VonLisa Mayerhoferschließen
Die Zinswende macht es für Banken wieder attraktiv, viele Kunden mit Spareinlagen anzulocken. So werden die Angebote für Verbraucher immer besser – wer zögert, könnte bald das Nachsehen haben.
München – Die Zinswende ist da – auch wenn viele Banken in Deutschland noch zögerlich auf diese Änderung reagieren. Dabei droht ihnen Druck auf allen Seiten. Denn viele Banken verbessern nun ständig ihre Angebote – zudem drängen einem Bericht zufolge auch internationale Schwergewichte auf den Markt. Der Kampf um die Kunden könnte für Verbraucher zu immer attraktiveren Angeboten führen.
Bessere Zinsangebote für Kunden: Banken lassen sich Zeit
Noch gehen aber Sparer bei jeder fünften Bank in Deutschland leer aus – und das noch über ein Jahr nach dem Auftakt der rasanten Zinswende im Euroraum. In einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox von Ende Juli gibt es bei 141 von 738 Geldhäusern auf Tagesgeld nach wie vor Nullzinsen.
Dabei hat die beispiellose Zinswende Spargelder für Banken und Sparkassen wieder attraktiv gemacht. Immer mehr Institute werben mit immer neuen Zinsangeboten um Gelder. Der Durchschnittszins bundesweit verfügbarer Tagesgeldangebote liegt der Verivox-Berechnung zufolge Ende Juli bei 1,31 Prozent. Vor einem Jahr lagen die Zinsen nur knapp über der Nulllinie: bei 0,05 Prozent Anfang August 2022. Festgeld mit zwei Jahren Laufzeit bringt demnach bei bundesweit aktiven Banken im Schnitt derzeit 2,96 Prozent. Das ist fast viermal so viel wie Anfang August 2022 (0,82 Prozent).
Trotzdem lassen sich die Banken bei der Weitergabe der EZB-Zinserhöhungen an Sparer teils mehr Zeit als in der Vergangenheit, wie eine Analyse der Bundesbank zeigt. Verbraucherschützer aus mehreren Bundesländern forderten kürzlich Sparkassen auf, „Einlagen von Verbraucherinnen und Verbrauchern in Höhe der gesetzlichen Einlagensicherung anzunehmen und zu verzinsen“.
Immer mehr Konkurrenz für Banken in Deutschland
Denn vor allem Sparkassen und Volksbanken ziehen bei der Zinswende noch nicht mit, indem sie höhere Zinsangebote für ihre Kunden weitergeben. Das könnte sich aber bald rächen: Laut einer Studie des Beratungsunternehmens EY hat bei vermögenden Kunden die Bereitschaft, den Anbieter zu wechseln, einen neuen Höchstwert erreicht. Auch jüngere Kunden sind wechselwilliger.
Und dabei droht den Banken neue Konkurrenz: Nicht nur gehen Direktbanken wie die ING vermehrt mit besseren Zinsangeboten auf Kundenfang. Auch internationale Schwergewichte drängen auf den deutschen Markt. So startete die französische Großbank BNP in Deutschland mit einer Tochter.
Und in Berlin arbeitet ein Team von JP-Bankern an einer Onlinebank für die Europäische Union arbeiten, berichtet die Wirtschaftswoche. JP Morgan ist die größte Bank der Welt und bisher nur im Investmentbanking und im Geschäft mit Unternehmen sowie Superreichen tätig. Nun soll aber ein neues Angebot der US-Großbank starten: eine Onlinebank für Privatkunden. Wahrscheinlich mit dem Namen Chase, da unter dieser Marke bereits ein Online-Institut in Großbritannien gegen Wettbewerber ins Feld geführt wurde, erklärt die Wirtschaftswoche.
Das Bankengeschäft steht damit vor einer Zäsur: Der Kampf um die Kunden hat begonnen. „Für die Kunden ist das hervorragend, Banking könnte noch günstiger werden“, sagt Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies an der Goethe-Universität Frankfurt, gegenüber dem Magazin.
Mit Material der dpa
