

Künftig sollen verstärkt Maßnahmen für Leistungsbezieher greifen, die eine Arbeitsaufnahme verweigern. Laut Bundesregierung heißt es: „Wir werden Vermittlungshürden beseitigen, Mitwirkungspflichten und Sanktionen im Sinne des Prinzips ‚Fördern und Fordern‘ verschärfen. Sanktionen müssen schneller, einfacher und unbürokratischer durchgesetzt werden können.“

Obwohl das Bürgergeld bereits viel Kritik erfuhr, gibt es nun auch Vorbehalte gegenüber der geplanten Grundsicherung. Sozialrechtsexperte Dr. Utz Anhalt warnt im Portal gegen-hartz: „Betroffene könnten in minder entlohnte Tätigkeiten gedrängt werden.“ Der Sozialverband VdK Deutschland äußert sich noch kritischer zur geplanten Grundsicherung. Ein Sprecher erklärt gegenüber IPPEN.MEDIA: „Die angekündigten Maßnahmen eignen sich aus meiner Sicht daher nicht, das System so zu reformieren, dass mehr Menschen für den Arbeitsmarkt der Zukunft qualifiziert sind.(hk)

Rubriklistenbild: © IMAGO/ Funke Foto Service/ Kerstin Kokoska

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