Wohnungsbau in der Krise

Bauverbandschef schlägt Alarm: „Grünen fehlt Verständnis für das Gesamtsystem“

  • schließen

Die Bundesregierung muss handeln, warnt Bauverbandschef Tim-Oliver Müller. Ohne konkrete Maßnahmen droht eine Entlassungswelle im Wohnungsbau.

Berlin – Der Wohnungsbau in Deutschland stockt. Hohe Materialpreise und gestiegene Zinsen verzögern den Bau der so dringend benötigten Wohnungen. Daher hat Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) nun einen neuen Vorschlag gebracht: „Angesichts des dramatischen Einbruchs bei den Baugenehmigungen und damit verbunden dem Rückgang der Bauinvestitionen in diesem Jahr brauchen Bau- und Immobilienwirtschaft dringend neue Investitionsanreize“, sagte die SPD-Politikerin.

Konkret möchte sie die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten für Neubauten erweitern. Zudem möchten die Grünen die Baubranche mit insgesamt 30 Milliarden Euro unterstützen – doch reicht das?

Bauverbandschef: Bundesregierung muss verlässliche Rahmenbedingungen setzen

Der Chef des Bauverbands, Tim-Oliver Müller, sieht das noch etwas skeptisch. Er sieht die Verunsicherung in der Bevölkerung noch als zu großes Hindernis, um dem Bau den nötigen Schub zu verpassen. „Erst müsste die Bundesregierung sich entscheiden, auf welche Rahmenbedingungen sich Bauherren künftig verlassen können. Stattdessen ist heute schon die Rede davon, dass die nächste Novelle des Gebäudeenergiegesetzes in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten ist“, erklärt er im Interview mit der WirtschaftsWoche (WiWo). Dies würde dazu führen, dass Investoren erste einmal abwarten.

Müller ist zwar froh, dass nun endlich der schwierigen Lage der Branche Aufmerksamkeit geschenkt wird, doch er fordert endlich konkrete Maßnahmen von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Bauministerin Geywitz. „Wir stehen sozusagen mit dem Rücken zur Wand“, mahnt Müller im Gespräch mit der Zeitung.

Die Baubranche steckt in der Krise. Bauverbandschef Tim-Oliver Müller fordert die Regierung nun zum Handeln auf. (Symbolfoto)

Wohnungsbau: Im schlimmsten Fall droht eine Entlassungswelle

Zudem warnt er auch davor, dass es bei fehlenden Aufträgen zu einer Entlassungswelle kommen könnte – und diese hätte schwerwiegende Folgen. „Wenn es zu einer Entlassungswelle kommt, werden die Fachkräfte nicht mehr zurückkommen. Künftige Kapazitätsprobleme sind dann unvermeidlich“, warnt er.

Müllers klarer Appell: „Die Bundesregierung muss jetzt Geld in die Hand nehmen.“ Es brauche verlässliche Rahmenbedingungen für bis zu 15 Jahre, aber auch schnelle Investitionsanreize. Eine konkrete Summe kann er nicht nennen. Das gesamte Paket müsse aber für einen „Push“ im Bau sorgen.

Dazu gehöre auch, die „sehr hohen Umweltstandards vorübergehend auszusetzen“. Denn der Bau eines Energiesparhauses, welches nur 40 Prozent der Energie eines Standardhauses verbraucht, erhöht die Baukosten um mehr als zehn Prozent, rechnet der Bauverbands-Chef gegenüber der WiWo vor. Aber: „Genau an dieser Stelle fehlt im Forderungspaket der Grünen ein Verständnis für das Gesamtsystem“, macht er klar.

Derweil hat der Telekom-Chef Probleme mit dem Standort Deutschland: „Es geht nicht um patriotische Entscheidungen“ (ph)

Rubriklistenbild: © IMAGO / BildFunkMV

Kommentare