Plan B Rüstung?

Batteriefabrik-Aus bei Porsche: Folgt Neuausrichtung auf Rüstung?

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Porsche beendet die Aktivitäten seines Tochterunternehmens Cellforce fast vollständig - es soll nicht einmal mehr einen Batterie-Prototypen geben.

Stuttgart - Im baden-württembergischen Kirchentellinsfurt soll das Batterie-Tochterunternehmen von Porsche, Cellforce, weitgehend geschlossen werden. Nach Plänen, sogar eine Giga-Fabrik mit einem Potential von Batterien für 200.000 Autos in einer 20 Gigawattstunden-Fabrik erichten zu wollen, bleibt nun nur noch eine kleine Forschungsabteilung mit unter 100 Mitarbeitern.

Der Reutlinger Oberbürgermeister schlägt, gemeinsam mit Lokalpolitikern und der IHK Baden-Württemberg nun Alarm bei der Bundesregierung und Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU). Man wolle eine Abwanderung der Zukunftstechnologie ins Ausland verhindern und fordert Unterstützung für die angezählte Porsche-Tochter. Auch die 200 von Entlassung bedrohten Mitarbeiter seien schockiert und hätten bis Mittwoch gedacht, in einem aufstrebenden, zukunftsträchtigen Unternehmensbereich zu arbeiten, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt.

Autobauer Porsche verliert in der Krise an Glanz - und will den nun statt durch Batterien durch Rüstung aufpolieren

Porsche behält nur kleine Forschungsabteilung - Kretschmann nach Fördergeldern im Gespräch mit Blume

Übrig bliebe am Sitz von Cellforce im schwäbischen Kirchentellinsfurt allenfalls eine kleine Einheit für Forschung und Entwicklung, auch der Prototyp der neuen Spezialbatterie soll nicht mehr gebaut werden, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Groß waren einst die Pläne: Porsche sollte eine eigene Batterieproduktion mit hochleistungsfähiger Technik bekommen. Es gab Pläne für eine Fabrik in den USA oder eine in Tübingen. Die gesamte Idee wurde von der grünen Landesregierung mit einem zweistelligen Millionenbetrag gefördert.

Unklar ist, was genau besprochen wurde und ob Rückzahlungen fällig werden - aber es gab wohl am Mittwoch bereits Gespräche zwischen Porsche-Chef Oliver Blume und Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Diese wurden von beiden Seiten nicht kommentiert. Ebenso wenig ist bekannt, wie viele Steuergelder bereits geflossen sind. . Die Abschreibungen auf die Produktionsanlagen der Cellforce kosten Porsche dem Bericht zufolge 295 Millionen Euro. 

Porsche wollte Elektro-Vorreiter werden - und geht jetzt wohl in die Rüstungsindustrie

Schon länger steckt Porsche tief in der allgemeinen Krise der europäischen Autobauer. Bereits Ende April hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass man die Batteriezelltochter nicht eigenständig weiterführen wolle. Zuletzt wurde noch nach Investoren gesucht. Wie der Spiegel weiter berichtete, waren Anfang August Emissäre von BMW in Kirchentellinsfurt. Auch Rüstungsunternehmen sollen sich für die Teile von Cellforce interessieren, um Batterien für Militärdrohnen zu entwickeln.

Bereits Mitte 2025 war bekannt geworden, dass sich Porsche und sein Mutterkonzern auch in einer anderen Branche umschauen und bestehende Kontakte intensivieren, neue Kontakte anbahnen: Porsche will auch von den Investitionen in Aufrüstung profitieren. Unter anderem soll die Porsche SE planen, wohlhabendste Unternehmerfamilien auf einer Rüstungs-Investitionsplattform zusammenzubringen. (dpa/kat)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

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