Börsenhype

Auch in Japan boomt die Börse

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Der Nikkei 225 sprang zuletzt über 40 000 Punkte.
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Alle Augen richten sich auf die Notenbank, die kommende Woche den Hype beenden könnte.

Plötzlich sind die Zahlen rot: Drei Tage in Folge hat Japans Aktienleitindex 225 negativ abgeschlossen, nachdem er zuvor über Wochen, gar Monate, eigentlich nur nach oben gezeigt hatte. Die aktuellen Verluste sind noch gering, am Mittwoch waren es 0,26 Prozent im Vergleich zum Vortag. Aber auf die letzten Tage gerechnet liegt das Minus schon bei gut vier Prozent. Und wenn am kommenden Dienstag Japans Zentralbank (BOJ) tagt, könnte ein Ausstieg aus der Nullzinspolitik weitere Verluste bedeuten.

Zuvor war der japanische Aktienleitindex über Monate von einem Rekord zum nächsten geeilt. Ende Februar übertraf der Nikkei 225, dem 225 große japanische Aktiengesellschaften angehören, erstmals in seiner 74-jährigen Geschichte den Wert von 38 915 Punkten und stellte damit einen dreieinhalb Jahrzehnte alten Höchstwert in den Schatten. Kurz darauf war der Nikkei zum ersten Mal mehr als 39 000 Punkte schwer. Anfang März wurde dann die symbolische Bestmarke von 40 000 überboten.

Spekulationen reichen nun bis zu 55 000 Punkten. Der Nikkei 225 ist geprägt von exportorientierten Konzernen. Die japanische Volkswirtschaft als ganze hat mit dem Höhenflug der Börse wenig zu tun. Derzeit befindet sich das ostasiatische Land nahe einer Rezession. Bei stagnierenden Löhnen macht sich schon die mit rund zwei Prozent noch vergleichsweise niedrige Inflationsrate in deutlichen Reallohnverlusten bemerkbar. Und ein größeres Wachstum in der Realwirtschaft ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil der seit Jahrzehnten alternden Gesellschaft die Arbeitskräfte ausgehen.

Jahrzehntelange Nullzinspolitik

Auch um dem demografischen Trend entgegenzuwirken, fährt die Zentralbank (BOJ) seit nunmehr gut zwei Jahrzehnten eine radikale Nullzinspolitik, angereichert mit regelmäßigen Staatsanleihekäufen und weiteren Marktinterventionen. Dass die BOJ – anders als die Zentralbanken anderer großer Volkswirtschaften – trotz Nachwehen der Pandemie und dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs ihrer Nullzinspolitik bis jetzt treu geblieben ist, wurde dadurch begründet, dass Japan eben noch nicht die gewünschten Wachstumswerte erreicht habe.

Allerdings könnte dies schon wegen der demografischen Lage des Landes auch in Zukunft schwierig werden – und eine Leitzinserhöhung der Realwirtschaft, die sich über zweieinhalb Jahrzehnte an billiges Geld gewöhnt hat, einen tiefen Schock verpassen. Dies war die Erfahrung ab 1990: Damals erhöhte die BOJ abrupt den Leitzins, nachdem sich über Jahre eine Börsenblase aufgebläht hatte – angefüttert durch eine lange Niedrigzinsphase und großen Appetit von Spekulanten.

Ist der heutige Boom eine neue Blase? Dass die Aktienpreise japanischer Titel nun sinken, zeigt jedenfalls auch, dass der jahrelange Boom nicht zuletzt durch Interventionen der BOJ gefüttert worden ist. Am Montag zeigten Daten, dass die BOJ keine japanischen börsengehandelten Aktienfonds (ETFs) aufgekauft hatte, obwohl der breiter als der Nikkei 225 gestreute Index Topix deutliche Wertverluste zeigte. Zuletzt war die BOJ in solchen Fällen eingeschritten, um einen Kursverfall zu vermeiden. Die BOJ ist über die vergangenen Jahre zur größten Aktionärin am heimischen Markt geworden.

Zuvor hatte BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda verkündet, man werde das weitere Stützen des Marktes durch ETF-Aufkäufe prüfen, sobald das Inflationsziel von zwei Prozent erreicht sei. Nun ist diese Marke zwar erreicht, aber ein Zeichen für Wirtschaftswachstum und Erholung ist sie in Japans Fall nicht gerade.

Nach Schätzungen der Analysefirma Teikoku Databank haben sich 17 Prozent der Betriebe im Land längst daran gewöhnt, Verbindlichkeiten durch billige Schulden zu refinanzieren. Würde diese Praxis plötzlich teurer, stünde demnach eine Viertelmillion Betriebe vor der Pleite. Die BOJ wird sich daher wohl nur sehr langsam von der Nullzinspolitik verabschieden - und japanische Aktien dürften weiter hoch bewertet bleiben.

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