Konkurrenzkampf

E-Autos, Neue Klasse und China: „Niemand sollte BMW unterschätzen“

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BMW befindet sich in turbulenten Zeiten der Autoindustrie. Aufsichtsratschef Reithofer erklärt, wie die E-Auto-Generation Neue Klasse zum Erfolgsgarant werden soll.

München - Nach zwei Amtszeiten und zehn Jahren an der Spitze des BMW-Aufsichtsrats wird Norbert Reithofer 2025 in den Ruhestand gehen. Der 68-Jährige, der den bayerischen Automobilhersteller durch Höhen und Tiefen geführt hat, spricht in einem Interview über die großen Herausforderungen der Branche und die Zukunft von BMW.

Ein zentrales Thema: die Elektro-Generation „Neue Klasse“, die ab dem kommenden Jahr vom Band rollt und den Premiumhersteller bereit für das neue Zeitalter der E-Mobilität machen soll.

BMW und die Neue Klasse: „Werden in China sehr konkurrenzfähig sein“

China war über Jahre hinweg ein starker Wachstumsmotor. Doch wie andere deutsche Autobauer verzeichnet BMW in der Volksrepublik einen Rückgang der Verkaufszahlen. Reithofer sieht in der neuen „Neuen Klasse“ die große Chance, diesen Trend umzukehren. „Ich sage Ihnen: Mit der Neuen Klasse (...) werden wir auch in China sehr konkurrenzfähig sein. Technologisch machen wir einen großen Sprung nach vorn“, erklärt der 68-Jährige dem Manager Magazin. Neben dem E-Antrieb mit Batterie hält er diesbezüglich das Bordnetz und das Bedienkonzept für entscheidend.

Die Fahrzeuge sollen technologisch auf Augenhöhe mit der Konkurrenz aus China sein und in Sachen Kosten wettbewerbsfähig. Auch bei der Profitabilität der E-Mobilität werde die neue Elektroauto-Generation „einen Sprung ermöglichen“. Über 50 Prozent des Pkw-Absatzes in China sind bereits E-Fahrzeuge oder Plug-in-Hybride. Neben der Volksrepublik will BMW auch in anderen Märkten Asiens sowie Nordamerika punkten und Tesla und Co. die Stirn bieten.

BMW-Showcar auf einer Automesse in China: Mit der Elektro-Generation „Neue Klasse“ wollen die Münchner im Reich der Mitte angreifen (Symbolbild).

BMW und der Absatzrückgang: Parallelen zur Finanzkrise

Reithofer, der BMW bereits während der Finanzkrise 2008 und 2009 als Vorstandsvorsitzender leitete, erkennt Parallelen zur heutigen Lage in der Autoindustrie: Auch damals hätte sich der Konzern tiefgreifenden Veränderungen stellen müssen. Allerdings unterscheidet sich die jetzige Krise, die auch BMW trifft, in einem wesentlichen Punkt.

Neue Marktteilnehmer wie BYD aus China setzen die etablierten Hersteller mit großem Know-how im Bereich E-Mobilität unter Druck. Zudem spielt die traditionelle Motorentechnik eine immer kleinere Rolle, was renommierte Größen wie BMW, Volkswagen oder auch Mercedes-Benz zusätzlich herausfordert.

Ein Lob gibt es vom langjährigen BMW-Manager für Chinas größten Technologiekonzern: „BYD hat in seinem Preissegment ein sehr beachtliches Produktangebot. Das war schon bei der IAA 2023 in München zu erkennen.“

BMW-Aufsichtsratschef Reithofer über Wettbewerb, Regulierung und Handelskonflikte

Norbert Reithofer warnt in dem Gespräch vor einer Eskalation der Handelskonflikte zwischen den USA und China. Viele wichtige Rohstoffe und Batteriezellen stammen aus Asien und eine lokale Produktion ist unausweichlich. „Wer in den USA wie in China erfolgreich sein will, der muss auch im jeweiligen Land produzieren und sich mit den lokalen Gegebenheiten auseinandersetzen“, führt Reithofer aus.

Ex-Vorstandschef Norbert Reithofer ist seit Frühsommer 2015 der Aufsichtsratschef von BMW.

Gleichzeitig kritisiert er im Manager Magazin die ausufernde Regulierung in der EU. Statt übermäßige Bürokratie zu schaffen, plädiert Reithofer für pragmatischere Lösungen. Auch das geplante Verbrenner-Aus ab 2035 sieht er skeptisch. Statt eine Antriebstechnologie zu verbieten, sollten die Hersteller selbst entscheiden dürfen, wie sie strengere Emissionsgrenzen einhalten. „Es wird in zu viel Extremen gedacht“, meint der Aufsichtsratschef der Münchner.

Elektroautos von BMW: Rentabilität der E-Mobilität als Kernthema

Aktuell haben bereits knapp 20 Prozent der neu verkauften BMW-Modelle einen batterieelektrischen Antrieb. Die Rentabilität ist in diesem Segment eine der größten Herausforderungen. Mit der „Neuen Klasse“ will BMW in den globalen Märkten den Sprung an die Spitze schaffen und die Transformation zur Elektromobilität vorantreiben. „Wir haben nie einen Wettbewerber unterschätzt – aber gleichzeitig sollte auch niemand BMW unterschätzen“, lautet die Kampfansage.

Den Fertigungsstandort Deutschland sieht der BMW-Funktionär übrigens nicht gefährdet: Obwohl BMW die Produktion hierzulande zurückgefahren hat, betont Reithofer die Bedeutung der Heimat. Das neue BMW-Werk in Debrecen (Ungarn) sei wichtig, um die Wachstumsambitionen des Unternehmens zu erfüllen.

Wenn Reithofer abtritt, soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) Nicolas Peter in den Aufsichtsrat gewählt und danach zu dessen Vorsitzenden ernannt werden. Er war von 2017 bis Mai 2023 Finanzvorstand der Münchner. (PF)

Rubriklistenbild: © VCG/Imago

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