Gewinneinbruch

Audi-Bilanz im Sturzflug: Die Hintergründe der Halbjahres-Zahlen 2025

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Bei Audi brechen die Gewinne weg, die Erwartungen für 2025 wurden gedämpft. Doch was bedingt die schlechten Zahlen – und kehrt der Konzern auf den Erfolgskurs zurück?

Ingolstadt/München - Noch vor wenigen Jahren schien für Audi alles auf Kurs zu laufen. Doch mittlerweile ist die Stimmung in Ingolstadt angespannt: Bereits zum dritten Mal in Folge fällt 2025 das erste Halbjahr deutlich schlechter aus als im jeweiligen Vorjahr. Das liegt nicht nur an äußeren Einflüssen wie Zöllen, sondern auch an tiefgreifenden Veränderungen im Unternehmen selbst.

Zölle belasten bei Audi das Geschäft – USA als Kostenfalle

Ein besonders schwerer Brocken für Audi waren die Zölle, die US-Präsident Donald Trump im Frühjahr für Einfuhren aus Deutschland deutlich erhöht hat. Weil Audi – anders als die Erzrivalen BMW und Mercedes – kein eigenes Werk in den USA betreibt, trifft der Zollaufschlag die Ingolstädter besonders hart. Allein im ersten Halbjahr 2025 kosteten die neuen Zölle nach Unternehmensangaben rund 600 Millionen Euro.

Bisher habe Audi diese Mehrkosten nicht an die US-Kunden weitergegeben – ein teures Unterfangen, das das Unternehmen nun wohl überdenkt: Finanzchef Jürgen Rittersberger spricht laut Reuters und der Deutschen Presse-Agentur (dpa) davon, den richtigen Kompromiss zwischen Preis und Volumen zu finden.

Zug mit Audi-Neuwagen: Mehrere Entwicklungen lassen die Gewinne im Hause Audi schrumpfen.

Audi-Gewinn schrumpft erneut: Umbau kostet – aber bringt Hoffnung

Neben den Trump-Zöllen drücken auch die Kosten für den großen Konzernumbau auf das Ergebnis: Audi hatte im Frühjahr angekündigt, bis 2029 rund 7500 Stellen in Deutschland abzubauen. Dafür wurden bereits Rückstellungen gebildet, die das Ergebnis im ersten Halbjahr mit weiteren 600 Millionen Euro belasteten. Immerhin: Erste positive Effekte der sogenannten Zukunftsvereinbarung konnten die Hälfte dieser Belastung wieder ausgleichen.

Rittersberger betont, wie wichtig die Transformation für die kriselnde VW-Tochter sei – und dass man hier „mit Vollgas“ weitermachen müsse. Das Ziel: Mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr einsparen.

USA und China: Audi büßt Profit auf wichtigen Absatzmärkten ein

Ein weiteres Problemfeld für Audi ist der Absatz, insbesondere in China und den USA. In beiden Märkten läuft es derzeit für viele Autobauer nicht rund. In der Volksrepublik herrscht ein harter Preiskampf, vor allem bei Elektroautos. Audi setzt hier große Hoffnungen auf neue Modelle, die bald auf den Markt kommen sollen.

Die Folge all dieser Herausforderungen: Der Gewinn nach Steuern ist im ersten Halbjahr 2025 auf 1,3 Milliarden Euro eingebrochen – ein Minus von 37,5 Prozent. Noch 2022 lag der Gewinn bei stolzen 4,4 Milliarden Euro. Auch die Prognose für das laufende Jahr wurde nach unten angepasst: Audi rechnet nun mit einem Umsatz von 65 bis 70 Milliarden Euro, 2,5 Milliarden weniger als zuvor erwartet. Die Rendite wird ebenfalls niedriger ausfallen. Immerhin: Die Zolleinigung zwischen EU und USA könnte künftig für etwas mehr Planbarkeit sorgen, auch wenn die Details noch nicht feststehen.

So lange ist das her? Diese 15 Autos feiern 2025 ein rundes Jubiläum

Die vierte Generation des BMW 5er
30 Jahre BMW 5er (E39): Mit einer Neuauflage des BMW 5ers (vierte Generation) konterte der Münchner Autobauer ab 1995 die gleichzeitig erneuerte Mercedes E-Klasse (W210). Die Touring-Version folgte im März 1997, das Sportmodell M5 im Herbst 1998. © BMW
Ein Toyota RAV4
30 Jahre Toyota RAV4: Mit dem Japaner feiert ein früher Vertreter des Kompakt-SUV Jubiläum. Zunächst wurde der RAV4 nur als Dreitürer angeboten – die fünftürige Version mit deutlich besserem Platzangebot wurde jedoch bald nachgeschoben. © Heritage Images/Imago
Ein Toyota MR2
40 Jahre Toyota MR2: Noch ein Japaner feiert Geburtstag. Der keilförmige Mittelmotorsportwagen mit Klappscheinwerfern wurde in Frankreich nur als MR bezeichnet. Weil sich „MR2“ dort ausgesprochen nach einem Fäkalwort anhört. © Toyota
Ein VW Polo der ersten Generation
50 Jahre Volkswagen Polo: Noch vor Ford Fiesta und Opel Corsa brachte der erste Polo den modernen deutschen Kleinwagen in Fahrt – dies allerdings als Parallelmodell zum Audi 50. © VW
Fahraufnahme eines Porsche 924
50 Jahre Porsche 924: Nachfolger des VW-Porsche 914 und Auftakt zu einer Serie erfolgreicher Sportwagen in Transaxle-Bauweise. Wegen seiner vom Volkswagen-Konzern stammenden Teile wurde er oftmals nicht als vollwertiger Porsche angesehen. Spötter bezeichneten das Modell auch als „Hausfrauenporsche“. © Porsche
Ein AMC Pacer
50 Jahre AMC Pacer: Das Design des kompakten Dreitürers darf vorsichtig wohl als „eigenwillig“ bezeichnet werden. Wegen der großen Glasflächen bekam er auch den Spitznamen „rollendes Aquarium“. Ein filmisches Denkmal wurde dem Wagen durch seine Rolle in der Komödie „Wayne‘s World“ (1992) gesetzt. © Dreamstime/Imago
Ein Mercedes W123
50 Jahre Mercedes 200 D bis 280 E (W123): Ein Bestseller mit dem Ruf fast unzerstörbarer Robustheit. Bis zum Januar 1986 liefen fast 2,7 Millionen Fahrzeuge der Baureihe vom Band. © Mercedes
EIn Opel Manta B
50 Jahre Opel Manta B: Nach nur fünf Jahren Bauzeit des Opel Manta A kam 1975 der Opel Manta B auf den Markt. Der hatte einen längeren Radstand und große Rechteck-Scheinwerfer. Das Foto zeigt ein Exemplar aus dem Jahr 1985. Kult-Status erlangte der Opel Manta B durch den Film „Manta, Manta“ (1991) mit Til Schweiger und Tina Ruland in den Hauptrollen. © Sebastian Geisler/Imago
Ein Rallye-Opel-Ascona-B
50 Jahre Opel Ascona B: Und noch ein Opel feiert 2025 einen runden Geburtstag. Rallyechampion Walter Röhrl gewann mit der Mittelklasse-Limousine Opel Ascona B 1982 sogar die Fahrer-Weltmeisterschaft. © Opel
Ein BMW 3er der ersten Generation
50 Jahre BMW 3er (E21): Die kompakte Sportlimousine ersetzte ab 1975 die BMW 02-Typen und avancierte zur bis heute erfolgreichsten Modellreihe des Münchner Autobauers. Das Sportmodell M3 kommt aber erst 1986 mit der nächsten 3er-Generation (E30) auf den Markt. © BMW
Toyota Corolla der 3. Generation
50 Jahre Toyota Corolla (3. Generation): Im März 1975 kam die dritte Corolla-Generation in Deutschland auf den Markt. Mit dem 1,2-Liter-Motor (55 PS) kostete der Corolla damals ab 8.490 D-Mark. © Depositphotos/Imago
Ein Peugeot 403
70 Jahre Peugeot 403: Im Jahr 1955 wurde der Peugeot 403 erstmals in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt. Es war das erste Modell der Franzosen, dass sich mehr als eine Million mal verkaufte. Bekannt wurde die Cabrio-Version des 403 vor allem durch die 1970er-Jahre-Serie Columbo, in der der Hauptdarsteller (Peter Falk) einen solchen Wagen fuhr.  © Pond5 Images/Imago
Ein Fiat 600
70 Jahre Fiat 600: Auf dem Genfer Autosalon 1955 feiert der Fiat „Seicento“ Premiere – noch im selben Jahr startete die Prodktion. Die ersten Modelle – im Gegensatz zum Fahrzeug auf dem Foto – hatten noch sogenannte Selbstmördertüren, die hinten angeschlagen waren. © Depositphotos/Imago
Eine BMW Isetta
70 Jahre BMW Isetta: Im Jahr 1955 startete das Rollermobil BMW Isetta. Das ungewöhnliche Konzept mit der Fronttür ist heute Kult – und findet mit dem elektrischen Microlino sogar eine Art Neuauflage.  © Imagebroker/Imago
Ein Citroën DS
70 Jahre Citroën DS: Auf dem Pariser Salon 1955 feierte die futuristische Limousine ihre Weltpremiere – mit gigantischem Erfolg. Angeblich wurden am ersten Abend nach der Präsentation 12.000 Bestellungen aufgenommen, bis Messeende 80.000 Kaufverträge abgeschlossen. Der Spitzname des damals technisch herausragenden und außergewöhnlich designten Fahrzeugs lautete in Deutschland „die Göttin“. © DS

Krisenstimmung bei Audi: Wer hoch steigt, kann tief fallen

Wie prekär ist die Lage in Ingolstadt tatsächlich? In der Corona-Phase profitierten Hersteller wie Audi von Verknappung infolge der Lieferkettenprobleme, Gewinn und Rendite sprangen deutlich in die Höhe, da die Nachfrage das Angebot überstieg. Gleichzeitig wurde die Produktion gedrosselt und Angestellte in Kurzarbeit geschickt. Der mittlerweile erfolgte Bilanzrückgang schockt also auch aufgrund enttäuschter Erwartungshaltung.

Im ersten Halbjahr brach die Rendite des Audi-Konzerns (mit Bentley, Lamborghini und Ducati) von 6,4 Prozent auf 3,3 Prozent ein. Allein die Marke Audi schaffte nur noch 1,8 Prozent und lag dabei unter der Rendite der lange schwächelnden Kernmarke Volkswagen. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2019, also vor Beginn der Corona-Pandemie, erzielte Audi einen Gewinn vor Steuern von 5,22 Milliarden Euro. Der Umsatz lag bei 55,68 Mrd. und die Umsatzrendite betrug 8,1 Prozent. (PF)

Rubriklistenbild: © Arnulf Hettrichh/Imago

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