VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Die Banken achten nicht ausreichend auf neue Risiken an den Märkten. Claudia Buch, die neue oberste EZB-Bankenaufseherin, warnt unter anderem vor Cyber-Angriffen. Zugleich nimmt die Zahl der faulen Kredite zu.
Frankfurt am Main – Mit deutlichen Worten warnte die neue EZB-Bankenaufseherin, Claudia Buch, die europäischen Banken. Zwischen gesenkten Wachstumsprognosen, klimabedingten Risiken und immer mehr Cyber-Angriffen müssten sie sich auf deutlich größere konjunkturelle und geopolitische Risiken einstellen. Von kurzzeitigen Trends könne keine Rede sein. Vielmehr gehe es um strukturelle Veränderungen, die „Anpassungen auf Unternehmens- und Branchenebene“ verlangen. Sie sieht mehr Firmeninsolvenzen und Kreditrisiken voraus.
| EZB-Bankenaufseherin | Claudia Buch |
|---|---|
| So viele Großbanken überwacht die EZB | 110 |
| Anteil fauler Kredite in Deutschland | 1,1 Prozent |
Qualitätsverfall bei den Vermögenswerten von Großbanken – Banken müssen auf neue Risiken reagieren
Seit Jahresbeginn leitet die ehemalige Vizepräsidentin der Bundesbank nun die EZB-Bankenaufsicht. Bei ihrer ersten großen Rede in Brüssel warnte sie davor, dass die neuen Risiken „nur unzureichend“ in den Risikomanagement-Prozessen der Finanzinstitute Berücksichtigung fänden. „Entscheidungen der Banken könnten daher auf fehlerhaften oder unvollständigen Informationen beruhen“, sagte sie dazu. Aktuell überwacht die EZB etwa 110 Großbanken innerhalb der Euro-Zone, zum Beispiel die Deutsche Bank und die Commerzbank.
Buch zufolge hat bei den Vermögenswerten der Großbanken ein Qualitätsverfall eingesetzt. Seit 2023 nehme die Zahl der faulen Kredite zu, wenn auch auf niedrigem Niveau. Die Ansätze, die die Banken nutzen, um mit den neuen Risiken umzugehen, reichen laut Buch nicht aus. Darum habe die Aufsicht Verbesserungen verlangt und will prüfen, ob die Banken die neuen Vorgaben umsetzen.
EZB achtet auf notleidende „faule“ Kredite
Ein kurzer Exkurs dazu: Notleidenden Krediten im europäischen Bankensystem vorzubeugen, ist eine der Prioritäten der Zentralbank. Die EZB stuft Kredite dann als notleidend ein, wenn absehbar ist, dass der Kreditnehmer die vereinbarten Raten und Zinsen nicht ordnungsgemäß zahlen kann. Aus diesem Grund haben Banken auf jeden Kredit ein genaues Auge und achten darauf, ob eine Ausfallgefahr absehbar ist. Solange es dem Kreditnehmer finanziell gut geht und er einen festen Job hat, steht nichts zu befürchten.
Laut dem „Risk Dashboard“ der European Banking Authority (EBA) hält sich die Qualität der Kredite in europäischen Banken noch durchaus stabil. Der „sich verschlechternde und unsicherer makroökonomische Ausblick“ habe noch keine direkten Auswirkungen auf Haushalte und Unternehmen. Der Anteil der „faulen Kredite“ (die EBA misst hier über die NPL Ratio, den Anteil der „Non-Performing Loans“) beträgt „stabile“ 1,8 Prozent.
Erste Anzeichen der Verschlechterung erkennbar – Risiko durch faule Kredite
Betroffen sind hier vor allem Griechenland (NPL-Rate 4,1 Prozent), Ungarn (3,1 Prozent), Polen (4,4 Prozent), Spanien (2,8 Prozent) und Portugal (2,8 Prozent). „Es sind einige erste Anzeichen einer Verschlechterung erkennbar, mit höheren Zuflüssen notleidender Kredite zu Beginn des Jahres 2023, insbesondere in Sektoren, die empfindlich auf Konjunkturabschwünge reagieren, wie beispielsweise Immobilienengagements“, heißt es im aktuellen „Risk Dashboard“.
In einer entsprechenden Pressemeldung gibt die EBA an, dass die Banken innerhalb der Eurozone zwar „hochgradig profitabel“ arbeiten, jedoch eine Verschlechterung der Kreditqualität sehen, während die hohen Zinsen die potenziellen Leiher betreffen.
Digitalisierung im Bankensektor – Pannen und Cyber-Angriffe stellen Risiken dar
Weiterhin warnte Claudia Buch vor Risiken im Zuge der Digitalisierung des Bankensektors. Sobald eine Bank unter Druck gerät, könnten Kunden ihre Einlagen heutzutage blitzschnell abziehen – Online-Banking sei Dank. Welche Auswirkungen das auf eine Bank haben kann, zeigte der Fall der Silicon Valley Bank im Frühjahr 2023.
Damals hatten massenhaft Unternehmen ihre Einlagen bei der SVB abgezogen. Innerhalb kürzester Zeit entzogen sie der Bank Milliarden. Der Auszahlungsprozess hatte die SVB zusammenbrechen lassen. „Wir werden uns daher auf die Finanzierungs- und Liquiditätsrisiken in diesem neuen Umfeld konzentrieren, unter anderem durch gezielte Überprüfungen der Finanzierungspläne“, kündigte Buch an.
BaFin warnt vor Cyber-Angriffen im Finanzsektor
Die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistung (BaFin) richtete den Blick zuletzt verstärkt auf digitale Risiken. Cyber-Attacken und IT-Pannen sind mit die größten Risiken für den Finanzsektor. Problematisch dabei sei, dass diese Störungen nicht einmal bei Banken oder Versicherern selbst auftreten müssen. „Die Unternehmen des Finanzsektors müssen resilient sein – gegen finanzielle und operationelle Risiken“, erklärte Mark Branson, BaFin-Präsident, in einer Unternehmensmeldung.
In einigen Bereichen der deutschen Wirtschaft entfalle die IT-Dienstleistung auf einige wenige Firmen, die dafür einen Großteil der Kreditinstitute und Versicherer bedienen. Das bringe deutliche Risiken mit sich. Konkret definierte die BaFin sieben Hauptrisiken für den deutschen Finanzmarkt:
- Signifikante Zinsanstiege
- Korrekturen an den Immobilienmärkten
- Signifikante Korrekturen an den internationalen Finanzmärkten
- Kreditausfall deutscher Unternehmen
- Cyberattacken
- Unzureichende Geldwäscheprävention
- Zu hoch konzentrierte Auslagerung von IT-Dienstleistung
Mit Material von Reuters
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