Volkswagen hat offenbar Mühe, die Absatzziele bei Elektroautos einzuhalten. Die Produktion in Emden wird heruntergefahren. Zudem müssen Hunderte Mitarbeiter gehen.
Emden/München - Die Pläne im Bereich E-Mobilität sind bei Volkswagen ambitioniert. In der Realität gibt es bei Europas größtem Autokonzern jedoch Probleme: Aufgrund mangelnder Nachfrage nach Stromern sieht sich VW gezwungen, die Produktion in Emden zurückzuschrauben. Dass es bei der Kernmarke in Wolfsburg beim Absatz Luft nach oben gibt, zeigte sich zuletzt bereits an einer massiven Neuausrichtung. In einem weiteren Schritt drosselt der Konzern die Fertigung im nördlichsten Werk Deutschlands.
VW reduziert Produktion in Emden und spricht von „Kundenzurückhaltung“
Betroffen sind die E-Modelle ID.4 sowie die neue Limousine ID.7, deren Marktstart frühestens Ende 2023 vollzogen wird. „Die Kundenzurückhaltung merken wir in der Elektrowelt ganz vehement“, erklärte Betriebsratschef Manfred Wulff, nachdem zunächst NWZ Online über die Drosselung der VW-Produktion berichtet hatte. Ihm zufolge laufe „etwas schräg“ und die Situation sei „schon dramatisch“. Wie gewohnt soll dagegen die Mittelklasse Passat in Emden montiert werden - jedoch nicht mehr lange.
Konkret werde in den nächsten zwei Wochen bis zu den Werksferien die Spätschicht gestrichen. Darüber hinaus werden die dreiwöchigen Werksferien im Bereich Elektroautos um eine Woche verlängert, so der Bericht. Wulff bestätigte die Vorgänge in Ostfriesland auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Die Kundenzurückhaltung merken wir in der Elektrowelt ganz vehement.“
Der bisherige Absatz von E-Autos befinde sich bei Volkswagen angeblich etwa 30 Prozent unter den Erwartungen, dennoch werden am Gesamtmarkt elektrifizierte Fahrzeuge immer beliebter. Mit dem Herabsenken der Fertigung geht dem Vernehmen nach eine Veränderung einher, welche die 1500 beschäftigten Leiharbeiter in Emden betrifft: So hat das Management entschieden, dass rund 300 Betroffene ab August nicht weiterbeschäftigt werden.
Mittlerweile schlagen auch VW-Händler Alarm. Gegenüber der Nordwest-Zeitung nahm zudem VW-Sprecherin Indra van Schwartzenberg Stellung und zeigte sich zuversichtlich, dass die Auslastung in der Seehafenstadt mit dem Produktionsstart des elektrischen VW ID.7 wieder anziehen werde.
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Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) appelliert angesichts der Entwicklung im Hause VW, neue Kaufanreize für E-Autos zu setzen. Zu den möglichen Instrumenten gehört die Senkung der Mehrwertsteuer beim Autokauf.
Derweil gelingt VW offenbar ein Durchbruch bei der Entwicklung: Das E-Auto für unter 20.000 Euro bahnt sich an. (PF)