Tarifrunde

Bahn legt GDL neues Angebot vor: „Es gibt keinen Grund für mehr Streiks“

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Die Deutsche Bahn macht Gewerkschaft GDL neues Angebot: Beschäftigte sollen Arbeitszeit reduzieren können – bei gleichem Gehalt.

Es ist der nächste Zug im Tarifstreit auf der Schiene: Mit einem neuen Angebot will die Deutsche Bahn die Lokführergewerkschaft GDL zurück an den Verhandlungstisch holen. „Wir wollen eine weitere Eskalation vermeiden“, sagte DB-Personalvorstand Martin Seiler am Freitag (19. Januar), „und reichen der GDL die Hand.“ Und zwar so: In zwei Schritten soll es mehr Geld geben – 4,8 Prozent im August und 5,0 Prozent im April 2025. Außerdem soll eine Inflationsausgleichsprämie von 2850 Euro ausgezahlt werden.

Einen großen Schritt macht die Bahn bei der Frage der Wochenarbeitszeit. Nach dem Vorschlag des Staatskonzerns sollen Lokführer:innen und Zugpersonal von Januar 2026 an die Wahl haben: Entweder bei gleichem Lohn eine Stunde weniger arbeiten pro Woche (die Wochenarbeitszeit sänke also von 38 auf 37 Wochenstunden) oder 2,7 Prozent mehr verdienen. Der Tarifvertrag soll 32 Monate laufen.

„Es gibt keinen Grund mehr für Streiks“, sagte DB-Personalvorstand Seiler. Die GDL müsse endlich wieder verhandeln. Als Termin schlug Seiler den 25. Januar in Berlin vor.

Gewerkschaft GDL will Bahn-Angebot bewerten

Die Lokführergewerkschaft teilte mit, sie werde das Angebot der Bahn bewerten „und danach über das weitere Vorgehen entscheiden“. Sie fordert eine allgemeine Entgelterhöhung um 555 Euro bei einer gleichzeitigen Absenkung der Arbeitszeit auf eine 35-Stunden-Woche. Vor allem bei der Arbeitszeit lagen Bahn und GDL zuletzt weit auseinander.

Ein Lokführer steigt in seinen Führerstand. Die Deutsche Bahn will verhindern, dass die Gewerkschaft GDL erneut streikt. Christoph Soeder/dpa

Der Vorschlag der Bahn zur Arbeitszeit ist insofern neu, als dass die Beschäftigten nun selbst entscheiden könnten, ob sie ihre Arbeitszeit reduzieren. Bislang bedarf es dafür der Zustimmung des Chefs oder der Chefin, außerdem sinkt auch das Gehalt entsprechend. Der späte Start im Jahr 2026 sei notwendig, um sicherzustellen, dass genügend Mitarbeiter:innen an Bord seien, sagte Seiler mit Blick auf den Arbeitskräftemangel.

GDL streikte bereits zwei Mal in Tarifrunde

Zwei Male legte die Gewerkschaft in dieser Tarifrunde den Bahnverkehr bereits lahm: Sie streikte für knapp 24 Stunden im vergangenen Dezember und dann knapp drei Tage im Januar.

Der DB-Manager Seiler kritisierte die Verhandlungstaktik der GDL am Freitag erneut: Die Gewerkschaft habe in dieser Tarifrunde gerade einmal 14 Stunden verhandelt, aber mehr als 120 Stunden gestreikt. „Was für ein Ungleichgewicht“, so Seiler.

GDL-Chef Claus Weselsky: „Es wird länger und härter“

Sein Gegenüber bei der GDL, Claus Weselsky, hatte zuletzt neuerliche Streiks ins Gespräch gebracht. „Es wird länger und härter – das ist die Botschaft“, sagte Weselsky der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten. „Ich glaube nicht, dass ich mir viel Zeit lasse.“ In einen unbefristeten Streik wolle die Gewerkschaft zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht eintreten, „weil wir Verantwortung für das Gesamtsystem sehen und weil wir meinen, dass die Auswirkungen zu groß wären“, sagte Weselsky.

Im Hintergrund streiten GDL und Deutsche Bahn auch vor Gericht: Die Gewerkschaft hatte im vergangenen Sommer eine eigene Genossenschaft gegründet. Fair Train soll der Bahn Lokführer:innen abwerben, die dann – zu besseren Konditionen – an den Staatskonzern zurückverliehen werden. Aus Sicht der Bahn ist die Gewerkschaft damit gleichzeitig auch zum Arbeitgeber geworden. Das will die DB gerichtlich feststellen lassen. Für die GDL könnte das bedeuten, das sie ihre Tariffähigkeit verliert – es wäre ein herber Schlag für die Gewerkschaft und ihrem streitbaren Chef Weselsky. Für den Sachsen ist es die letzte Tarifrunde vor dem Ruhestand.

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