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Wegen der steigenden Gaspreise erwägen Garten- und Baumärkte Schließungen oder eingeschränkte Öffnungszeiten im Winter. Aber auch andere Maßnahmen.
Köln – In ganz Deutschland steigen derzeit die Gaspreise rapide an. Nicht nur Verbraucher, sondern auch viele Unternehmen, machen sich deshalb Gedanken, wie im Herbst und Winter möglichst viel Gas gespart werden kann. Während einige Energie-Unternehmen durch die Gas-Umlage finanziell unterstützt werden, müssen anderen Branchen die Mehrkosten selbst zahlen. Bei Gartencentern und Baumärkten könnte das drastische Folgen haben: Einige erwägen im Winter eingeschränkte Öffnungszeiten oder Schließungen. 24RHEIN hat mit dem zuständigen Verband sowie einigen Unternehmen über die Maßnahmen gesprochen.
Garten- und Baumärkte prüfen Schließungen im Winter – wegen mangelnder Einnahmen
Die Umsätze der Garten- und Baumarkt-Branche sind teilweise stark von der Jahreszeit abhängig. Gerade im Winter fallen die Einnahmen geringer aus. Da wegen der Gaskrise die Kosten dieses und nächsten Jahres für viele Geschäfte zu hoch auszufallen könnten, erwägen diese nun erhebliche Maßnahmen. Einige Garten- und Baumärkte würden „punktuelle und temporäre (stunden- oder tageweise) Schließungen bestimmter Standort(-teile)“ derzeit prüfen, sagte der zuständige Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) im Gespräch mit 24RHEIN.
BHB-Geschäftsführer Peter Wüst hatte der Lebensmittelzeitung erklärt: „Ich weiß von Gartencenterbetreibern, die jetzt überlegen, ob sie den ganzen Januar schließen“. Laut dem Branchen-Vertreter würden aber auch Baumärkte größere Einschränkungen prüfen: „Natürlich stellt sich im Baumarktbereich die Frage, ob die langen Öffnungszeiten nicht reduziert werden – je nach Witterung.“
Bei Baumärkten wird zwar auch im Winter viel anderes wie Werkzeuge, Farbe oder Baumaterial verkauft, jedoch haben diese meist auch eine sehr große Pflanzen-Abteilung. Laut Wüst würden einige Baumarkt-Händler deshalb erwägen, diese Bereiche im Januar und Februar zu schließen. Denn sowohl in Gartencentern als auch Baumärkten werden teilweise Produkte und Pflanzen verkauft, die höhere Temperaturen benötigen.
Schließungen wegen Gaskrise? Nicht für alle Garten- und Baumärkten eine Option
Gegenüber 24RHEIN ordnete der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) die Aussagen noch etwas konkreter ein. Die Garten- und Baumärkte hätten teilweise „sehr unterschiedliche vertriebliche Ausrichtungen“, weshalb es auch unterschiedliche Überlegungen gebe, „wie im Handel mit einer eventuellen Verknappung von Gaslieferungen umgegangen werden kann“. Neben den Schließungen oder eingeschränkten Öffnungszeiten würden auch weitere Maßnahmen geprüft. Auch bei Supermärkten und Discountern sind Einschränkungen derzeit ein Thema. Bei mehreren Ketten wurden zuletzt die Frischetheken geschlossen.
Schließungen bei Garten- und Baumärkten: Das sagen Bauhaus, Hornbach und Hagebaumarkt
Für Kunden stellt sich nach dieser Ankündigung jetzt die Frage, welche Gartencenter und Baumärkte tatsächlich Einschränkungen wie Schließungen und kürzere Öffnungszeiten für den Winter 2022 auf 2023 planen. 24RHEIN hat bei einigen Unternehmen wie Bauhaus, Hornbach und Hagebaumarkt nachgefragt. Der Konsens: Wirkliche Schließungen sind bei ihnen zwar nicht geplant, dafür aber andere Maßnahmen:
- Bei Bauhaus ist von einer Schließung oder Teilschließung einzelner Filialen „keine Rede“, wie das Unternehmen gegenüber 24RHEIN erklärte. Man möchte trotz der „herausfordernden Lage“ den Kunden weiterhin ein „vollumfängliches und uneingeschränktes Einkaufserlebnis in den Fachcentren“ bieten. Jedoch beschäftigt sich Bauhaus bereits mit anderen Energiespar-Möglichkeiten. Unter anderem nannte das Unternehmen die Option, die Raumtemperatur in den Märkten „im vertretbaren Maß zu senken bzw. mobile Heizalternativen einzusetzen.“
- Auch bei Hornbach sind keine Schließungen oder reduzierten Öffnungszeiten geplant, sagte eine Sprecherin zu 24RHEIN. Dafür beschäftigt sich das Unternehmen aber bereits mit anderen Energiesparmaßnahmen. Unter anderem erwägt man ebenfalls, die Raumtemperaturen „innerhalb von bestimmten Zonen“ der Hornbach-Märkte zu reduzieren. In der Folge sollen unter anderem Dinge wie Zimmerpflanzen, Tierfutter oder Spachtelmasse in „höher beheizten Zonen“ zu bündeln und durch Abdeckungen extra zu schützen. Obendrauf wurde in er Hornbach-Zentralverwaltung bereits die Klimatisierung eingestellt um Gas und Strom zu sparen. Tatsächlich sorgt die Gaskrise aber auch für einen Nachfrage-Boom bei Hornbach: Der Baumarkt verkauft aktuell teils doppelt so viele Brennstoffe und Heizalternativen.
- Etwas zurückhaltender äußerte sich derweil Hagebau. Da es sich bei der Unternehmen um eine Kooperation aus über 300 selbstständigen Gesellschaftern handel, könne man „keine zentralen Maßnahmen zur Energieeinsparung auf der Fläche beschließen“, erklärte eine Sprecherin. Jedoch würden derzeit einige Empfehlungen erarbeitet. Welche das sein könnten, nannte Hagebau nicht. Jedoch wurden Schließungen vorerst ausgeschlossen. „Unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass wir weiter für sie da sind“, sagt das Unternehmen. Denn Baumärkte seien „Grundversorger“.
- Globus Baumarkt erklärte auf Anfrage lediglich, dass man zum Thema Gas-Krisenfall „ein internes Krisen-Team gebildet“ habe. In diesem Zusammenhang hätten auch bereits „Gespräche mit verschiedenen Energieversorgern“ stattgefunden, ergänzte eine Sprecherin von Globus Fachmärkte.
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