- VonMax Schäferschließen
Bayer sieht sich im Zollstreit gut aufgestellt – bisher. Wenn Trump die Pharmabranche stärker in den Fokus rückt, müsste der Konzern den Ausbau in den USA verstärken.
Leverkusen – Bisher sind verschreibungspflichtige Medikamente von Donald Trumps Zöllen ausgenommen, die Maßnahmen sind vorübergehend ausgesetzt. Dennoch müssen sich auch Pharmaunternehmen für eine weitere Eskalation im Zollstreit rüsten. Das betrifft auch Bayer. Besonders, da Trump nun auch laut über 25-prozentige Einfuhrzölle auf Pharmaprodukte nachdenkt. Der Leverkusener Konzern könnte also schon bald in die Position kommen, um über Konsequenzen nachzudenken – und die Produktion in den USA auszubauen.
Bayer sieht sich von Trump-Zöllen noch nicht betroffen – könnte jedoch US-Produktion ausbauen
„Wir prüfen kontinuierlich, wie wir unsere Pharmaproduktion weiter stärken können, die in den USA eingeschlossen“, sagte Bayer-Vorstandsvorsitzender Bill Anderson im Handelsblatt-Interview. Die Frage war, ob Bayer am Ende eines langwierigen Zollkonflikts gezwungen sein könnte, die Produktion in den USA auszubauen. Andere Unternehmen der Pharmabranche haben diesen Schritt angesichts der drohenden Zölle schon angekündigt – so etwa der Schweizer Konzern Novartis.
Bisher sieht sich Bayer jedoch noch nicht stark von Trumps Zöllen betroffen – auch weil der Konzern bereits in den USA produziert. „Wir haben eine sehr globale Lieferkette und umfangreiche Produktionsanlagen in den USA, vor allem für Produkte im Agrargeschäft, bei verschreibungsfreien Medikamenten und auch einige im Bereich Pharma“, sagte auch Anderson am Dienstag, 15. April. „Insofern sind wir aktuell nicht besonders betroffen.“
Könnte Bayer zum Handeln zwingen: Trump will Pharmabranche bei Zöllen in den Blick nehmen
„Wir haben viel Energie in die Planung und Logistik an unseren globalen Standorten gesteckt, um etwaige Auswirkungen so gering wie möglich zu halten“, sagte der Bayer-Chef zudem. Es sei jedoch klar: „Dauerhaft hohe Zölle würden letztendlich auch die Forschungskraft der gesamten Branche bedrohen.“
Trump hatte am Montag, 14. April, erklärt, er wolle sich im Zollkonflikt um die Pharmaindustrie kümmern. „Wir stellen unsere Medikamente nicht selbst her“, zitierte die britische Zeitung The Telegraph den Republikaner. Die Konzerne seien in Irland und vielen anderen Orten, etwa China, führte Trump aus. „Ich muss nur Zölle erheben. Je mehr, desto schneller kommen sie her.“ Wie bei Autos, Stahl und Aluminium sollen die Zölle 25 Prozent betragen. Er habe schon einen Zeitplan, es werde in „nicht allzu ferner Zukunft“ passieren.
Bayer-Chef Anderson hofft im Zollstreit mit Trump auf Verhandlungen – und teilt US-Argument
Bayer-Chef Anderson hofft im Zollstreit deshalb auf eine Verhandlungslösung. „Wir müssen verdeutlichen, dass die Produktion im Pharmageschäft nicht der entscheidende Faktor für mehr Wohlstand ist“, sagte der Vorstandsvorsitzende mit Blick auf mögliche Argumente der Europäer. Die Produktion mache nur einen Bruchteil der Wertschöpfung eines Produkts aus. „Die entsteht in der Forschung und Entwicklung – und hier insbesondere in den USA“, sagte Anderson.
Beim Thema Forschung und Entwicklung sieht Anderson jedoch ein Argument der US-Amerikaner im Zollstreit. In den USA seien Medikamente teuer. „Das bringt den Unternehmen dort ausreichend Geld, um in Forschung und Entwicklung zu investieren“, erklärte der Bayer-Chef im Handelsblatt-Interview. „In Europa erzwingt die Politik hingegen möglichst niedrige Pharmapreise.“ Die US-Verbraucher und Unternehmen würden damit „Fortschritt und Innovation“ finanzieren, „wovon die ganze Welt profitiert“. Das sollte die EU-Politik in den Verhandlungen „ernst nehmen“.
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