„Bitte versucht, hohe Verbräuche zu vermeiden“

Befürchtung der 'Dunkelflaute': Energiekosten steigen rasant – erste Versorger warnen

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Stromgebühren erreichen Spitzenwerte: Die momentane Dunkelflaute zeigt die Defizite der gegenwärtigen Energiepolitik auf. Das gescheiterte Gesetz zur Sicherstellung der Stromversorgung intensiviert die Krise.

München – Nach dem Ende der Ampel-Koalition und dem Aus für das von Robert Habeck geplante Kraftwerksgesetz bekommt Deutschland immer größere Probleme mit seiner Energiepolitik. Die neue Dunkelflaute treibt die Strompreise in immer neue Rekordhöhen. Erste Stromanbieter fordern nun ihre Kunden auf, den Verbrauch zu bestimmten Zeiten zu vermeiden.

Strompreise im Rekordhoch: Die aktuelle Dunkelflaute legt die Schwächen der Energiepolitik offen. Erste Anbieter warnen ihre Kunden vor Verbrauch zu bestimmten Zeiten.

Strompreise im Rekordhoch: Dunkelflaute legt Schwächen der Energiepolitik offen

Mit der düsteren Wetter-Lage – völlige Windstille und Grau in Grau bei fehlender Sonne von Hamburg bis ins tiefste Bayern – ist am Donnerstagvormittag der Anteil der Stromerzeugung aus Photovoltaik und Windkraft auf Minimalwerte gesunken, wie die Marktdaten der Bundesnetzagentur zeigen. Die Folge: Die Strompreise explodieren an der Börse. Großhandelspreise für Strom nach 18 Uhr liegen bei einem neuen Rekord von 936 Euro pro Megawattstunde, wie aus einer anderen Datengrafik der Agentur hervorgeht. Das ist zehnmal mehr als üblich.

Schon im November hatte die Dunkelflaute durch ruhende Windräder und Photovoltaikanlagen die Energieversorger beunruhigt. Nun steigen die Preise an der Energiebörse noch kräftiger. Erste Stromversorger fordern bereits ihre Kunden mit dynamischen Tarifen auf, zu bestimmten Zeiten ihren Verbrauch einzuschränken.

„Bitte versucht hohe Verbräuche zu vermeiden“: Stromanbieter warnen Verbraucher vor Kostenfalle

„Vorsicht!“, warnt etwa der norwegische Ökostrom-Anbieter Tibber auf seinen Social-Media-Kanälen, „der Wind will aktuell einfach nicht mitspielen. Der maue Netzanteil aus Windkraft führt zu erhöhten kWh-Preisen“. Alle Kunden mit stündlich dynamischem Tarif sollten deshalb besonders vorsichtig sein. „Teilweise klettert der Verbrauchspreis über 70 ct/kWh … Bitte versucht hohe Verbräuche in betreffenden Stunden zu vermeiden.“

Kunden mit dynamischen Stromtarifen profitieren normalerweise von niedrigen Preisen in Zeiten von Ökostrom-Überschuss. Doch während einer oft beschworene Dunkelflaute drehen sich die Vorzeichen um: Der Strompreis steigt dann deutlich.

„Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist sehr hoch. Aber jede Preisspitze ist eben ein Knappheitsindikator und diese Situationen nehmen aktuell zu“, erklärt Dirk Güsewell, EnBW-Vorstand für Systemkritische Infrastruktur, dazu gegenüber IPPEN.MEDIA.

Katastrophe für die Versorgungssicherheit: Habeck muss auch letztes Energiewende-Projekt begraben

Um die Versorgungssicherheit für die Industrie und Verbraucher in Zeiten der Energiewende zu wahren, hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) das Kraftwerkssicherheitsgesetz auf den Weg gebracht. Es sollte die Förderung neuer Gaskraftwerke festschreiben, die später auf Wasserstoff umgestellt werden könnten. Doch aufgrund fehlender Mehrheiten aus der Opposition, aber auch der FDP mussten diese Pläne aufgegeben werden.

Stromverbrauch im Alltag senken: 12 einfache Tipps, um Geld zu sparen

Ein Mann legt Kleidung in eine Waschmaschine.
Tipp 1: Bei modernen Waschmaschinen genügt es schon, die Wäsche bei 40 Grad zu waschen. Wer anschließend die Wäsche an der Luft trocknen lässt, spart sich den Strom für den Trockner. © Cézaro De Luca/dpa
Haushaltsgeräte in NRW
Tipp 2: Nicht nur bei Waschmaschinen, sondern auch bei Spülmaschinen kann man mit den Ökoprogrammen viel Strom sparen. Auch wichtig: Immer voll machen. © Martin Gerten/dpa
Kalt duschen
Tipp 3: Mit einem Sparduschkopf, den man für wenige Euro im Baumarkt erhält, kann man im Jahr bis zu 250€ sparen. © dpa/ Jens Kalaene
Eine Frau wäscht sich unter der Dusche ihre Haare.
Tipp 4: Wer etwas kälter duscht und kürzer in der Dusche verweilt, spart einige Euro an Strom. © Patrick Pleul/dpa
Bauch durch Pandemie - Corona macht sich auf der
Tipp 5: Die Tür vom Kühlschrank so lange wie möglich geschlossen zu halten, spart viel Strom. Ebenfalls ist eine Temperatur von 7 Grad im Kühlschrank völlig ausreichend. © Lino Mirgeler/dpa
ein heißer Backofen
Tipp 6: Backen mit Umluft ist 15 Prozent energieeffizienter im Vergleich zum Backen mit Ober-, Unterhitze. © Monika Skolimowska/dpa
Kochtopf mit Deckel auf dem Herd
Tipp 7: Beim Kochen im Kochtopf hilft nicht nur der Deckel, sondern auch die kleinstmögliche Topfgröße, beim Strom sparen. © Pixabay
Halogenlampe
Tipp 8: Auch bei der Beleuchtung kann man Strom sparen: Neue LED-Birnen sparen gegenüber Halogen-Birnen 80 Prozent des Verbrauchs ein. © Patrick Pleul/dpa
Bett mit Nachttischlampe
Tipp 9: Einfach, aber effizient: Das Licht ausschalten, wenn es nicht benötigt wird. © pixabay
Energieversorgung
Tipp 10: Die meisten elektronischen Geräte fressen auch im Stand-By-Modus Strom. Deshalb: Bei Mikrowelle, Playstation, Ladekabel und Co. einfach mal den Stecker ziehen. © Sina Schuldt/dpa/Symbolbild

Strompreis auf Rekordhoch: Kritische Versorgungslage durch Dunkelflaute

Der mit Habecks grüner Energiepolitik beabsichtigte Bau von mindestens 20 neuen Gaskraftwerken, die in Zeiten ohne Wind und Sonne einspringen könnten, ist damit Geschichte. Die Energiebranche warnt nun im Vorfeld der Neuwahlen: Dieser Zubau steuerbarer Kraftwerkskapazitäten sei „hochgradig zeitkritisch“, so Kerstin Andreae, Vorsitzende des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) am Mittwoch, 11. Dezember: „Nur so können wir die Versorgungs- und Systemsicherheit langfristig gewährleisten und gleichzeitig den Kohleausstieg umsetzen“.

Denn ein weiterer Faktor trägt zu den jüngsten Preisexplosionen bei: Liefern erneuerbare Energien nicht genügend Strom, müssen Gas- und Kohlekraftwerke die Lücken füllen. Doch der Preis für Erdgas ist in den letzten Monaten stark angestiegen. Schwacher Wind und teures Erdgas führen dazu, dass Deutschland in der Dunkelflaute wieder vermehrt Kohlestrom benötigt. Ein verhängnisvoller Kreislauf.

„Brauchen stabile Rahmenbedingungen“: EnBW-Vorstand fordert Planungssicherheit

Auch EnBW-Vorstand Güsewell fordert „stabile Rahmenbedingungen für Investitionen in gesicherte Leistung, also in Kraftwerkskapazität, die jederzeit zur Verfügung steht“. Hier werde aktuell viel zu wenig investiert, auch, weil die Risiken für Investoren, bspw. das Risiko der Nicht-Verfügbarkeit von Wasserstoff, noch zu hoch seien. „In der neuen Legislaturperiode sollte das KWSG deshalb nicht nur schnell für Planungssicherheit sorgen, sondern auch so gestaltet werden, dass Investoren auch tatsächlich investieren können und dies insbesondere dort, wo aus netztechnischer Sicht besonderer Bedarf besteht – also insbesondere im Südwesten.“

Rubriklistenbild: ©  Sebastian Gollnow/Daniel Bockwoldt/dpa

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