Umweltorganisation rechnet vor

Ausschließlich elektrisch? EU-Gesetz könnte Firmenwagen revolutionieren und Verkauf ankurbeln

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Ein Umweltschutzverband drängt die EU, Regulierungen für Firmenfahrzeugflotten einzuführen - dies könnte einen Verkaufsboom auslösen.

München – Die Nachfrage für Elektroautos war zuletzt schleppend. Die Umweltorganisation Transport and Environment (T&E, Verkehr und Umwelt) fordert nun europäische Vorgaben für einen Elektro-Anteil an großen Dienstwagenflotten. „Ab 2030 sollten in Flotten mit über 100 Autos nur noch vollelektrische Firmenwagen neu zugelassen werden“, heißt es in einem Papier der Umweltorganisation, das der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag (6. Januar 2025) vorlag.

Ein EU-Gesetz zur Elektrifizierung von Firmenflotten könnte den deutschen und europäischen Autoherstellern bis 2030 die Nachfrage nach über zwei Millionen E-Autos sichern, so eine neue Analyse der Organisation.

Gesteigerte Nachfrage durch EU-Vorgaben? Umweltorganisation hat konkreten Plan

Dies könnte laut der Organisation zu deutlich gesteigerter Nachfrage führen. BMW verkauft den Angaben zufolge mehr als 70 Prozent seiner Neuwagen an Firmen, bei VW und Mercedes werden demnach rund zwei Drittel der Neufahrzeuge als Dienstwagen zugelassen. Private Haushalte oder mittelständische Unternehmen mit weniger als 100 Dienstwagen wären von den Vorschlägen nicht betroffen.

Ein E-Auto des Herstellers Tesla an einer Ladesäule in München

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat für Anfang März einen Aktionsplan für die europäische Autoindustrie angekündigt. Bei den drohenden Strafzahlungen wegen verfehlter Grenzwerte hatte sie den Herstellern bereits „Flexibilität“ zugesagt. T&E beteiligt sich auch an einem sogenannten strategischen Dialog der EU-Kommission mit Autobauern, Zulieferern, Arbeitnehmervertretern und Umweltorganisationen.

Elektroautos für Klimaziele der EU von entscheidender Bedeutung

Um die Klimaziele der EU zu erreichen, sind die Autobauer auf den Absatz von Elektroautos angewiesen. Bis 2035 sinken schrittweise die sogenannten Flottengrenzwerte. Das sind Vorgaben für die Hersteller, wie viel Kohlendioxid die von ihnen produzierten Neuwagen im Schnitt höchstens ausstoßen dürfen, Elektroautos gelten dabei als emissionsfrei. Halten sie die Grenzwerte nicht ein, drohen den Autobauern hohe Bußgelder.

Die Vorgabe für Dienstwagenflotten soll nun laut der Umweltorganisation die „naheliegende“ Lösung sein. „Die Industrie klagt weiterhin darüber, dass deutsche Hersteller durch mangelnde Nachfrage die Flottengrenzwerte nicht einhalten können“, erklärte die T&E-Referentin für Elektromobilität, Susanne Goetz. Die Umweltorganisation geht davon aus, dass Dienstwagen den Herstellern „knapp die Hälfte ihrer E-Auto-Verkäufe sichern“ könnten.

Gebrauchte Elektroautos könnten in den Privatmarkt übergehen

Doch nicht nur Firmen könnten durch die Vorgabe zukünftig häufiger elektrisch unterwegs sein: Weil Unternehmen ihre Fahrzeuge in der Regel nur wenige Jahre halten, könnten nach Einschätzung von T&E schon bald zahlreiche Elektroautos auf dem Gebrauchtwagenmarkt an private Käuferinnen und Käufer gehen. „Die meisten Menschen kaufen gebraucht, und das sind ehemalige Firmenwagen“, sagte Goetz der Nachrichtenagentur AFP.

Top 10: Die zehn beliebtesten Autos der Deutschen

Ein VW Polo
Platz 10 – VW Polo: Der VW-Konzern dominiert die Neuzulassungs-Statistik des Jahres 2024. Los geht es auf Platz 10 mit dem Polo: 36.757 Exemplare des Kleinwagens wurden in Deutschland verkauft. © VW
Ein Seat Leon
Platz 9 – Seat Leon: Der Leon trägt zwar kein VW-Emblem im Grill – zum Konzern gehört die Marke dennoch. Mit 37.129 Neuzulassungen konnte sich der Seat den 9. Platz in der Jahres-Statistik sichern. © Seat
Ein BMW X1
Platz 8 – BMW X1: In die Top 10 haben es nur wenige Fahrzeuge geschafft, die nicht aus dem VW-Konzern stammen. Der BMW X1 ist eines davon. 37.154 Neuzulassungen reichten für Platz 8. © BMW
Ein Opel Corsa
Platz 7 – Opel Corsa: Im Vorjahr noch auf Platz 4, ging es für den Corsa nach unten. Im Jahr 2024 reichten 43.467 Neuzulassungen aber immer noch für den 7. Platz. © Opel
Ein Opel Astra
Platz 6 – Opel Astra: Und gleich noch ein Opel. Mit 47.601 Neuzulassungen schaffte es der Astra auf Rang 6 in der Jahres-Statistik. © Opel
Ein VW Passat
Platz 5 – VW Passat: Und schon wieder VW. Platz 5 im Jahres-Ranking 2024 sicherte sich der Passat – mit 47.720 Neuzulassungen.  © VW
Ein Skoda Octavia
Platz 4 – Skoda Octavia: Ein großer Sprung für den Octavia: Im vergangenen Jahr lag er noch auf Platz 10. Im Jahr 2024 reichen 50.817 Neuzulassungen für den vierten Platz im Neuzulassungs-Ranking. © Skoda
Ein VW Tiguan
Platz 3 – VW Tiguan: Die Top 3 belegen ausschließlich Modelle der Marke Volkswagen. Auf dem dritten Platz landete der Tiguan mit 67.057 Neuzulassungen im Jahr 2024. © VW
Ein VW T-Roc
Platz 2 – VW T-Roc: Auch den zweiten Platz bei den meistverkauften Autos in Deutschland sicherte sich ein VW. Vom VW T-Roc wurden 75.398 Modelle neu zugelassen. © VW
Fahraufnahme eines VW Golf
Platz 1 – VW Golf: Die ewige Nummer eins stand auch im Jahr 2024 wieder an der Spitze der Neuzulassungen in Deutschland. 100.183 Golf-Modelle wurden neu zugelassen. © VW

Goetz blickt in einem Statement auf der Website der Organisation auch auf die nächste Bundestagswahl voraus: „Die nächste Bundesregierung wird sich entscheiden müssen: Entweder sie engagiert sich für eine sichere und international wettbewerbsfähige Automobilindustrie, indem sie die E-Mobilität stärkt. Oder sie lässt noch ein letztes Aufbäumen der Verbrennertechnologie von gestern zu und verbaut der Industrie damit jegliche Zukunftsperspektiven.“ (cgsc mit afp)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Wolfgang Maria Weber

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