Audi-Bilanz im Sturzflug: Die Hintergründe der Halbjahres-Zahlen 2025
VonPatrick Freiwah
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Bei Audi brechen die Gewinne weg, die Erwartungen für 2025 wurden gedämpft. Doch was bedingt die schlechten Zahlen – und kehrt der Konzern auf den Erfolgskurs zurück?
Ingolstadt/München - Noch vor wenigen Jahren schien für Audi alles auf Kurs zu laufen. Doch mittlerweile ist die Stimmung in Ingolstadt angespannt: Bereits zum dritten Mal in Folge fällt 2025 das erste Halbjahr deutlich schlechter aus als im jeweiligen Vorjahr. Das liegt nicht nur an äußeren Einflüssen wie Zöllen, sondern auch an tiefgreifenden Veränderungen im Unternehmen selbst.
Zölle belasten bei Audi das Geschäft – USA als Kostenfalle
Ein besonders schwerer Brocken für Audi waren die Zölle, die US-Präsident Donald Trump im Frühjahr für Einfuhren aus Deutschland deutlich erhöht hat. Weil Audi – anders als die Erzrivalen BMW und Mercedes – kein eigenes Werk in den USA betreibt, trifft der Zollaufschlag die Ingolstädter besonders hart. Allein im ersten Halbjahr 2025 kosteten die neuen Zölle nach Unternehmensangaben rund 600 Millionen Euro.
Bisher habe Audi diese Mehrkosten nicht an die US-Kunden weitergegeben – ein teures Unterfangen, das das Unternehmen nun wohl überdenkt: Finanzchef Jürgen Rittersberger spricht laut Reuters und der Deutschen Presse-Agentur (dpa) davon, den richtigen Kompromiss zwischen Preis und Volumen zu finden.
Audi-Gewinn schrumpft erneut: Umbau kostet – aber bringt Hoffnung
Neben den Trump-Zöllen drücken auch die Kosten für den großen Konzernumbau auf das Ergebnis: Audi hatte im Frühjahr angekündigt, bis 2029 rund 7500 Stellen in Deutschland abzubauen. Dafür wurden bereits Rückstellungen gebildet, die das Ergebnis im ersten Halbjahr mit weiteren 600 Millionen Euro belasteten. Immerhin: Erste positive Effekte der sogenannten Zukunftsvereinbarung konnten die Hälfte dieser Belastung wieder ausgleichen.
Rittersberger betont, wie wichtig die Transformation für die kriselnde VW-Tochter sei – und dass man hier „mit Vollgas“ weitermachen müsse. Das Ziel: Mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr einsparen.
USA und China: Audi büßt Profit auf wichtigen Absatzmärkten ein
Ein weiteres Problemfeld für Audi ist der Absatz, insbesondere in China und den USA. In beiden Märkten läuft es derzeit für viele Autobauer nicht rund. In der Volksrepublik herrscht ein harter Preiskampf, vor allem bei Elektroautos. Audi setzt hier große Hoffnungen auf neue Modelle, die bald auf den Markt kommen sollen.
Die Folge all dieser Herausforderungen: Der Gewinn nach Steuern ist im ersten Halbjahr 2025 auf 1,3 Milliarden Euro eingebrochen – ein Minus von 37,5 Prozent. Noch 2022 lag der Gewinn bei stolzen 4,4 Milliarden Euro. Auch die Prognose für das laufende Jahr wurde nach unten angepasst: Audi rechnet nun mit einem Umsatz von 65 bis 70 Milliarden Euro, 2,5 Milliarden weniger als zuvor erwartet. Die Rendite wird ebenfalls niedriger ausfallen. Immerhin: Die Zolleinigung zwischen EU und USA könnte künftig für etwas mehr Planbarkeit sorgen, auch wenn die Details noch nicht feststehen.
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Krisenstimmung bei Audi: Wer hoch steigt, kann tief fallen
Wie prekär ist die Lage in Ingolstadt tatsächlich? In der Corona-Phase profitierten Hersteller wie Audi von Verknappung infolge der Lieferkettenprobleme, Gewinn und Rendite sprangen deutlich in die Höhe, da die Nachfrage das Angebot überstieg. Gleichzeitig wurde die Produktion gedrosselt und Angestellte in Kurzarbeit geschickt. Der mittlerweile erfolgte Bilanzrückgang schockt also auch aufgrund enttäuschter Erwartungshaltung.
Im ersten Halbjahr brach die Rendite des Audi-Konzerns (mit Bentley, Lamborghini und Ducati) von 6,4 Prozent auf 3,3 Prozent ein. Allein die Marke Audi schaffte nur noch 1,8 Prozent und lag dabei unter der Rendite der lange schwächelnden Kernmarke Volkswagen. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2019, also vor Beginn der Corona-Pandemie, erzielte Audi einen Gewinn vor Steuern von 5,22 Milliarden Euro. Der Umsatz lag bei 55,68 Mrd. und die Umsatzrendite betrug 8,1 Prozent. (PF)