Bahn

Bahn: Lokführergewerkschaft GDL will mehr Geld

+
Warnstreiks der GDL drohen frühestens im November.
  • schließen

Vor der Tarifrunde im Herbst fordert die Lokführergewerkschaft ein Lohnplus von 555 Euro – und gründet eine Genossenschaft.

Unzählige Verhandlungstermine, mehrere Streiks und Tausende gestrandete Reisende: Seit mehreren Monaten verhandelt die Deutsche Bahn mit der Gewerkschaft EVG über einen neuen Tarifvertrag – bislang ohne Erfolg. Nun tritt ein dritter Akteur auf: die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), traditionell ein Konkurrent der deutlich größeren EVG.

Ihre Tarifrunde beginnt zwar erst im Herbst, aber schon an diesem Montag legte die GDL ihr Forderungspaket vor. Die zentrale Forderung: mehr Geld. Um 555 Euro sollen die Löhne der Beschäftigten steigen. „Es bedarf schnellstmöglich einer deutlichen Verbesserung der materiellen und immateriellen Arbeits- und Lebensbedingungen der Eisenbahner“, sagte der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky laut Mitteilung.

Mehr Geld – angesichts der hohen Inflation war diese Forderung für viele Beobachterinnen und Beobachter keine Überraschung. Unerwartet kam dagegen eine Ankündigung zusätzlich zur Bekanntgabe der Tarifforderungen: Die GDL hat nach eigenen Angaben die Genossenschaft „Fair Train“ gegründet. „Die Eisenbahner nehmen ihr Schicksal in Zukunft schrittweise in die eigenen Hände“, sagte Weselsky.

Lokführergewerkschaft GDL präsentiert Forderungen

In der Genossenschaft sollen sich Lokführerinnen und Lokführer zusammenschließen und ihre Arbeitsleistung den Bahnunternehmen zur Verfügung stellen. Die daraus resultierenden Gewinne sollen, so die Idee der GDL, dann an die Genossenschaftsmitglieder zurückfließen, „anstatt zuzuschauen, wie sich die Vorstände der DB AG die Taschen füllen“.

Damit reagiert die GDL auf den Fachkräftemangel. Die Genossenschaft soll für attraktive Arbeitsbedingungen sorgen und Menschen für die Arbeit auf der Schiene begeistern. „Als Personaldienstleister im Genossenschaftsmodell werden wir im Eisenbahnmarkt viele Eisenbahnverkehrsunternehmen als unsere Partner finden, Kooperationen schließen und gleichzeitig den Mitarbeitern attraktive Tarifbedingungen garantieren können“, sagte Weselsky.

Deutsche Bahn: GDL fordert mehr Geld

Zurück zur Tarifrunde: Neben der Lohnerhöhung um 555 Euro fordert die GDL auch eine Erhöhung der Zulagen für Schichtarbeit um 25 Prozent. Gleichzeitig soll die Arbeitszeit sinken von 38 auf 35 Stunden pro Woche für alle Schichtarbeiter:innen – ohne dass der Lohn anteilig sinkt. Außerdem sollen alle Beschäftigten zusätzlich einmalig 3000 Euro bekommen. Die steuerfreie Inflationsausgleichsprämie soll an alle Beschäftigten in vollem Umfang ausgezahlt werden, unabhängig davon, ob man Vollzeit oder Teilzeit arbeitet.

Zwölf Monate soll der Tarifvertrag laufen. Darin ist sich die GDL mit der EVG einig. Die deutlich größere Gewerkschaft verhandelt seit Jahresbeginn mit der Deutschen Bahn und 49 anderen Bahn-Unternehmen. Sie fordert ein Lohnplus von 650 Euro oder zwölf Prozent.

Gewerkschaften GDL und EVG sind Konkurrenten

Zwischen den beiden Gewerkschaften herrscht ein seit Jahren andauernder Konkurrenzkampf. Man stichelt regelmäßig gegeneinander. Die Tarifverträge der EVG gelten für rund 180 000 Beschäftigte der Deutschen Bahn. Bei der GDL sind es nur knapp 8000 Menschen. Als Lokführerinnen und Lokführer können sie den Bahnverkehr allerdings leicht zum Erliegen bringen - ein wichtiges Instrument in Tarifverhandlungen.

Die Gespräche zwischen EVG und Deutscher Bahn laufen in dieser Woche weiter; Details zu Zeitpunkt und Ort des Treffens hielten beide Seiten geheim.

Mit der GDL verhandelt die Bahn erst von November an. Bis dann gilt eine Friedenspflicht. Warnstreiks drohen durch die Lokführer um GDL-Chef Weselsky zunächst also nicht.

Kommentare