Automarkt Deutschland

Audi-Rendite fällt: Wie der Premiumhersteller in der Heimat den Absatz poliert

  • schließen

Daten belegen: Fast jeder zweite Audi landet bei Flottenkunden – gut für den Absatz, schlecht für die Marge. Das Modellangebot wird derweil ausgedünnt.

Ingolstadt/München - Masse statt Marge, Rückschritt statt Wachstum: Während Audi sich lange als innovativer Premiumhersteller mit klarer Elektromission positionierte, zeigt sich nun ein anderes Bild. 

Exklusiv veröffentlichte Marktzahlen offenbaren, dass ein großer Teil der Verkäufe nicht an gut zahlende Privatkunden geht – sondern an margenschwache Abnehmer wie Autovermietungen und Behörden. 

Parallel dazu rückt die VW-Tochter von ihrer einst groß angekündigten Elektrifizierungs-Strategie ab. Aus diesem Mix resultieren beim erfolgsverwöhnten Autobauer sinkende Gewinne und eine unklare Zukunftsstrategie.

Audi-Absatz: Fast jedes zweite Modell landet bei Flottenkunden

Laut Daten der Marktforschungsfirma Dataforce, die dem Handelsblatt vorliegen, wurden im Jahr 2024 über 47 Prozent aller in Deutschland verkauften Audi-Fahrzeuge nicht an Privatkunden ausgeliefert, sondern landeten bei Autovermietern, Behörden oder als sogenannte „künstliche Zulassungen“ in Autohäusern. Sieben Jahre vorher habe dieser Anteil noch unter 40 Prozent gelegen.

Auch die deutschen Premiumrivalen werden herangezogen: Bei BMW betrage der Anteil dieser renditeschwachen Vertriebswege etwa ein Drittel, bei Mercedes lediglich ein Viertel. Vor allem Autovermieter kaufen nur dann in großen Stückzahlen, wenn sie deutliche Rabatte erhalten – ein Geschäft, das sich für Hersteller kaum rechnet.

Ein Absatzkanal bringt Premiummarken Stückzahlen, aber keine Gewinne

Brancheninsider sprechen dem Bericht zufolge vom „orangen Kanal“, wenn große Vermietungs- oder Carsharing-Firmen wie Sixt oder Miles gemeint sind. „Diese Kanäle sind nachlassgetrieben, aber stückzahlträchtig“, wird Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft zitiert. „Wer Volumen benötigt, öffnet diese Ventile.“ 

Schwierige Vorzeichen: Audi-Chef Gernot Döllner soll die Premiummarke und VW-Tochter wieder auf Kurs bringen.

Bei Audi sei diese Praxis besonders auffällig: Seit 2017 ist die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge an Vermieter von 27.000 auf 41.000 gestiegen – obwohl der Gesamtmarkt in diesem Bereich schrumpfte.

Privatkundenanteil bei Audi eingebrochen – ein Viertel Eigenzulassungen

Besonders bedenklich für die Ingolstädter: Der Anteil der Privatkundschaft am Gesamtabsatz ist bei Audi inzwischen offenbar auf nur noch 18 Prozent gefallen. 2024 lieferte das Unternehmen in Deutschland demnach 37.000 Neuwagen an private Halterinnen und Halter aus – fast die Hälfte weniger als noch 2017. Einer der potenziellen Gründe: In den vergangenen Jahren sind auch die Preise für Neuwagen immer weiter gestiegen.

Gleichzeitig entfallen rund 25 Prozent der Verkäufe auf sogenannte Eigenzulassungen der Händler, was kurzfristig den Absatz steigert, langfristig aber keine nachhaltige Nachfrage abbildet. Denn es handelt sich um eine Maßnahme, um den Einbruch bei den Privat-Pkw und im Flottengeschäft abzufedern. Auch Modelle, die Hersteller ihren Mitarbeitenden zur Verfügung stellen, sind hierbei inbegriffen.

Überkapazitäten und Rückbau: Audis Werksstruktur unter Druck

Dabei war das Ziel einst deutlich ambitionierter: Ab 2020 wollte Audi mehr als zwei Millionen Fahrzeuge pro Jahr verkaufen – Ex-CEO Markus Duesmann sprach sogar von drei Millionen Einheiten jährlich. Die Werke wurden entsprechend ausgebaut.

Längst werden die Kapazitäten wieder zurückgefahren: Im Stammwerk Ingolstadt wurden 2024 nur 337.000 Fahrzeuge produziert – bei einer möglichen Kapazität von 450.000. In Neckarsulm lag die Auslastung sogar noch darunter: 135.300 Fahrzeuge liefen vom Band, obwohl 225.000 möglich wären. Das Audi-Werk in Brüssel fiel der Entwicklung bereits zum Opfer und milliardenschwere Personalkürzungen sind geplant.

Ranking: Auf diese Automarken und Modelle fahren Deutsche am meisten ab

Deutschland, das Land der Dichter, Denker und namhafter Automarken. Welche Hersteller liegen in der Gunst des Volkes vorne? Hier kommen die Top Ten sowie die beliebtesten Modelle
Deutschland, das Land der Dichter, Denker und namhafter Automarken. Welche Hersteller liegen in der Gunst des Volkes vorne? Hier kommen die Top Ten sowie die beliebtesten Modelle. © Sven Simon/Imago
Platz zehn der beliebtesten Automarken in Deutschland: Toyota
Platz zehn der beliebtesten Automarken in Deutschland: Toyota mit 87.578 Neuzulassungen. © Thales Antonio/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Toyota Yaris (und Yaris Cross, im Bild) mit 29.985 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Toyota Yaris (und Yaris Cross, im Bild) mit 29.985 Neuzulassungen. © Pond5 Images/Imago
Platz neun der beliebtesten Automarken in Deutschland: Hyundai mit 93.839 Neuzulassungen
Platz neun der beliebtesten Automarken in Deutschland: Hyundai mit 93.839 Neuzulassungen. © NurPhoto/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Hyundai Tucson mit 20.907 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Hyundai Tucson mit 20.907 Neuzulassungen. © Hyundai
Platz acht der beliebtesten Automarken in Deutschland: Ford mit 108.299 Neuzulassungen
Platz acht der beliebtesten Automarken in Deutschland: Ford mit 108.299 Neuzulassungen. © Ford
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Ford Transit Custom mit 22.329 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Ford Transit Custom mit 22.329 Neuzulassungen. © Ford
Platz sieben der beliebtesten Automarken in Deutschland: Opel mit 136.189 Neuzulassungen
Platz sieben der beliebtesten Automarken in Deutschland: Opel mit 136.189 Neuzulassungen. © NurPhoto/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut Kraftfahrt-Bundesamt: Opel Corsa mit 48.581 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut Kraftfahrt-Bundesamt: Opel Corsa mit 48.581 Neuzulassungen. © Opel
Platz sechs der beliebtesten Automarken in Deutschland: Seat mit 162.566 Neuzulassungen
Platz sechs der beliebtesten Automarken in Deutschland: Seat mit 162.566 Neuzulassungen. © NurPhoto/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Seat Leon mit 38.425 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Seat Leon mit 38.425 Neuzulassungen. © Seat
Platz fünf der beliebtesten Automarken in Deutschland: Audi mit 205.862 Neuzulassungen
Platz fünf der beliebtesten Automarken in Deutschland: Audi mit 205.862 Neuzulassungen. © Audi
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Audi A6 mit 37.505 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Audi A6 mit 37.505 Neuzulassungen. © Audi
Platz vier der beliebtesten Automarken in Deutschland: Skoda mit 226.472 Neuzulassungen
Platz vier der beliebtesten Automarken in Deutschland: Skoda mit 226.472 Neuzulassungen. © Skoda
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Skoda Octavia mit 44.890 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Skoda Octavia mit 44.890 Neuzulassungen. © Skoda
Platz drei der beliebtesten Automarken in Deutschland: BMW mit 253.712 Neuzulassungen
Platz drei der beliebtesten Automarken in Deutschland: BMW mit 253.712 Neuzulassungen. © BMW
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: BMW X1 mit 47.143 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: BMW X1 mit 47.143 Neuzulassungen. © BMW
Platz zwei der beliebtesten Automarken in Deutschland: Mercedes-Benz mit 260.415 Neuzulassungen
Platz zwei der beliebtesten Automarken in Deutschland: Mercedes-Benz mit 260.415 Neuzulassungen. © Mercedes-Benz
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Mercedes GLC/GLK mit 37.146 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Mercedes GLC/GLK mit 37.146 Neuzulassungen. © Mercedes-Benz
(Traditionell) Platz eins der beliebtesten Automarken in Deutschland: VW mit 560.796 Neuzulassungen
(Traditionell) Platz eins der beliebtesten Automarken in Deutschland: VW mit 560.796 Neuzulassungen. © Volkswagen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: VW Golf mit 85.023 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: VW Golf mit 85.023 Neuzulassungen. © Volkswagen

E-Strategie auf dem Prüfstand – neue Modelle sollen Wende bringen

Um wieder mehr Privatkunden zu gewinnen, setzt Audi auch auf neue Modellgenerationen: Nach Verzögerungen sollen der vollelektrische Q6 e-tron, der neue A6 und vor allem der beliebte Q3 helfen, verlorenes Terrain zurückzuerobern. Letzterer wurde gerade erst in dritter Generation vorgestellt und gilt als Hoffnungsträger im Volumensegment.

Auch strategisch stellte Audi vieles infrage: Der Plan, ab 2026 nur noch neue E-Autos auf den Markt zu bringen und die Produktion von Verbrennern bis 2033 zu beenden, gilt nicht mehr. CEO Gernot Döllner bestätigte gegenüber dem Magazin Autocar, dass Verbrenner nun „über die in der Vergangenheit kommunizierten Enddaten hinaus“ gebaut werden – womöglich bis 2035 oder länger. 

Zugleich werde die Modellpalette gestrafft: A1 und Q2 werden den Angaben zufolge nicht neu aufgelegt, A3 und Q3 bilden künftig den Einstieg. Oben schließen Q7, Q8 und ein möglicher Q9 das SUV-Segment ab. (PF)

Rubriklistenbild: © Audi

Kommentare