„Armageddon“: Elon Musk ruft nach Tesla-Schelte zur nächtlichen Mitarbeitersitzung
VonUlrike Hagen
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Der Tesla-Boss Elon Musk lässt wieder einmal seine Muskeln spielen und lädt alle Mitarbeiter zu einer nächtlichen Betriebsversammlung ein, um sie dazu aufzufordern, ihre Aktien nicht zu verkaufen.
Austin – Ist es Größenwahn oder Verzweiflung? Elon Musk rief spontan ein nächtliches Mitarbeitermeeting in der Nacht ein, um die Tesla-Beschäftigten aufzufordern, ihre Aktien zu halten. Der Tesla-Chef ist bekannt für unkonventionelle Auftritte – doch seine jüngsten Aktionen sorgten für harsche Kritik. So auch die am vergangenen Donnerstag (20. März) spontan angesetzte Versammlung der Belegschaft in der Nacht, um sie in einer Brandrede auf Loyalität einzuschwören – und vor allem darauf, an ihren Aktien festzuhalten.
Tesla-Chef Elon Musk zeigt mal wieder eindrücklich, was er kann – und alle Mitarbeiter zur nächtlichen Betriebsversammlung ein, um sie aufzufordern, ihre Aktien zu halten. (Archivfoto)
Teslas Aktien-Crash: Elon Musk ruft nächtliche Krisensitzung ein – „Armageddon“-Brandrede
Wie der Nachrichtensender CNBCberichtet, nutzte Musk die Versammlung, um auf die schwierige Situation seines Unternehmens einzugehen: „Wenn man die Nachrichten liest, fühlt es sich an wie der Armageddon“, sagte er in dem Livestream, der auf X, vormals Twitter, übertragen wurde. „Ich kann nicht am Fernseher vorbeigehen, ohne einen brennenden Tesla zu sehen. Was ist denn da los? Manche Leute denken sich: Hört mal, ich verstehe, wenn ihr unser Produkt nicht kaufen wollt, aber ihr müsst es ja nicht niederbrennen. Das ist doch etwas unvernünftig.“
„Unglaublich rosige und aufregende Zukunft“: Musk fordert Tesla-Mitarbeiter auf, an Aktien festzuhalten
Der 53-Jährige appellierte in seiner Brandrede an seine Mitarbeiter, weiterhin an das Unternehmen zu glauben: „Es gibt schwierige Zeiten“, sagte der milliardenschwere CEO, „aber ich möchte Ihnen sagen, dass die Zukunft unglaublich rosig und aufregend ist und wir Dinge tun werden, von denen niemand auch nur geträumt hat.“
Größenwahn oder Verzweiflung? Elon Musk beruft nächtliches Mitarbeitermeeting ein
Musk fragte: „Was ist die aufregendste Zukunft, die Sie sich vorstellen können?“ – und gab selbst die Antwort: „Eine Zukunft des Überflusses für alle.“ Robotaxis, künstliche Intelligenz und die Roboter, überhaupt alles, was Tesla derzeit entwickele, würde eine Zukunft schaffen, „in der man buchstäblich alles haben kann, was man will.“ Der Milliardär fügte hinzu: „Was ich sagen will, ist: Behalten Sie Ihre Aktien!“
Tesla unter Druck: Absatzzahlen brechen ein, Aktienkurs stürzt ab
Die jüngsten Probleme setzen den Konzern zusätzlich unter Druck: Cybertruck-Rückrufe, Kritik an der Tesla-Unternehmensführung und ein schwindendes Vertrauen der Anleger sorgen für Unruhe. Inmitten dieser Krise entschied sich Musk schließlich, sein gesamtes Team am späten Abend des 20. März zusammenzutrommeln.
Experten kritisieren Musk-Auftritt: „Gefährliche Position“ für die Marke
Das scheint immerhin zumindest kurzfristig Wirkung gezeigt zu haben: Die Tesla-Aktie stabilisierte sich und legte am Freitag um über fünf Prozent auf 248,71 Dollar zu. Doch während die Börse positiv reagierte, bewerten Experten Musks Vorgehen äußerst kritisch. Die unangekündigte Versammlung um nachtschlafende Zeit sende beunruhigende Signale.
Laut Melissa Schilling, Professorin für Management und Organisation an der Stern School of Business der New York University, könnte das Verhalten des Tesla-Chefs die Unsicherheit im Unternehmen verstärken: „Wenn man den Mitarbeitern signalisiert, dass ihre Zeit nicht wertvoll ist, schadet man der Beziehung zu ihnen“, wird sie von Business Insider zitiert.
Das eine sei, sich in der Pionierphase eines Unternehmens über gewisse Regeln hinwegzusetzen. Doch für Musk, dessen politischer Einfluss in den USA in den vergangenen Monaten enorm zugenommen hat, sei diese Zeit längst vorbei, so Schilling. „Seine Handlungen betreffen jetzt zu viele Menschen, als dass er mit diesem Verhalten durchkommen würde“. Sie warnt: „Das ist eine wirklich gefährliche Position für jemanden, der so zentral für die Marke ist“.
Elon Musk: Erst US-Schattenpräsident – und jetzt Trump-Gegenspieler?
Aller Kritik zum Trotz: Auch zu Beginn der Woche setzte sich die Erholung der Tesla-Aktie fort. Am Montag (24. März) kletterte der Kurs auf 272,84 Dollar. Experten führen dies jedoch weniger auf Musks Interventionen zurück als vielmehr auf neue Entwicklungen im Handelsstreit. Berichte von Investing.com legen nahe, dass die von Donald Trump geplanten Strafzölle weniger drastisch ausfallen könnten als erwartet – ein Faktor, der insgesamt zur positiven Entwicklung an den US-Aktienmärkten beigetragen habe.