- VonYannik Lurzschließen
Besonders wegen der Personalkosten haben die Baupreise weiter zugenommen. Doch der Anstieg fiel so schwach aus wie seit zwei Jahren nicht mehr. Ein Hoffnungsschimmer?
Wiesbaden – Die Baupreise in Deutschland haben sich weiter erhöht. Allerdings verlangsamte sich der Anstieg etwas, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Der Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude verteuerte sich im Mai um 8,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Preistreiber waren etwa Maurerarbeiten (plus 7,4 Prozent) und Dachdeckungsarbeiten (plus 10,8 Prozent). Trotzdem ist das der kleinste Anstieg seit Frühjahr 2021. Im vergangenen Februar hatte es noch einen Zuwachs von 15,1 Prozent gegeben.
Personalkosten treiben Baupreise nach oben
„Einen gewissen Hoffnungsschimmer kann man in den Daten durchaus sehen, aber noch keine wirkliche Entwarnung“, sagte der Ökonom der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Elmar Völker. So hänge die geringere Steigerung wohl mit einem Basiseffekt zusammen: Die Preise werden jetzt mit denen vom Frühjahr 2022 verglichen, als sich infolge des russischen Kriegs gegen die Ukraine viele Rohstoffe und Energie stark verteuert hatten.
Auch könnte die schwächelnde Nachfrage aufgrund vieler Stornierungen infolge gestiegener Material- und Zinskosten dämpfend gewirkt haben. „Die Haupttreiber scheinen jetzt nicht mehr die Material-, sondern die Personalkosten zu sein“, fügte Völker hinzu. Der Fachkräftemangel dürfte in dieser Branche tendenziell die Entspannung bei den Preisen hemmen.
Auch im Wohnungsbau haben die Preise stark angezogen
Das Ifo-Institut erwartet auch wegen stark gestiegener Kosten einen Rückgang im Wohnungsbau. In diesem Jahr dürften lediglich rund 245.000 und 2024 sogar nur 210.000 Wohnungen in neuen Gebäuden fertiggestellt werden, prognostizieren die Münchner Forscher. 2025 dürften es – zusammen mit den übrigen Fertigstellungen – etwa 200.000 Wohneinheiten sein. Das wäre nur halb so viel, wie von der Bundesregierung als Ziel ausgegeben.
„Der wichtigste Grund für den Rückgang ist die erhebliche Verteuerung der Finanzierung und der Bauleistungen“, sagte Ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister. „Gleichzeitig hat der Bund die Neubauförderung drastisch zurückgefahren und die Standards für den Neubau Anfang 2023 abermals verschärft.“ (Reuters, afp, dpa)
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