VonKlaus Ehringfeldschließen
Trump schiebt die angekündigten Zölle bis mindestens April auf. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum zeigt sich erleichtert. Auch deutsche Firmen profitieren.
Mexiko-Stadt – Mexikos Staatschefin Claudia Sheinbaum hat in einem Telefonat mit ihrem US-Kollegen Donald Trump am Donnerstag (Ortszeit) ein zweites Mal in diesem Jahr erreicht, dass die angekündigten Strafzölle von 25 Prozent auf in ihrem Land hergestellte Waren für einen Monat ausgesetzt werden. Mindestens bis Anfang April werden keine Sonderabgaben auf die Produkte erhoben.
Trump verschiebt Zölle auf waren aus Mexiko erneut
Am Mittag schrieb Trump auf seinem Netzwerk „Truth Social“, dass Mexiko vorerst bis zum 2. April von den Zöllen befreit sei. Mexiko liefert über 80 Prozent seiner Exporte an den nördlichen Nachbarn – vornehmlich Autos und Autoteile sowie Haushaltswaren. Die USA tätigen ihrerseits mehr als 15 Prozent ihrer Einkäufe in Mexiko. Für beide Seiten ist der jeweils andere Nachbar der wichtigste und größte Handelspartner. Sie tauschen im Jahr Waren im Wert von rund 740 Milliarden Dollar aus.
„Nachdem ich mit der mexikanischen Präsidentin gesprochen habe, habe ich zugestimmt, dass Mexiko keine Zölle auf alles zahlen muss, was unter das USMCA-Abkommen fällt“, sagte er. Sheinbaum ergänzte, sie habe ein „ausgezeichnetes und respektvolles“ Gespräch mit Trump geführt und fügte hinzu, dass die beiden Länder zusammenarbeiten würden, um den Fluss des synthetischen Opioids Fentanyl von Mexiko in die USA und den Waffenhandel in die Gegenrichtung einzudämmen.
Trumps Aufschub der Zölle auf Importe aus Mexiko ist auch positiv für deutsche Unternehmen
Die erneute Aussetzung der Zölle ist eine ausgezeichnete Nachricht für die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas, die fast vollständig von den USA abhängig ist. Und es ist auch eine große Erleichterung für die 2100 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung im Land, die vor allem für den US-Markt produzieren oder zuliefern. Von den Sonderabgaben wären in erster Linie die Automobil- und die Zulieferindustrie betroffen. Nahezu jeder große deutsche Autobauer ist mit Werken in Mexiko vertreten.
Die Stornierung der Zölle ist aber auch ein Sieg für die mexikanische Linkspräsidentin. Sheinbaum hatte überraschend nach der Verhängung der Strafzölle am Dienstag zunächst abgewartet und für Donnerstag ein Telefonat mit Trump angekündigt. Erst am Sonntag sollten Gegenmaßnahmen verkündet werden. Die sind vorläufig vom Tisch. Ähnliches war ihr bereits im Februar gelungen. Die Reaktionen im Land waren umgehend. Der mexikanische Peso wertete einen halben Prozentpunkt auf, und der IPC-Index der mexikanischen Börse stieg leicht um 0,2 Prozent.
Trump sieht Zoll-Aufschub als „Form des Entgegenkommens“ und Respekt an
Die neue Verschiebung sei „als eine Form des Entgegenkommens und aus Respekt vor Präsidentin Sheinbaum“ beschlossen worden, begründete Trump seine Entscheidung. „Unsere Beziehungen sind sehr gut, und wir arbeiten gemeinsam hart an der Grenze, um illegale Einwanderer an der Einreise in die USA zu hindern und den Fentanyl-Handel zu stoppen.“
„Praktisch der gesamte Handel, den wir mit den Vereinigten Staaten haben, findet im Rahmen des USMCA-Abkommens statt“, unterstrich Sheinbaum sichtlich erleichtert nach dem Telefonat. Sie sagte, dass der Handel mit Fentanyl von Januar bis Februar um 41,5 Prozent zurückgegangen sei. „Wir mögen in einigen Fragen unterschiedlicher Meinung sein, aber wir haben Präsident Trump immer mit Respekt behandelt und er hat uns immer mit Respekt behandelt“, sagte sie.
Erst 2020, während der ersten Amtszeit von Donald Trump, hatte der US-Präsident mit Druck erreicht, dass die seit 1994 existierende Nordamerikanische Freihandelszone (früher NAFTA, jetzt USMCA) erheblich modifiziert wurde und günstigere Konditionen für die US-Unternehmen erreicht.
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