Hohe Kosten, sinkender Umsatz

Deutscher Bauzulieferer meldet wegen zu hohen Kosten Insolvenz an - 500 Mitarbeiter betroffen

  • schließen

Der Bauzulieferer VBH Deutschland hat einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Gründe für die Schieflage sind steigende Kosten und ein sinkender Umsatz.

Korntal-Münchingen - Die Baukrise in Deutschland zieht sich bereits seit vielen Monaten und hat nun auch einen bedeutenden Zulieferer ereilt. Wie die VBH Deutschland GmbH mit Sitz in Korntal-Münchingen (Baden-Württemberg) vor wenigen Tagen selbst in einer Pressemitteilung verkündete, hat das Unternehmen am Amtsgericht Ludwigsburg einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung angemeldet. VBH Deutschland ist Teil der internationalen VBH-Gruppe und gilt als Expertenmarke für Fenster- und Türbeschläge.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Als Grund für ein notwendiges Sanierungsverfahren gibt VBH Deutschland in der Mitteilung die hohen Kosten bei gleichzeitig sinkenden Umsätzen an, die das Unternehmen eigenen Angaben zufolge bereits seit Jahren stark belasten. „Trotz intensiver Bemühungen konnte das Unternehmen bisher die erforderlichen Umsatzsteigerungen für eine langfristig kostendeckende Organisation nicht erreichen“, heißt es in der Mitteilung. „Dies machte die nun eingeleiteten Schritte notwendig.“ Baden-Württemberg ist laut einer Statistik besonders von der Insolvenzwelle betroffen.

Bauzulieferer VBH saniert sich in Eigenverwaltung: Gehälter der Mitarbeiter durch Insolvenzgeld gesichert

Das Amtsgericht Ludwigsburg hat den Antrag der VBH Deutschland genehmigt, was dem Unternehmen ermöglicht, sich in einem rechtlichen Rahmen und bei laufendem Geschäftsbetrieb selbst neu aufzustellen. „Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung war die Entscheidung für ein Eigenverwaltungsverfahren jetzt unvermeidlich“, erklären die beiden Geschäftsführer Fekke van Dijk und Michael Karthaus, die dadurch weiterhin die Verantwortung haben, aber von mehreren Experten unterstützt werden. Zum einen von Rechtsanwalt Martin Mucha von der Stuttgarter Kanzlei Grub Brugger und zum anderen vom vorläufigen Sachverwalter Holger Leichtle von der Wirtschaftskanzlei GÖRG.

Name VBH Deutschland GmbH
Gründung 1975
Sitz Korntal-Münchingen
Branche Baubranche, Zulieferer
Mitarbeiter rund 500 in Deutschland

„In der hart umkämpften und von Margendruck geprägten Baubranche ist die VBH Deutschland seit Jahren eine konstante Größe“, erklärt der Sanierungsexperte Martin Mucha, der unter anderem auch das Insolvenzverfahren des Reutlinger Maschinenbauers Manz verwaltet hat, laut Mitteilung. „Die aktuellen Marktbedingungen erfordern, dass sich auch die VBH Deutschland zukunftsfähig aufstellt.“ Dabei sei die Einleitung des Eigenverwaltungsverfahrens der erste Schritt. Die Löhne und Gehälter der rund 500 Mitarbeiter sind für die kommenden drei Monate durch das Insolvenzgeld abgesichert.

Die VBH Deutschland GmbH, ein bedeutender Zulieferer für Fenster- und Türenbauer, hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet (Symbolfoto).

VBH Deutschland zuversichtlich, genug Handlungsspielraum für Fortführung zu haben

Die VBH-Gruppe mit weltweit 1.600 Mitarbeitern ist als Zulieferer für Fenster- und Türenbauer mit Tochterunternehmen in 20 Ländern aktiv. Das Eigenverwaltungsverfahren betrifft allerdings nur die VBH Deutschland mit Sitz im baden-württembergischen Korntal-Münchingen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir auch die VBH Deutschland GmbH durch die Sanierung und die Konzentration auf die ertragreichen Geschäftsbereiche wieder profitabel machen können“, erklärt Lubomir Bohac, CEO der VBH Holding. Auch die Deutschland-Tochter selbst ist zuversichtlich, mit einem frühzeitigen Verfahren genug Handlungsspielraum für eine Fortführung zu haben.

Im vergangenen Jahr hatte ein Branchenprimus der deutschen Bauindustrie Insolvenz angemeldet, wovon ganze sieben Firmen und rund 420 Mitarbeiter betroffen waren.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Zoonar.com/Robert Kneschke

Kommentare