Künstliche Intelligenz

Bei der Nvidia-Aktie ist noch Musik drin

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Keine Aktie hat vom Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI) so sehr profitiert wie die des Chip-Herstellers Nvidia. Angetrieben von der Nachfrage nach Hochleistungschips für das Training und den Betrieb von hochkomplexen KI-Systemen, sind Umsatz und Gewinn des US-Konzerns in den vergangenen zwölf Monaten in einem atemberaubenden Tempo gestiegen. Und mit ihnen der Kurs der Nvidia-Aktie:

Seit Anfang Mai 2023 hat sich der Kurs mehr als verdreifacht. Allein in diesem Jahr hat er sich mehr als verdoppelt. Gemessen an der Marktkapitalisierung war Nvidia schon vor der gestrigen Quartalsvorlage zum wertvollsten Konzern der Welt nach Microsoft und Apple avanciert. Nachdem der Chip-Gigant nun die hohen Analysten-Erwartungen mit seinen Quartalszahlen erneut übertroffen hat, ist er mit einer Marktkapitalisierung von 2,6 Billionen Dollar sogar mehr wert als Amazon und Tesla zusammen.

Kann Nvidia den Börsenwert über die 3-Billionen-Dollar-Grenze hinaus steigern? Seine Chips haben neue Maßstäbe gesetzt, beherrschen den KI-Markt mit einem Anteil von 70 Prozent. Sie stecken auch in den Rechenzentren aller großer KI-Anbieter - angefangen von der Facebook-Mutter Meta und Google über Amazon bis hin zu Microsoft. Sie alle berichten, dass sie ihre KI-Rechenzentren schneller aus- oder aufgebaut hätten, wenn sie denn ausreichend Nvidia-Chips zur Verfügung hätten. Kam der Markt für KI-Halbleiter im vergangenen Jahr auf 53 Milliarden Dollar, sagen die Analysten des IT-Marktforschungsinstituts Gartner bis zum Jahr 2027 ein Wachstum des Marktes auf 140 Milliarden voraus.

Einige Investoren sind zwar der Ansicht, dass der Hype um die Künstliche Intelligenz die Bewertungen aller KI-Anbieter aufgebläht hat, auch die von Nvidia. Tatsächlich notiert die Aktie des Chip-Giganten aber derzeit beim 40-Fachen des erwarteten Gewinns und damit bei einem deutlich niedrigeren Multiple als vor einem Jahr.

Andere Investoren sehen bei der Nvidia-Aktie kaum noch Kurspotenzial, weil sich Microsoft, Meta, Google und Amazon daran gemacht haben, eigene Hochleistungschips zu entwickeln. Kritiker verweisen vor allem auf die Fortschritte, die Google mit seiner „Tensor Processing Unit“ (TPU) und der Chip-Hersteller AMD mit seinen MI330X gemacht haben.

Aber davon abgesehen, dass es Zeit braucht, große Produktionskapazitäten zu schaffen, sprechen sowohl der technologische Vorsprung wie auch das geschlossene Ökosystem von Nvidia für dessen weiteren Erfolg. Sind seine derzeitigen Chips der sogenannten Hopper-Generation schon das Maß aller Dinge, wird der Konzern im kommenden Monat mit der Auslieferung eines neuen Chips unter dem Namen „Blackwell“ beginnen, der den Angaben nach doppelt so leistungsfähig ist wie der Hopper-Chip. Und um seinen Vorsprung zu sichern, hat Nvidia gestern für jedes Jahr ein jeweils neues Top-Modell in Aussicht gestellt.

Hinzu kommt, dass der Konzern sich nicht auf die Produktion von Chips beschränkt. Vielmehr bietet er umfassende KI-Lösungen aus einer Hand. Und zwar über seine Plattform Cuda, die es Kunden ermöglicht, Software-Programme zu nutzen, die auf Nvidia-Chips laufen - etwa vergleichbar mit Apple, das Software entwickelt, die auf seinen iPhones läuft. Bemühungen der anderen Tech-Giganten, zusammen unter dem Namen Triton eine solche Software-Plattform auf Open AI-Basis aufzubauen, sind noch nicht weit gediehen.

Folglich sieht es ganz danach aus, als werde Nvidia den AI-Chip-Markt auf absehbare Zeit weiterhin dominieren - dadurch auch künftig seine Preise durchsetzen können und profitabler als die Konkurrenten bleiben. Insofern erscheint die 3-Billionen-Dollar-Marke bei der Marktkapitalisierung für den Konzern durchaus erreichbar.

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